Viel Lärm um nichts

Auf den letzten Seiten lässt Véronique Olmi die Protagonistin ihres Romans „Der Mann in der fünften Reihe“ sagen: „[…] und dann habe ich die Nacht in einem Bahnhof verbracht und jemandem, der vielleicht zugehört hat, mein Leben erzählt. Ich habe mit der erstbesten reglosen Person gesprochen. […]“ Eine treffende Beschreibung: reglos. Vielleicht reglos vor Freude,…

Aufrichtig geliebt

„Die Stille dauerte eine Ewigkeit, dann legten die Musiker los und meine Eltern begannen, sich langsam umeinander herum zu drehen, sie hielten die Köpfe leicht geneigt und schauten sich tief in die Augen, als suchten sie sich, als zähmten sie sich. Ich fand es schön, und es machte mir Angst. Dann gebann die große rot-schwarze Frau zu singen, die Gitarren nahmen Tempo auf, die Becken vibrierten, die Kastagnetten klapperten, mein Kopf drehte sich, meine Eltern flogen. Sie flogen, meine Eltern sie flogen umeinander, sie flogen, die Füße am Boden, den Kopf in der Luft, wirklich, sie flogen und wenn sie landeten, hoben sie gleich wieder ab, wie zwei ungeduldige Wirbelwinde, nur um aufs Neue zu fliegen, voller Leidenschaft und entfesselt im glühenden Tanz. Nie zuvor hatte ich sie so tanzen sehen, es war wie ein erster Tanz und auch wie ein letzter. Ein Tanz wie ein Gebet, Anfang und Ende in einem.“

Erodierendes Eheleben

Beziehungen sind für Personen außerhalb immer schwierig zu verstehen und zu beschreiben. Zumal man vieles nicht sieht, viele Entwicklungen, die im Inneren stattfinden, nicht mitbekommt. Selbst beste Freunde und Freundinnen der Ehepartner schütteln, ob der Entscheidungen ihrer sich Ihnen anvertrauten Freunde manchmal den Kopf. Entschlüsse sind nicht nachvollziehbar und karikieren das vorher Gesagte. Als Kind und…

Das fehlende Sahnehäubchen

Zelda Fitzgerald erging es lange wie vielen Frauen vor ihr: Zunächst als schmückendes Beiwerk des großen F. Scott Fitzgerald, dann als dessen Klotz am Bein und Auslöser seiner Trunksucht und bis hin zur „Kreativitätsbremse“ betrachtet, billigte man ihr kaum eigene ernstzunehmende Kreativität zu. Sicher, eine schillernde Persönlichkeit. Anmut und Charme wurden ihr bescheinigt. Mit Kunst…

Ein Mädchen, das Beerdigungen sammelt und ein Mann, der niemals schläft

Ferdinand hat ein Problem: Er würde gerne schlafen, kann es aber nicht. Seit er denken kann, ist das schon so. Manch einer würde an diesem Schicksal zerbrechen, doch Ferdinand ist erfinderisch genug, sich immer wieder an die neuen Gegebenheiten anzupassen, denn sein Körper verändert seine Bedürfnisse permanent. Anfangs arbeitet er als Flugbegleiter – der vermeintlich…

Kunst ist eine Gefühlsäußerung

Kunst entzieht sich der Logik, man muss sie fühlen. Ein Bild gefällt oder gefällt nicht, so einfach kann das sein. Charles Strickland ist ein Getriebener, er muss malen. Sein einziges Ziel ist es, in seinem Leben Schönheit zu schaffen. In seinem Brotberuf – er ist Börsenmakler – wird das nicht gelingen, deshalb packt er kurz…

Und lasse mich nichts im Leben aushalten müssen

Politisch aufrührerische Zeiten waren es in den 1830er Jahren, als es den erst 18 jährigen Georg Büchner von Darmstadt ins politisch freiere Straßburg verschlug. Vorrangig wegen des Medizinstudiums, politische-freiheitliche Ansichten ergaben sich dort zwangsläufig aus der Liebe zur Philosophie. Eine andere Liebe fand der junge leidenschaftliche Büchner in der 3 Jahre älteren Tochter seiner Vermieter:…