Short but great

Es gibt Bücher, die haben richtig Substanz und trotzdem kann man nicht allzu viel über sie sagen, außer: guckt selbst. Eines dieser Bücher ist das im Kiwi-Verlag von Jacky Fleming erschienene Das Problem mit den Frauen. Ausgangspunkt dieses überaus witzigen, klugen und außergewöhnlichen Büchleins war die natürlich nicht ganz ernst gemeinte Feststellung, dass es keine…

Geister der Vergangenheit

Direkt neben dem Coffeeshop ist ein Schuhputzstand, zwei throngleich erhöhte Sitze, darunter ein Bursche, der einem die Schuhe poliert. Es ist ein junger Mann, der in diesem Moment in ein Buch vertieft ist und die Uniform trägt, die mit seinem Beruf offenbar zwangsläufig einhergeht: Hosenträger und Schirmmütze, eine vage an den Beginn des zwangzigsten Jahrhunderts erinnernde Kombination. Neben Samuel steht Periwinkle, der sich die Schuhe putzen lassenwill, aber zögert.
„Ich bin ein gebräunter Weißer in einem teuren Anzug“ sagt Periwinkle, und starrt den schwarzen Schuhputzer an.
„Und das bedeutet genau was?“ fragt Samuel.
„Ich mag das Bild nicht.“

Underdogs

Wer mich kennt, also etwas näher als über diesen Blog oder sonstige sozialen Netzwerke, weiß erstens, dass ich in Nürnberg geboren wurde, zweitens in einer unglaublich Fußball affinen Familie aufwuchs, drittens mein Vater das Glück hatte, einen Glubberer*  der 1968er goldenen Generation-Mannschaft, die dann leider ja auch gleich 1969 von der ersten in die zweite…

Im Bugatti auf der Flucht

Bugatti – alleine der Name lässt so manchen ins Schwärmen kommen, steht er nicht nur für formschöne Automobile der Extraklasse. Ich persönlich verband damit vor allem Italien – wahrscheinlich, weil der Firmengründer der Automobilsparte, Ettore Bugatti, gebürtiger Mailänder war und die Bugattis mir als Künstlerfamilie im Gedächtnis hafteten. Für seine Automobilherstellung wählte Ettore Bugatti jedoch…

Aufrichtig geliebt

„Die Stille dauerte eine Ewigkeit, dann legten die Musiker los und meine Eltern begannen, sich langsam umeinander herum zu drehen, sie hielten die Köpfe leicht geneigt und schauten sich tief in die Augen, als suchten sie sich, als zähmten sie sich. Ich fand es schön, und es machte mir Angst. Dann gebann die große rot-schwarze Frau zu singen, die Gitarren nahmen Tempo auf, die Becken vibrierten, die Kastagnetten klapperten, mein Kopf drehte sich, meine Eltern flogen. Sie flogen, meine Eltern sie flogen umeinander, sie flogen, die Füße am Boden, den Kopf in der Luft, wirklich, sie flogen und wenn sie landeten, hoben sie gleich wieder ab, wie zwei ungeduldige Wirbelwinde, nur um aufs Neue zu fliegen, voller Leidenschaft und entfesselt im glühenden Tanz. Nie zuvor hatte ich sie so tanzen sehen, es war wie ein erster Tanz und auch wie ein letzter. Ein Tanz wie ein Gebet, Anfang und Ende in einem.“