Schmeck mein Blut

Wie kann frau an das Thema Hass im Netz herangehen? Da kann zum Beispiel seitenlang über die Hassbotschaften, denen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, vor allem digital permanent ausgesetzt sind, lamentiert und anschließend analysiert werden, warum die Situation eben so ist, wie sie ist. Oder frau wählt eine innovative Herangehensweise wie die Herausgeberin Lydia Haider, die sich ein sehr spannendes, neues Konzept für ihr Buch vorgenommen hat, indem sie einmal ausnahmsweise Frauen eine Bühne bietet, all ihren Hass in die Welt hinauszukotzen. Das kann natürlich auch in die Hose gehen, indem das Ganze vom Niveau sehr primitiv und tief angelegt ist, aber wenn für die 15 geplanten Hetzreden ganz kluge, kompetente und des Schreibens mächtige Künstlerinnen für so ein Projekt eingeladen werden, schaut die Sache schon wieder völlig anders aus. Deshalb meine ich und sage es ganz unverblümt, dieses Hassbuch hat die Welt auf jeden Fall dringend gebraucht.

Lydia Haider sagte selbst in einem Interview zu diesem Buchkonzept:

Die Hassrede ist vor einigen Jahren zu einer meiner schreiberischen „Spezialitäten“ geworden – seit damals schwebte mir auch vor, hierzu ebenso befähigte Frauen mit deren Hassreden in einem Buch oder bei Veranstaltungen zu versammeln. […]
Obwohl das etwas ist, von dem die Rechte und vor allem Männer glauben, dieser Bereich würde ihnen gehören. Nur ist das nicht so. Und nun gibt es Widerstand aus allen erdenklichen Richtungen.
[…] Es liegt mir fern, den Sinn des Hassens allgemein zu bewerten. In der Literatur, in meinen Texten widme ich mich dem Hass, da er in der Gegenwart überpräsent und zeitgleich in die falschen Hände geraten ist. Was so im Zentrum der Gesellschaft steht und die Menschen so bewegt – in eine sichtlich falsche Richtung – muss aufgegriffen, zigfach umgearbeitet und das Ruder damit herumgerissen werden.

Deshalb legte Lydia Haider den Hass in die Hände von schriftstellerischen und feministischen Kapazundern wie Raphaela Edelbauer, Sibylle Berg, Gertraud Klemm, Stefanie Sargnagel und viele andere mehr und forderte sie auf, eine Hetzrede zu verfassen. Jede dieser Künstlerinnen ging völlig anders mit der gestellten Aufgabe um und das ist wirklich extrem spannend.

Das Buch bietet eine größtmögliche Bandbreite an Hass auf höchstem Niveau: Übertriebenes und/oder ins Ironische Gebrochenes genauso wie erzählende Texte, aber auch Ernsthaftes. Ohne Grenzen, ohne Themenbegrenzungen, ohne Machogesten.

Am besten haben mir fünf Herangehensweisen an das Thema gefallen.

Da schmettert beispielsweise Sophia Süßmilch, eine deutsche Multimediakünstlerin, der Leserschaft eine vollständige Liste aller Dinge, die sie hasst, gar köstlich ironisch aufbereitet, entgegen. Das geht von Salzburg über Frankfurt über Yoga, BHs, Hoden, Achtsamkeit, Psychoanalyse, Doppelnamen, Kartoffeln, After Eight, gekippte Fenster, Pizza Hawaii, dreckige Lichtschalter bis hin zu Kindern.

Ich hasse Salzburg.
Wenn ein wirklich schlechter LSD-Trip und die schlimmste Winterdepression, die du dir vorstellen kannst, miteinander ein Kind bekommen würden, es würde Salzburg dabei herauskommen, das Disneyland für Heimatkundler.

Ich hasse Gesellschaftsspiele.
Bumsen mit starken Regelschmerzen, die Steuererklärung machen, einen nassen Sandsack die Treppe hochtragen, Babys beim Schreien zuhören, nach Salzburg zum Sterben fahren … All das ist im Zweifelsfall sinnvoller und macht wesentlich mehr Spaß als Brettspiele.

Oder Raphaela Edelbauer schrieb vor 7 Jahren an eine Literaturjury eine Rede, warum und wie sie sich nicht dem Fräuleinwunder-Diktat, dem sich junge Autorinnen zu unterwerfen haben, wenn sie erfolgreich sein und Preise gewinnen wollen, unterordnen kann. Nun hat sie es ja irgendwie trotzdem in den Hauptpavillon der Frankfurter Buchmesse geschafft und ein paar Preise eingeheimst. Deshalb richtet sie uns am Ende dafür eine Entschuldigung aus und kann sich nicht erklären, wie das zugegangen ist.

Sibylle Berg schreibt eine gruselig verstörende Geschichte über ihren Sohn, der sich von einem lieben Kind durch den Fußball und die Gesellschaft, in die er sich auf dem Fußballplatz begeben hat, zu einer Person entwickelt, die sie nicht mal mehr als ihr Kind akzeptieren kann.

Die Rechtsextremismusexpertin, Literatur- und Politikwissenschaflerin Judith Goetz kotzt sich in ihrem Pamphlet über Männerbünde und schlagende Studentenverbindungen aus. Das ist auch extrem köstlich und Hass auf höchstem Niveau. Die Schriftstellerin Gertraud Klemm schildert sehr humorvoll vier Zumutungen, die ihr so in ihrem Leben widerfahren sind, beziehungsweise permanent auftreten.

Bei so einer Vielfalt an Zugängen zu diesem Thema gibt es natürlich auch Passagen, die mir nicht ganz so gut gefallen haben. Für mich persönlich, die mit Lyrik nicht so viel am Hut hat, waren es beispielsweise die Gedichte der Aktionskünstlerin Ebow, aber so hat natürlich jeder andere ganz spezifische Vorlieben. Genau das ist jedoch das Schöne an diesem Werk: die Breite und Variationen des literarischen Angebots zu diesem Thema.

Ach ja, sehr hilfreich waren die Kurzbiografien am Ende des Buches, die mir mehr über jene Autorinnen verrieten, die ich bis dato noch nicht gekannt habe. Sehr wohltuend habe ich auch empfunden, dass sich die Herausgeberin Lydia Haider ganz bewusst nicht in den Vordergrund ihres eigenen Buches gedrängelt hat, indem sie außer dem kurzen Vorwort in Form einer Hassrede keinen weiteren eigenen Beitrag verfasst hat. Sie tritt nach hinten und gibt die Bühne frei für ihre hochgeschätzten Kolleginnen.

Fazit: Leseempfehlung! Ein wichtiges, notwendiges Buch für JederMann (in dem Fall auch Frauen mitgemeint 😉 ). Hassvariationen und -pamphlete von klugen Frauen auf höchstem literarischen und mitunter satirischen Niveau. Für Männer manchmal vielleicht ein bisschen schmerzhaft, aber auch sehr witzig, auf jeden Fall aber extrem interessant. Schaut Euch mal an, wie intelligente Frauen, die auch noch zu schreiben vermögen, diese Domäne zu interpretieren wissen.

Und wie wir hassen! von der Herausgeberin Lydia Haider ist 2020 im Verlag Kremayr und Scheriau als Hardcover erschienen. Nähere Infos zum Buch über einen Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

P.S.: Der schräge Titel meiner Rezension Schmeck mein Blut sollte eigentlich ursprünglich der Titel dieses Buches sein, aber er wurde in der Annahme verworfen, dass dem Literaturestablishment so viel noch nicht zumutbar sei. Probieren wir mal, ob er bei uns als Literaturfreaks ankommt.

6 Gedanken zu “Schmeck mein Blut

  1. @fraggle Sorry für die späte Antwort. War nicht am Computer

    Ja ich unterstelle Dir jetzt ganz hinterrücks und ohne Vorabrecherche, ein anständiger Mann (ohne Anführungszeichen) zu sein 🙂

    Die Erziehungstile der 70er Jahre habe ich deshalb hier angesprochen, weil ich sie als derzeit noch sehr relevant erachte, denn das, was man etwas Stereotypisierend als alter weißer Mann bezeichnet, sitzt an den Hebeln der Macht und ist auch auch jene prägende Gruppe, die sehr viel am Arbeitsplatz als Chefs den Ton bestimmen, wie Frauen behandelt werden. Ebenso in den Zeitungen und anderen Medien wie Fernsehen, da sie als Chefredakteure die Tonaltität der Medien bestimmen.

    Ich Danke Dir auch sehr herzlich für die Diskussion und stimme Dir zu, wir haben zwar nicht dieselbe Meinung aber die Diskussion ist sehr erfreulich

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  2. Ich habe überhaupt nichts gegen ausufernde Antworten, sind sie doch manchmal nötig, um Standpunkte deutlich zu machen. 🙂

    Im Grunde unterstellst Du mir, ich sei einer dieser „anständigen Männer“, die behaupten, „das Problem würde nicht exisiteren“, dabei schrieb ich eingangs direkt, ich „werde mir aber sicherlich nicht anmaßen, diese zu bestreiten.“ mal ganz davon abgesehen, dass ich das etwas unfair finde: Ich weiß, dass das Problem existiert!

    Und es ist sicherlich auch so, dass Frauen mehrheitlich betroffen sind, aber eben nicht ausschließlich. Anders als bei #metoo, anders als beim gender pay gap, meinetwegen auch anders als bei nicht gendergerechter Sprache, wendet sich Hass nicht in erster Linie gegen Frauen oder Männer, sondern gegen Menschen. Und nur darum ging es mir.

    Und ja, das mit der Erziehung ist sicherlich eine Generationenfrage. Aber ich finde es wenig hilfreich, die Standards der 70er auf heutige Männergenerationen anzuwenden und sinngemäß zu behaupten, das sei nach wie vor so. Denn das stimmt einfach nicht. Und nicht erst seit gestern.

    Wir werden uns diesbezüglich sicherlich nicht einig, aber das Schöne ist ja: Müssen wir ja auch gar nicht. 😉 In erster Linie leben Diskussionen schließlich von einem Meinungsaustausch. Insofern danke ich Dir für eben diesen Austausch.

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  3. @Fraggle Dass bei besonders exponierten Prominenten Frauen wie auch Männer den Hass abkriegen, wie derzeit Drosten habe ich ohnehin vorab schon eingeräumt, aber doch auch gesagt, dass seit ein paar Jahren auch extrem viele normale unprominente Frauen mit größeren Accounts permanent dem Hass ausgesetzt sind. Und das ist schon eine ganz andere Dimension. Zusätzlich sind fast ausschließlich Frauen in Sach-Argumentationen Bodyshaming ausgesetzt und Vergewaltigungs- drohungen und fantasien habe ich auch kaum bei Männern gesehen. Im Gegensatz dazu nicht nur bei prominenten Frauen, sondern ganz normal im fachlichen Diskurs mit irgendwelchen weiblichen Usern. Das ist schon ein völlig anderes Ausmaß, als jenes, das Du aus der männlichen Sicht schilderst, wie wir Frauen dem Hass ausgesetzt sind. Ich glaube auch, jene Männer, die so etwas nicht tun, unterschätzen einfach völlig die Dimension dessen, was Frauen, die online mehr als ein paar Freunde als Follower haben, durchhalten müssen.

    Dass wahrscheinlich nur ca. 5% der online aktiven Männer so etwas tun , ist auch klar, aber jene, die es tun, belästigen und beschimpfen hunderte von Frauen und dadurch wird auch insofern ein Problem daraus, dass die andere Gruppe der Männer meint, das seien ja wenige Einzelfälle und wir könnten das einfach ignorieren. Das ist wirklich ein Problem, dass anständige Männer glauben, das Problem würde nicht exisiteren, oder sei halt nur ein Einzelfall und uns hier auch oft die Solidarität verweigern. Sie fragen nämlich auch leider viel zu wenig bei Frauen nach. Frag bitte mal Frauen mit mehr als 1000 Followern auf Twitter, die nicht nur andere Tweets retweeten, und Essens- bzw. Katzenbilder posten sondern eine eigene Meinung äußern. Du wirst Dich wundern. Du musst halt auch fragen. Warum ich Dir das so ausführlich darlege, ist der Umstand, dass ich der fixen Meinung bin, dass Du genauso ein anständiger Mann bist, der sich das einfach nicht vorstellen kann, aber halt auch eigentlich nicht vorstellen will und somit den Kopf in den Sand steckt.

    Übrigens die letzte ärgere Vergewaltigungsfantasie abseits von normalen Beschimpfungen hatte ich als nicht prominente ganz normale Buchbloggerin übrigens auf Facebook Mitte September letzten Jahres und diese Vergewaltigungsfantasie kommt rasend schnell und bei harmlosen Posts und Antworten, wenn die Argumente ausgehen.

    1. ich habe so wie hier in einer Buchrezension (frau anstatt man) geschrieben
    2. Ich wurde als nicht der Rechtschreibung fähiger Trottel beschimpft
    3. Ich antwortete sehr höflich und in sehr intellektuellem Deutsch, dass ich Uniausbildung genossen habe, Lektorin bin, was Mann (diesmal nicht generisch) in Facebook feststellen könnte und mir nun eine innovative Marotte herausnehme, anstatt das generische Maskulinum man zu verwenden, ein generisches Femininum frau einzusetzen.
    4. Er: Gschissene Feministenschlampe
    5. Danke für dieses Lob früher war ich gar keine Feministin, aber seitdem Frauen in ganz normalen Diskussionen als Trottel und als Feministenschlampe herabgesetzt werden, freue ich mich über diese Auszeichnung mittels Schimpfwort
    6. Er: Vergewaltigungsfantasie

    Ich muss auch noch dazusagen, dass das männliche Publikum der Buchleser normalerweise wirklich nicht typisch und reprentativ für diese Männer ist, die sich in Facebook und in Twitter herumtreiben, und die Frauen ganz bewußt mit Beschipfungen aus dem Diskurs treiben. Bei den Technikern (ich bin Wirtschaftsinformatikerin mit Social Media Schwerpunkt und dem Hobby Literatur) ein probates Mittel, eine Diskussion unter Technikern zu gewinnen. Wobei in der Buchcommunity Goodreads passiert das auch schon einmal öfter und ganz schlimm ist es in der Gaming Community da kannst Dich als Frau warm anziehen oder es gleich lassen.

    Ich habe denselben Irrtum wie Du mit unangenehmen Dick-Picks erlebt und dachte, das seien auch Einzelfälle, da ich noch nie eines gekriegt habe. Twitter, Insta und andere Accounts schauen bei mir unisex aus und wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich schon 50+ bin also ist auch klar, dass ich aus dieser Zielgruppe raus bin, also wenig darüber wissen kann. Als ich genauer bei meinen (meist jüngeren) Freundinnen fragte, fiel ich aus allen Wolken, wie vielen das schon passiert ist und von wem die Dick-Picks stammten. War auch ein bekannter Schriftsteller dabei.

    Sorry noch Mal für die ausufernde Antwort, aber ich will möglichst viele anständige Männer überzeugen, dass hier wirklich ein Problem besteht.

    Ach ja das mit der Erziehung von Buben ist wahrscheinlich eine Generationenfrage ich habe es noch so erlebt. In den 70ern wurden wir so erzogen. Mädchen hatten lieb still und demütig zu sein und Jungen durften sich wehren.

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  4. Ich kann die von Dir genannten Beispiele nicht beurteilen, weil ich tatsächlich keine solchen Erfahrungen – aus nachvollziehbaren Gründen – kenne, werde mir aber sicherlich nicht anmaßen, diese zu bestreiten. Und dass die Situation so ist, wie sie nunmal ist, ist sicherlich nicht einfach so hinnehmbar. Aber es geht doch hier – anders als beispielsweise bei #metoo, was ein ganz anderes Thema ist – um im Netz geäußerten Hass, oder nicht!? Und ich kann nicht nachvollziehen, dass man aus diesem gesamtgesellschaftlichen Problem ein geschlechtsspezifisches konstruiert, und daraus die Berechtigung ableitet, jetzt zurückschießen zu dürfen.

    Sicherlich ist die Situation genau so wie von dir beschrieben. Nur werden Männer eben auch Opfer von Hass, auch Männern wird in entsprechenden Medien Ahnungslosigkeit unterstellt und das meistens von anderen Männern, die leider tatsächlich keine Ahnung haben.

    Würden aber – als aktuelle Beispiele – der SPD-Politker Lauterbach und der Virologe Drosten, heute erneut Opfer von Morddrohungen geworden, als Herausgeber eines Buches fungieren, in denen sie Autoren von Sebastian Fitzek bis Robert Menasse dasselbe machen ließen, wie im hier vorliegenden Buch, würde man das entstandene Werk bestenfalls als peinlich und geschmacklos einordnen.

    Und was die Behauptung angeht, dass „Männern wurde schon immer beigebracht“ wurde „sich auch durchaus einmal die Hände schmutzig zu machen.“ wenn es um die Bereinigung eines Konfliktes geht, so finde ich das schlicht falsch. Natürlich wird es Männer geben, und zwar vermutlich nicht wenige, denen man in ihrer Kindheit gesagt hat: „Ja, dann schlag halt zurück!“, aber genausowenig lässt sich die eben zitierte Behauptung so pauschal über alle Männer sagen, wie ich es unzulässig finde, aus Hass ein primär geschlechtsspezifisches Problem zu machen.

    Wenn man ein geschlechtsspezifisches Problem daraus machen wollte, dann bitte dahingehend, dass die Verursacher solcher Kommentare und die Menschen, die ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen mehrheitlich – ich würde sogar behaupten, nahezu ausschließlich – Männer sind. Darauf können wir uns dann wieder einigen. 😉

    Oh, und ich bin für jede zukünftige Erweiterung hinsichtlich des östereichischen Wortschatzes dankbar. 🙂

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  5. @fraggle Freut mich dass, ich wieder ein paar österreichische Wörter unters Volk werfen darf. 2. Zu Deiner Position möchte ich zu bedenken geben, Frauen haben schon sehr oft auf die unterschiedlichsten Weisen probiert, dieses Problem im breiten Diskurs zu verankern, und ihm zu begegnen. Durch Aufzeigen des Problems z:B. #metoo (Opfer sollen wir aber dann auch nicht sein) durch Humor, durch Liebe etc. … durch Ignorieren (dann wird es noch schlimmer). Leider hat es gar nix genutzt, im Gegenteil, zum Beispiel auf Twitter wird die Hatz auf Frauen in der virtuellen Öffentlichkeit immer schlimmer (bin seit 2009) dabei. Mittlerweile ist sie sogar schon organisert und betrifft nicht nur Journalisitnnnen und Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sondern alle mittelgroßen als weiblich identifizierten Accounts die es wagen, zu irgendeinem Thema irgendetwas zu sagen. Das ist tatsächlich seit 2-3 Jahren zu bemerken, dass Frauen durch gezielten Hass und Beleidigungen aus dem Online Diskurs hinausgedrängt werden sollen. Wir reden hier nicht nur von Rechten, die das tun, sondern von vielen Männern, die glauben, wenn Sie (zu einem Buch oder einem technischen Thema…zu irgendwas) anderer Meinung sind, aber keine Expertise haben, jene Frauen mit Expertise mit Hass und persönlichen Beleidigungen aus der Diskussion zu drängen und auch noch Gesinnungsgenossen mit DRUKOS (Drunterkommentaren) reflexartig auf die Hatz zu schicken. Passiert mir zwar seltener, weil ich fast überall dieses Krokodil habe, das nicht eindeutig als weiblicher Account identifiziert wird, aber wenn ich mich durch den Inhalt des Geposteten als Frau indentifiziere, passiert es mir mindestens einmal im Monat vor allem wenn ich mich zu IT-Themen äußere.

    Insofern finde ich – einmal den Hass, die Wutrede und die polemische Rede – auf einem weit höherem intellektuellen Niveau an das männliche Publikum zurückzugeben, eine neue, durchaus angemessene Strategie, die es zu probieren gilt. Vielleicht funktioniert sie. Möglicherweise hilft sie genauso wie Selbstverteidigung gegen Vergewaltigung hilft. Übles mit Üblen zu kontern, ist zwar, vor allem wenn Männer Frauen bewerten, verpönt aber offensichtlich nur in der Erziehung von Mädchen, denn Männern wurde schon immer beigebracht, sich adäqat zu wehren und sich auch durchaus einmal die Hände schmutzig zu machen. Nun durchbrechen ein paar Frauen dieses „Immer Lieb sein“ Erziehungsparadigma und ich bin sehr froh, dass so etwas erstens endlich passiert und eben auch als adäquater Umgang und Strategie von Frauen mit dem Problem anerkannt wird. Schaun wir mal, ob wir als Böse Mädchen dieses tatsächlich extrem massive Problem (wird übrigens von vielen Männern gar nicht wahrgenommen) auf diese Weise in den Griff bekommen. Verdient haben wir es nicht ducken zu müssen, und uns nicht zu wehren.

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  6. Zuerst mal möchte ich anmerken, dass ich meine noch überschaubaren Kenntnisse des östereichischen Idioms durch das Wort „Kapazunder“ um eben genau ein Wort erweitern konnte. Herzlichen Dank dafür. 🙂

    Hinsichtlich des vorgestellten Buches, das ich, wie ich fairerweise hinzufügen muss, nicht gelesen habe, gebe ich allerdings zu, ein gewisses Problem mit dem Ansatz zu haben, den die Autorinnen und die Herausgeberin hier verfolgen. Das mag man mit meiner männlichen Weltsicht begründen, die hat von meiner Warte aus damit aber eigentlich nichts zu tun. Ich denke nur, dass es absolut unnötig ist, mit Hass auf Hass zu reagieren, so sarkastisch, ironisch und augenzwinkernd der auch sein mag. Damit begibt man sich doch im Grunde auf das Niveau der Hass verbreitenden Idioten herab, wo man dann von diesen mit Erfahrung geschlagen wird!?

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