Kill Creek – Keine Perle des Genres

Kill Creek wurde vollmundig beworben mit den Worten: „So gruselig wie The Shining“ und „Ein Meisterwerk des modernen Horrors“. Gewagte Aussagen für ein Debüt und tatsächlich nicht zutreffend. Interessant ist der Plot: Vier bekannte und auflagenstarke Horrorschriftsteller*innen werden von einem Vlogger in ein „Spukhaus“ eingeladen, dort gefilmt und interviewt. Alle vier haben zwar wenig Lust aber doch Gründe für ihre Teilnahme, die teils bis in ihre Vergangenheit reichen. Das Finch House am Kill Creek vereinnahmt sie, sie gehen erneut gemeinsam hin, um sich zu befreien, und dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Beginn mit Einführung der Charaktere zieht sich und vermag wenig zu fesseln.

Autor Scott Thomas hat zwar das Prinzip der Horrorliteratur verstanden, wie er in einem Dialog zwischen den Charakteren anschaulich und ein wenig selbstironisch demonstriert, doch vermag er es, weder Sympathie für seine Figuren zu wecken, schlimmer noch, sie bleiben trotz ihrer versetzt hinzugefügten Vergangenheit recht eindimensional. Nicht dass sie unsympathisch wirkten, sie sind uninteressant. Es gelingt ihm auch nicht, das „Grauen“ ins Unterbewusstsein des Lesers einzuschleusen. Er spult seine Geschichte ab, ohne erzählerische Highlights, aber auch ohne Tiefpunkte. Atmosphäre ist in Kill Creek nicht vorhanden. Es gibt ein paar lichte Momente, doch diese sind ohne die nötige Konstanz, führen den Leser*innen eher noch die Mankos des Romans vor Augen.

Von Stephen King, F. Paul Wilson, Dan Simmons und besonders H.P. Lovecraft ist Scott Thomas mit seinem Erstling weit entfernt. Sehr weit. So bleibt ein zäher Anfang, ein Mittelteil, der von hektischer Aktion der verängstigten Horrorautor*innen und diffusen Beschreibungen des Bösen durchsetzt auf ein Splatter Ende hinausläuft, bis alles, scheinbar zumindest, für einige der Protagonisten ein gutes Ende nimmt.

Et voilà, Scott Thomas hat das Prinzip eines guten Horrorthrillers zwar verstanden und verfolgt konsequent den Leitfaden – so liest sich das dicke Werk wie eine Fingerübung für angehende Horrorschriftsteller – doch es fehlt die Finesse, und ohne diese gruselt es nicht. Verfilmt, mit gutem Cast und psychologisch geschickt inszenierter Atmosphäre könnte es allerdings mehr Wirksamkeit entwickeln.

Kill Creek von Scott Thomas ist im August 2019 als Softcover im Heyne Verlag erschienen. Weitere Informationen durch Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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