Mars Override

Es gibt Leben auf dem Mars. Irgendwann in ferner Zukunft ist der Planet terraformte „High Frontier“, während die Menschen sich im All verteilen. Kapitalismus ist das Herrschaftssystem. Konzerne besetzen das Sonnensystem. Hier überleben  Art die härtesten und in Richard Morgans Mars Override ist es Hakan Veil der gefeuerte Overrider, ein Elitekampfsoldat, mit interessanten Gadgets,  der eigens für seine Aufgabe gezüchtet wurde. Frei nach dem Känguru: „Du glaubst du bist hart? Richard Morgans Helden sind Herta.“

Wer Morgans mit dem Philip K. Dick Award ausgezeichneten Roman „Das Unsterblichkeitsprogramm kennt weiß worauf er sich einlässt. Hardboiled Action die einen von Beginn an in ein Setting wirft, das sich erst langsam klärt. Morgans Helden sind knallhart, mitleidslos gegenüber allen doch sie besitzen Moral, kind of … Und sie denken sehr viel, so auch Veil. Dieser SciFi-Thriller ist praktisch sein innerer Monolog durchsetzt mit Dialogen. Meist erlebt man den Protagonist im angespannten Kampfmodus. Das liest sich hoch atmosphärich, rasant, unterhaltsam und  zynisch amüsant. Wer willens ist findet aktuelle Gesellschaftskritik und die Warnung vor der Übermacht der Schmierenpolitiker und Konzerne.

„Das ist mein Punkt, Veil. Wie man hier oben die Dinge betrachtet, solange der Profit nicht verletzt wird, ist kriminell nur ein anderes Wort für billiger, schneller und macht weniger Lärm.“

Ein Schelm, wer dabei an die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, in den afrikanischen Minen oder die Lebensmittelproduktion auf unserem Planeten zur heutigen Zeit denkt.

Mars Override zieht sich ein wenig bis zum finalen Showdown, leicht unwirsch wird die Auflösung erwartet. Als Drehbuch für einen Film müsste nicht viel bearbeitet werden. Verfilmt wäre es ein Splatter-Hardcore-SciFi-Politik-Thriller mit erotischen Einsprengseln à la Game of Thrones.

Morgan streut gerne die sexuellen Abenteuer seines Helden in seine Romane ein, die immerhin nicht dem, bei solchen Hardboiled-Action-Thrillern oldschool, machomässigen Standard entsprechen, anscheinend ist man da in der Zukunft einen Ticken weiter. Frauen und Männer werden gleichberechtigt abgemurkst. Des Autors Fokus liegt auf den gesellschaftlichen Klassen und sein Herz schlägt für die Armen, die Hoffnungslosen die Außenseiter, die Underdogs und die Frauen, die mit einem Hauch Gefahr und Geheimnis locken, von denen er sich verspricht, dass sie ihn nicht langweilen. Ebenbürtig hat er es gerne, ein sympathischer Zug bei einem zum Töten gezüchteten Hybriden.

Ein klein wenig habe ich beim leicht abgehalfterten Mars Override Helden den humorigen Zynismus der anderen Bücher Morgans vermisst. Humormäßig war noch ein wenig Luft nach oben, hier konnte „Osiris“ genannt „‚Ris“, die Heldenkopfinterne KI deutlich vor dem eigentlichen Helden punkten. Das authentisch gewendete Ende hat mich dann aber versöhnt, daher ist Morgans neustes Werk uneingeschränkt sowohl Neulingen wie auch alten Lesehasen zu empfehlen. Bringt Zeit mit und stellt sicher, dass ihr das Personenregister (leider im Buch nicht vorhanden) ordentlich im Kopf abgespeichert habt, sonst macht sich wie bei mir geschehen womögliche Verwirrung breit, die nur durch nachblättern und -lesen beseitigt werden kann. Gesellschaftskritische, politische Hardcore SciFi die man so, sonst kaum zu finden vermag.

Mars Override von Richard Morgan ist im Juni 2019 bei Heyne als Softcover erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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