Superheldinnen – Wien, Berlin, Sarajevo, Belgrad

Mit ihren Superheldinnen stößt  Barbi Markovic ihre Leser*innen mitten hinein ins Geschehen,  kurze Charakterbeschreibungen, ein Hauch von Erklärung und zack, geht die Chose ihren Lauf. Vorweg wird das Ende erzählt, eine Zustandsbeschreibung geliefert und dann darf man Mascha, Direktorka und Marijas Enkelin begleiten durch Städte, kapitalistische Heilsversprechungen und den ganzen alltäglichen Irrsinn, der auf die Menschen der westlichen Hemisphäre niederprasselt begleiten.

Superheldinnen war ein Glücksgriff. Nicht ganz das was, ich mir unter diesem Titel imaginierte, denn ich hatte dabei Hancock in weiblicher Version im Kopf (einer meiner liebsten Superhelden bis Deadpool auf der Bildfläche erschien) Superheldinnen aber transportiert unvergleichlich viel Lebensgefühl, und damit meine ich nicht Kitsch und Schmus, sondern echtes Gefühl, ein Miterleben, Hineinfühlen in die Protagonistinnen, ihr Leben und Erleben. Das hämmert unvermittelt  in den Kopf und ist so expressiv nur sehr selten in Büchern zu finden. Markovic hat den GROOOOOOVE. Sie schreibt lässigen Funksoul mit einer gehörigen Prise Tom Waits in weiblich!  In knappen, gefangennehmenden Sätzen, blitzen immer wieder bittere gesellschaftliche und politische Wahrheiten auf, die so perfekt perfide formuliert sind, dass man beim Lesen innerlich juchzt. Der Sog ist stark in diesem fragmentarischen Roman. Thumbs UP! Das ist das Lebensgefühl einer Lost Generation und es ist wirklich laut, anarchisch, abgedreht und böse. So böse, dass man lachen muss, obwohl es eigentlich nichts zu lachen gibt. Markovics Superfrauen sind nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, sie üben Magie aus, planen und geben niemals auf. Sie sind verwirrt, auf dem Weg zum Ziel vom Wege abgekommen, ihr Wille, es zu erreichen, ist dennoch stark. Sie wollen nichts anderes, als die Macherinnen ihres eigenen Schicksals werden und nicht Getriebene, deren Bestimmung es ist, irgendwie, immer abhängig von nicht zu beeinflussenden Umständen, zu überleben.

„Wir waren gekommen, um das Leben aus der Werbung zu leben.“

Mascha, Direktorka und die ICH-Erzählerin sind eine verschworene Gruppe immer noch hoffnungsvoller Frauen, die unter anderem für ein mieses Magazin die Kolumne „Blitz des Schicksals“ schreibt. Nicht wegen des Geldes, dafür ist es zu schlecht bezahlt, aber um die Energie der Leser anzuzapfen, und wiederzuverwenden, indem sie ihre energieintensive Lebensveränderungsmagie wirken. Dies allerdings nur für andere. Sie selbst krebsen seit Jahren noch immer finanziell prekär durchs Leben. Samstags treffen sie sich im Café, um Pläne zu schmieden, wen sie magisch „beglücken“ und auch um der Gesellschaft willen.

„Die Menschen zogen das Leben hinter sich her wie ein stures Pferd.“

Das ist so frech, rotzig und witzig, so ernst und tragikkomisch, hochgradig unorthodox und authentisch, in wenigen kurzen Sätzen, Fetzen und Ausrissen eingefangen, dass es wirkt wie Poesie. Straßenpoesie. Dabei ist es verwirrend, und doch existiert der viel genannte rote Faden, zieht sich durch bis zum Ende, das viel zu früh kommt. Und es ist gut.

Bereits 2016 beim Residenzverlag Wien als Hardcover erschienen ist Superheldinnen in Wien im Theater aufgeführt worden.

Superheldinnen von Barbi Markovic ist als Taschenbuchausgabe im Januar 2019 beim btb Verlag erschienen. Weitere Informationen bei Klick aufs Cover oder auf der Verlagsseite.

 

 

 

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