Unregierbare emotionale Aufregung

Hmmm ziemlich verzwickter Titel einer Rezension, denkt ihr. Dabei ist dies nur ein Versuch einer Übersetzung des Wortes Hysteria, von hysterisch, dass sich jemand aufregt. Und zwar so aufregt, dass es nicht händelbar ist, unregierbar. Nun das mag jetzt vielleicht ein schwacher Versuch einer Einleitung zu sein, aber ehrlich gesagt, fiel mir nach der Lektüre des Buches nur: ‚Häh!‘ ein (was unter uns gesagt nicht besonders geschliffen klingt und ihr als Leser dieses Blogs sicherlich unter ‚Muss ich nicht lesen‘ abgetan hättet). So, der Titel klingt doch viel besser.

Hysterisch agiert der Charakter Bergmann in diesem Buch gleich bei der ersten Seite. Dabei haben doch nur ein paar Himbeeren eine etwas andere Farbe als sonst. Im Körbchen, wie jeder Beerenfachmann weiß, knatschen sie unten immer etwas. Doch die Himbeeren sind anders. Wären da nicht noch die Rinder auf der Wiese gewesen, die ein komisches, ja synthetisches Fell haben, hätte Bergmann sich sicherlich nicht so aufgeregt. Aber so.

Und dann geht er der Spur nach.

 

Dieser Spur folgend, findet er die Kooperative ‚Sommerfrische‘ und nun taucht der Roman in die studentische Vergangenheit Bergmanns ab. Viele alte Bekannte trifft dieser doch etwas introvertierte Bergmann, wieder. Seine Freundin Charlotte und sein Freund Ansgar tauchen in der Kooperative wieder auf. Deren Dreiecksbeziehung wird erzählt. Der Roman verliert sich etwas im Hin- und Herspringen der Zeiten, eine gradlinigie Erzählungsform ist nicht auszumachen.

Manche Episoden sind amüsant, die Geschichte des Buchhändlers, des Mädchens, das die Auslagen des Geschäftes schmückt und so ihre Liebe zu Bergheim zeigt. Doch sind die Handlungsstränge schlecht miteinander verwoben, als würde der Autor zwar Ideen haben, aber nicht das Handwerk um diese zusammenzufügen.

Nun ist dieses Buch für den deutschen Buchpreis hochgelobt worden, ja in die weitere Auswahl gekommen. Doch für mich war diese Dystopie, die ansatzweise stattfindet, Duftreisen in einem Hinterzimmer, nett zu lesen, aber mehr auch nicht. Menschen, die sich ganz der Natur unterordnen, quasi ein Öko-Terror erleben und veranstalten, erlebe ich in der letzten Zeit des öfteren in meiner Umgebung. Doch diese Themen sind schon Anfang der siebziger Jahre in der Science-Fiction weitaus besser aufgegriffen. Und auch wesentlich kritischer. Hier wirkt die Beschreibung des Öko-Terrorismus sehr verspielt und harmlos dargestellt. Das Ende gerät ganz kafkaesk, mit dem Unterschied, das Kafka dies besser und früher erzählt hat. Hölzerne Figuren, ein aus losen Stücken zusammengestoppeltes Buch, für mich trotz der Kürze von 230 Seiten kein Leseerlebnis.

Hysteria von Eckhart Nickel ist im September 2018 beim Piper Verlag erschienen. Für mehr Informationen zum Buch Klick auf das Cover oder direkt auf die Verlagsseite.

 

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