That’s what friends are for

Ill be there for you von Kelsey MillerAls ich in den 90er-Jahren für vier Wochen ein Praktikum in London machte, fragte mich dort eine Kollegin: „Are you a Friends-person?“
Hä?, dachte ich. Am I WHAT?!

Der damalige Hype um die amerikanische Sitcom Friends hatte mich bis dato tatsächlich nicht erreicht. Und als ich eines Abends kurz nach diesem knappen Dialog mit einer Amerikanerin und einer Kanadierin kochte und wir dabei Friends schauten, war ich diejenige, die immer nur aus Verlegenheit mitkicherte, weil ich die eine Hälfte der Gags nicht verstand und die andere Hälfte nicht witzig fand, da ich die ganzen Zusammenhänge nicht kannte. Definitiv, dachte ich mir, ich bin keine Friends-person!

Doch die Zeit ging ins Land, ich zog im Jahr 2000 nach London, mein Englisch wurde besser und ich rutschte abends zufällig mal in die Wiederholung einer älteren Friends-Staffel. Und siehe da! Hurra, irgendwie war es passiert! Ich war infiziert, eine Sicherung brannte bei mir durch, und ich kaufte mir nach und nach sämtliche Staffeln auf DVD.

Ähnlich ging (und geht) es offensichtlich sehr, sehr vielen Menschen und so ist es kein Wunder, dass 25 Jahre, nachdem der erste Pilotfilm zu Friends ausgestrahlt wurde, noch immer Wiederholungen der Serie in den verschiedensten Fernsehsendern der Welt gezeigt werden und nun sogar passend zum Jubiläum ein (inoffizielles) Fanbuch herauskam.

Die Medienwissenschaftlerin Kelsey Miller hat „I’ll be there for you – Friends – Alles über die beste Serie aller Zeiten“ verfasst und ihr ist es tatsächlich gelungen, ein gutes Fanbuch zu schreiben! Das finde ich umso erstaunlicher, da ich bislang selten gute Fanbücher zu egal welchen Themen gefunden habe.

Nicht abschrecken lassen darf man sich allerdings vom furchtbar amerikanisch-langatmig-langweiligen Vorwort, in dem wir erfahren dürfen, dass Frau Miller regelmäßig ins Fitness-Studio geht und dabei, während sie am Crosstrainer Kalorien verbrennt, Friends guckt. Das finde ich zwar total cool, dass Frau Miller so diszipliniert ist und ich wäre froh, ich wäre es auch, schlussendlich interessiert es mich aber überhaupt gar nicht, was Frau Miller so tut und lässt, denn ich lese ja ein Buch über FRIENDS ;-). Man kann also getrost und ohne Informationsverluste bei Kapitel 1 starten, denn ab da wird das Buch gut!

Miller lässt uns eintauchen in den Kosmos rund um Friends. Begonnen wird korrekterweise mit den Drehbuchautoren der Serie: Marta Kauffman und David Crane. Die beiden waren über all die Jahre das schreibende Herz der Sitcom. Unterstützt natürlich von einem kreativen Team, doch das war am Anfang nicht so. Zuerst waren es nur die beiden und ein sieben Seiten langes Konzept mit dem Arbeitstitel „Insomnia Café“ – und NBC war angetan. Nicht nur das Konzept wurde gekauft, sondern der Pilotfilm gleich mit dazu. Somit konnten die beiden Kreativlinge loslegen und die Idee mit Leben füllen. Doch so erfolgreich die Serie am Ende war, allzu euphorisch reagierte die Presse nicht auf die erste Episode. Zu vieles war noch unausgegoren, Witze zu platt, das Schauspielerische ein wenig zu steif und ungelenk. Doch es gab schlechtere Starts und so konnte sich die Serie entwickeln und steigern, denn sie durfte „weiterleben“.

Spannend sind Einblicke, die man so nie geahnt hätte. Wer sich, wie ich zum Beispiel, schon immer gefragt hatte, warum Phoebe eigentlich unbedingt eine Zwillingsschwester haben muss – ein kleiner Abzweig der Haupthandlung -, die weder besonders sympathisch ist, noch zwingend für die Handlung erforderlich, der bekommt hier die äußerst pragmatische und lustige Antwort: Lisa Kudrow, die Schauspielerin, die Phoebe (und logischerweise die Zwillingsschwester Ursula) darstellt, hatte bereits ein Engagement in der Serie Verrückt nach dir als Kellnerin in einer New Yorker Bar namens „Riff’s“. Nun sollten aber sowohl Friends als auch Verrückt nach dir auf dem selben Sender, am selben Abend gezeigt werden – und man wollte eben unter allen Umständen Lisa Kudrow für die Rolle der Phoebe, da sie einfach perfekt passte. Also hatten Kauffman und Crane die schräge Idee, der Masseurin Phoebe aus Friends eine Zwillingsschwester namens Ursula hinzuzuschreiben, die im „Riff’s“ als Kellnerin arbeitete und ganz ab und zu auch mal in dieser Rolle bei Friends in Erscheinung trat. Ansonsten hatte Ursula sozusagen „ihr Leben in Verrückt nach dir“ und Phoebe ihres in Friends. Somit war für das Publikum, das beide Serien verfolgte, die Tatsache schlüssig erklärt, warum ein und dieselbe Schauspielerin in zwei verschiedenen Serien auftauchte, die direkt hintereinander liefen … 😉

Dies sei exemplarisch genannt für viele Aha-Momente, die durch das Fanbuch entstehen. Miller bringt viele Informationen, lässt den Fan hinter die Kulissen schauen. Sie hat selbst Interviews geführt, bestehende Interviews ausgewertet, hat recherchiert und im vorliegenden Buch alles zusammengetragen. Ob man, wie auf dem Buchrückentext behauptet, mit Fug und Recht sagen kann, sie habe mit den „Machern“ der Serie gesprochen, sei dahingestellt. Auf Seite 367 listet sie die von ihr geführten Interviews auf, dabei fehlen jedoch explizit die Namen Crane, Bright und Kauffman, die Producer (also Macher) der Serie. Für meine Bedürfnisse schmälert dies den Spaß, den ich mit diesem Buch hatte, nicht. Es erscheint mir nur unnötig, die Fakten aufzublasen, um auf der Buchrückseite werbewirksam zu klingen …

Miller versucht, nicht nur Hintergrundinfos über die mittlerweile weltberühmten, damals aber wenig gefragten Schauspieler zu liefern, sie bringt auch Deutungsversuche in ihrem Buch unter. So spekuliert sie über den Grund, warum gerade Friends so unglaublich erfolgreich wurde, darüber, wie man nach 9/11 weitermachen konnte und darüber, warum – anders als bei Sex and the city – hier kein Kinofilm klappen würde. Sie spart die teilweise absurd hohen Löhne der Friends-Stars ebenso wenig aus, wie kleinere Skandale im Dunstkreis des Sets. Amaani Lyle, eine nach vier Monaten Arbeitszeit als Assistenz des Drehbuchteams gefeuerte Dame, prozessierte beispielsweise, weil sie sich bei ihrer Arbeit sexuell belästigt gefühlt habe, durch die permanent anstößigen Bemerkungen, die die Autorenrunde beim Brainstorming für nächste Episoden geäußert habe. Miller versucht auch, ihrem Buch einen etwas wissenschaftlicheren Touch zu geben, indem sie über unpassende Schwulen- und Lesbenwitze spricht, die in Friends im Laufe der Staffeln vorkamen, und über den „Mangel an ethnischer Diversität“.

Diese Kapitel, ich gestehe es, habe ich sehr schnell überblättert, da ich schlichtweg kein Interesse an diesen Themen habe. Ich schaue Friends nicht aufgrund ihres (nicht vorhandenen!) Realitätsbezugs, sondern weil ich die (natürlich überzeichneten) Charakter mag, weil sie mir in all den Jahren ans Herz gewachsen sind, als gäbe es wirklich Monica, Chandler, Phoebe, Joey, Ross und Rachel. In die Episoden reinzuschauen ist, wie alte Bekannte wiederzutreffen. Dass die Schauspieler und ich mittlerweile bald doppelt so alt sind wie Monica und Co. zu Beginn der Serie, ist irgendwie egal. Klicke ich in Friends rein, bin ich wieder 25 und desorientiert, aber glücklich :-). So wie viele in diesem Alter. Noch ungebunden, die Fühler ausstreckend in den ersten Jobs, doch noch mal umsatteln, viel Neues kennenlernen … cool :-). Und genau dieses Gefühl bekomme ich, wenn ich die DVDs einlege … und wisst Ihr was? Genau das werde ich jetzt gleich heute Abend tun: Weinchen einschenken, DVD rein, entspannen! Das kostengünstigste Spa der Welt – leider mit Katereffekt, wenn man danach wieder dem aktuellen Spiegelbild begegnet …

Fazit: Ein wirklich lohnenswertes Buch für alle, die die Serie mehr als nur „irgendwie gut“ finden. Allen anderen wird wahrscheinlich die Liebe zum Detail gehörig auf den Wecker gehen.

„I’ll be there for you – Friends – Alles über die beste Serie aller Zeiten“ ist am 26. November 2018 im Heyne Verlag erschienen. Weitere Informationen zum Buch über Klick auf das im Beitrag abgebildete Cover oder auf der Verlagsseite.

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10 Gedanken zu “That’s what friends are for

  1. wir haben gar keinen Fernseher – also schon einen aber der wird nur als großer Bildschirm genutzt. Wir gucken meist DVDs oder Netflix – normales Fernsehprogramm … eigentlich nie. also weiß ich auch nicht so recht, was läuft 🙂

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  2. Ja, das kann ich voll nachvollziehen. 🙂 Aktuell komme ich so gar nicht zum Fernsehen, aber das ist auch ok. Es fehlt mir auch irgendwie nicht. Deswegen kann ich eigentlich auch gar nicht so mitreden, was aktuell so alles läuft xD

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  3. ja die Entwicklung ist es – so finde ich – immer, die mir am meisten gefällt. Jetzt im direkten Vergleich nach 10 durchgeguckten – und das frisch und zum ersten Mal – Staffeln Friends, habe ich schon das Gefühl, dass es bei TBBT nicht ganz so ist. Das liegt aber in der Natur der Sache. Friends sind Leute, wie Du und ich – ich habe auch eine Lehre in einem Nobelklamottenladen gemacht 😉 – bei den Nerds ist das was anderes, die haben schon ganz andere Voraussetzungen. ich glaube einfach, dass mir im Moment die positive, heimelige Art von Friends besser entgegenkommt. Das wird auch wieder anders, hat aber sicher auch mit meiner persönlichen Situation gerade zu tun. How I met your Mother – da kam ich gar nicht ran.

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  4. Ich habe einiges an Sitcoms gern geschaut. Friends kam damals auf, da war ich so 17 oder 18, ich weiß es nicht mehr genau, wann es rüberschwappte. Freunde von mir, die ein Jahr USA hinter sich hatten, hatten es mit rübergebracht und seitdem war ich da verfallen. Aber ich liebe auch die Gilmore Girls, TBBT, How I Met your Mother (bis auf die allerletzte Folge), Community….eigentlich liebe ich da eine ganze Menge an Sitcoms.

    Bei TBBT finde ich persönlich die Entwicklung der Figuren am schönsten. Gerade bei Amy und Sheldon hat ein Aufschrei der Fans einiges vorangetrieben. Das hat mir sehr gefallen. Auch Pennys Entwicklung fand ich super. Der Zusammenhalt war da ebenfalls vorhanden, nur etwas anders als bei den Friends, deswegen aber nicht weniger gut.

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  5. also ein Gilmore Girl bin ich schon auch – wobei es mir hier einzelne Folgen sehr angetan haben bzw. Szenen. Aber die habe ich ja auch vor Friends gesehen, keine Ahnung, wie es mir jetzt damit ginge. Der Wortwitz ist im Original wirklich fantastisch und wenn ich sehe, was aus TBBT den Ursprung bei Friends zu haben scheint, ist es schon krass. Naja, so heil ist die Welt ja auch nicht immer, aber wie Du es sagst, die Lösungsorientiertheit ist es, die mir gefällt und die bedingungslose Unterstützung für die Freunde, das Wohlwollen. Und offensichtlich waren die Schauspieler ein richtiges Team, Ensemble. Alleine die Geschichte um die Gehaltsverhandlungen – ich meine, welcher Schauspieler hat das bisher so konsequent durchgezogen wie David Schwimmer und Jeniffer Aniston, dieselbe Gage für alle rauszuhandeln und als Team in die Verhandlungen zu gehen? In der Art und Weise kenne ich das nirgends. Das zeugt von Größe und zeigt sich im grandiosen Spiel. Sie sind einfach gut. Heute abend wird geguckt – und das Weinchen gibts auch dazu und wir zwei Birgit, wir müssen mal ein Friends Date machen – mit deinen liebsten Folgen 😉 LG nach HH

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  6. Hallo Schnute, hallo Bri!
    Ich habe viele Sitcoms nach Friends probiert, keine hat mich gefesselt. Am ehesten noch die Gilmore girls (auf Dauer ging mir aber die bis zum Abwinken aufgedrehte Mutter aber dann doch auf den Keks.) TBBT klappte gar nicht und „How I met your mother“ wurde mir mit den Worten geschenkt: „Wenn Du Friends mochtest, wirst Du das lieben!“ – tat ich aber nicht! 😉 Eben weil ich da selbst älter war als die Schauspieler. Der Wiedererkennungswert war gleich null.
    Ich denke, bei Friends ist es vor allem die Kombination aus Wiedererkennungswert, heile Welt (zwar mit Problemen,aber sie werden doch irgendwie wieder gelöst), wahnsinnig niedliche Schauspieler (Spätestens bei dem Ausspruch „Joey doesn’t share food“ wusste ich, dass es Seelenverwandschaft wirklich gibt!) und unglaublich tollen Wortwitz (der allerdings ja nur im Original funktioniert. Wer sich mal die deutschen Synchronstimmen angehört hat und die schreckliche Übersetzung … schüttel …) … ALSO: I love Friends and nothing else 😉

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  7. Friends – die sind viel unterstützender gegenseitig. Die ärgern sich auch gegenseitig und fahren sich Sprüche hin, aber ich weiß auch nicht, es mag an meiner derzeitigen Situation, an den globalen Rumpeleien liegen, ich mag die friedns im Moment einfach lieber 😉 Und lachen und weinen das kann ich auch bei ihnen. Die letzte Staffel Friends ist großartig. Und richtig, denn immer weiter treiben – das hätte keinen Sinn. Lg, Bri

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  8. Dass die Serie damals ein Ende fand. Dass alle neue Wege gingen. Das stört in dem Sinne nicht, stimmt mich aber immer traurig, weil es mich selbst an soviele Situationen erinnert, wo man Abschied nahm oder das Leben sich so von Grund auf änderte, dass etwas schönes bestehendes zum Ende kommen musste. 🙂 So wie das halt im Leben immer ist. Manche Sachen verändern sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

    TBBT find ich auch toll. Inwiefern hat Friends Euch das vermiest?

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  9. Ich bin seit neuem auch eine Friends-Person – ich habe sie damals verpasst. War genau in dem Alter, in dem die Figuren alle waren und mitten im Leben. Seit Weihnachten habe ich mit meinem Mann zusammen alle Staffeln duchgeguckt und bin ihnen verfallen 😉 Wir waren große Big Bang Theorie Fans, die Friends haben usn das ein bisschen vermiest. Und ja, die enge Verbindung und die Unterstützung, die sie sich gegenseitig immer und unverbrüchlich gaben, das macht sie aus. Und sie haben alle ihre Eigenheiten, ihre Macken, ihren Schwächen, ihre Vorzüge – das ist wunderbar. Ich persönlich bin ja schon immer ein wenig verliebt in Rachel gewesen 😉 und Ross wär schon der Typ, der mich angesprochen hätte 😉

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  10. Ich bin auch eine Friends-Person xD Und ich kann die Serie auch immer wieder schauen. Nur bei der letzten Staffel wird mir immer so eng ums Herz, weil alle einfach einen neuen Weg gehen und man das selbst mittlerweile im Leben ja oft genug erlebt hat, wenn ein besonders prägender Lebensabschnitt zu Ende ging. Da heule ich grundsätzlich bei der letzten Folge.

    Was ich immer am meisten mochte, war die Tatsache, wie eng sie alle miteinander verbunden waren. Wie sie mal eben schnell vorbeischneiten und soviel Zeit miteinander verbrachten. Das habe ich mir immer für mein Leben gewünscht und es hat sich zumindest ein kleines bisschen so entwickelt in den letzten Jahren. Aber ja, Friends…hach. Was habe ich Chandler geliebt!

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