Dann schreib doch mal selbst!

Es ist ja schon eine hohe Kunst, gut lesbare und spannende Texte zu verfassen. Wer schon jemals selbst versucht hat, eine Handlung mit mehreren Strängen sinngebend zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, der weiß wovon ich rede. Wir hier, auf dem „Feinen reinen Buchstoff“ dürfen einerseits die Versuche der Schriftsteller beurteilen, kritisieren oder loben – andererseits verfassen wir hierfür unsere eigenen Texte. Natürlich sind sie längst nicht so lang und umfassend wie die meisten Texte, die wir besprechen. Nichtsdestotrotz produzieren auch wir dadurch eine gewisse Art der Literatur.

Im Kleinen machen das ja viele sowieso auch zu Hause, im stillen Kämmerlein. Das sind dann oft solche Texte, die kaum jemand mal zu Gesicht bekommt. Das wertet sie jedoch nicht ab! Man kann den Wert von Tagebucheinträgen (zumindest für einen selbst!) kaum hoch genug einschätzen. Es hat eine kathartische Wirkung, sich zu gewissen Zeiten in einen ruhigen, geschützten Raum zu begeben und seine Gedanken niederzuschreiben. Oft werden einem dabei Sachverhalte viel klarer, als hätte man noch 10 Stunden darüber nachgedacht oder geredet. Auch im Nachhinein, Jahre später, ist es oft interessant, sehen zu können, wie man damals auf gewisse Dinge blickte.

Für solche Momente gibt es leere Büchlein, sogenannte Kladden, in die man seine Gedankengänge aufschreiben kann. Es gibt sie mit kleinen Schlössern, als richtige Tagebücher gedacht, deren einziger Nachteil der ist, dass unorganisierte Menschen wie z.B. ich es schaffen können, sowohl den Hauptschlüssel als auch den Ersatzschlüssel zu verschusseln, sodass man dann irgendwann selbst das eigene Tagebuch knacken muss … 🙂

Doch natürlich gibt es auch in diesem Bereich neue Trends und dazu möchte ich Euch heute ein ganz besonders gelungenes Exemplar vorstellen. Der Trend, von dem ich spreche, nennt sich „Bullet Journal“, manchmal auch „Bullet Planer“. Nun ja, jeder Zeit ihren eigenen Trend, auch wenn das Rad nicht neu erfunden werden kann.

Das mir vorliegende, noch jungfräuliche Büchlein nennt sich Mein Bullet Planer für Ideen, Ziele und Träume und wurde konzipiert von Jasmin Arensmeier. Die Bloggerin (www.teaandtwigs.de) hat im Südwest Verlag ihre eigene Version der ursprünglich von Ryder Carroll erfundenen Tagebuchversion 2.0 herausgebracht. Ein Buch mit bereits vorgestalteten Seiten, die wunderschön im derzeit hippen Handlettering-Style gehalten sind, hat den großen Vorteil, dass alles schon schön aussieht. 🙂 Sollte man also im Alltag nicht auch noch die Muse haben, dem Trend zu folgen, sein Bullet Journal selbst zu kreiieren, hat man hier eine sehr einladende, formvollendete Alternative. Nachteil: Eigene Anpassungen und Veränderungen sind nur innerhalb des gegebenen Rahmens möglich.

Aufgebaut sind diese Bücher alle ähnlich: Es gibt einen Index, der den Überblick mit Seitenzahlen ermöglicht, wo man im Buch bestimmte Unterpunkte wiederfindet (also Monatsübersichten, Quartalsziele, Urlaubsziele, Gesundheitstracker, Ausgeliehenes oder auch Wo liegt was?). Dann kommt der Bullet Key oder Bullet-Schlüssel, das ist die Übersicht über die ganz persönliche Symbolik, die jeder selbst für sein Buch anwenden möchte. So überlegt man sich dann beispielsweise für jede Art von Termin ein Symbol, das man im Kalenderteil dann dem jeweiligen Eintrag voranstellt, sodass man beim kurzen Blick auf eine Seite sofort anhand des Symbols sieht, um was für einen Termin es sich handelt. So kann man dann durch Symbole seine Einträge visuell unterteilen, beispielsweise „Arzttermine“, „Wichtig!“, „Notiz“ oder auch „Bereits erledigt“.

Man weiß ja mittlerweile, am besten kann das Gehirn arbeiten, wenn mehrere Sinne angesprochen werden und so fügt man der Schrift noch Bildsymbole hinzu und schon merkt sich das Köpfchen fast wie von alleine, wo all die wichtigen Dinge stehen 😉

Schön ist auch der von Frau Arensmeier optisch ansprechend gestaltete Einstieg ganz vorne, das „Dashboard“. Da sind auf einer Seite drei farblich unterschiedlich hervorgehobene Themen: „Einkaufsliste“, „Wichtig“ und „Notizen“. Ihre Idee: Nimm selbklebende Post-its, klebe sie auf diese farblich hervorgehobenen „Pinnwändchen“ und beschreibe sie. Du kannst sie täglich austauschen, was bei all diesen doch eher tagesaktuellen Punkten natürlich von großem Vorteil ist. So spart man Unmengen leerer Seiten, auf denen dann für ein Jahr Einkaufslisten eingetragen wären (vielleicht auch spannend später mal nachzulesen, aber … vielleicht auch nicht) – und klebt hübsch ordentlich sein Post-it-Zettelchen drauf und hat somit alles immer parat. Wenn es erledigt ist, darf man es zerknüllen und wegwerfen. Chacka! Erfolgserlebnis 😉 Ein Punkt, den ich besonders praxisnah finde, da ich Meisterin darin bin, Einkaufszettel zu schreiben, einzupacken und dann in dem Nirwana meiner Handtasche auf die Schnelle im Supermarkt nicht mehr zu finden …

Der Ökonom unter den kreativen Scheiberlingen freut sich vielleicht auch über Listen wie „Sparziele“ oder „Ausgaben“ – eine Übersicht, womit man im Monat so sein Geld verprasst. Vielleicht lässt sich so tatsächlich das eine oder andere Produkt erkennen, das man immer wieder, viel zu oft, kauft. Erkenntnis ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Veränderung.

Was ist nun das Spezielle an einem Bullet Journal? Für mich als Neuling auf diesem Gebiet definitiv die Kombination von Kalender und Tagebuch. Hier wird nicht mehr nur knapp eine Uhrzeit, ein Ort und eine Verabredung eingetragen, hier kann man in wenigen Worten sein Lebensjahr verewigen. Es gibt Seiten, auf denen man Lieblingsbücher eintragen kann, oder eben Titel, die einem über den Weg laufen und die man unbedingt mal lesen möchte. Seiten, auf denen man seine Tagesstimmung farblich eintragen kann – und somit schon visuell im Nachhinein auf den ersten Blick erkennen kann ob es ein gutes oder schlechtes Jahr war 😉

Wem das klassische Tagebuch zu aufwendig, strukturlos und altmodisch erscheint, wer aber dennoch diesen Wunsch in sich spürt, nicht nur schnörkellos seine Termine in einen virtuellen Kalender reinzuhämmern, sondern doch einen Stift in die Hand nehmen zu wollen, der sollte sich an den neuen Trend heranwagen.

Ein bisschen Zeit braucht es, um das Prinzip, die Idee dahinter ganz zu durchsteigen, manches erscheint mir ein wenig zu konstruiert, aber unterm Strich ein klares „Super“ für Bullet Journals im Allgemeinen und dieses hier im Speziellen. Liebevoll aufgemacht mit viel Platz für eigene Ideen, kommt das Büchlein mit seinen 190 Seiten zwar recht umfangreich daher, aber im Din-A-5-Format gehalten, bleibt es doch gerade noch so handlich, dass man es in die Tasche stecken kann.

Also, macht Euch auf und verewigt Euch! Schreibt Listen und malt Symbole, nützt Farben und Klebezettel – und am Ende habt Ihr im besten Fall nach einem Jahr etwas mehr Struktur in Euer Dasein gebracht. Wenn nicht, bleibt immer noch der tröstliche Gedanke, dass Ihr ein wunderschönes Kalendertagebuch geschrieben habt, in das Ihr sicher auch noch in ein paar Jahren gern wieder reinschauen werden. Und vielleicht denkt Ihr Euch dann: „It was a very good year …“ 😉

Mein Bullet Planer für Ideen, Ziele und Träume von Jasmin Arensmeier ist im November 2018 im Südwest Verlag erschienen. Weitere Informationen zum Buch über Klick auf das im Beitrag abgebildete Cover oder auf der Verlagsseite.

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