Guten Morgen, Latte – ein Buch über den Penis

Jesko Wilke, laut Klappentext Journalist und freier Autor, sammelt in diesem Sachbuch Fakten zum primären männlichen Geschlechtsorgan. Angefangen vom Aufbau des Dings, bis hin zu Informationen, die nur am Rande damit zu tun haben, wie dem Weltrekordhalter im Prostituierte an einem Tag beschlafen. Männerspezifisch behandelt werden Penis, Hoden, Sex, Gesundheit und auch vor Kunst und Philosophie macht er nicht Halt.

 

 

Unterfüttert ist das Ganze mit allem, was sich recherchieren ließ. Gerne auch etwas schräg und oft sensationell wie im Falle der abgetrennten Geschlechtsorgane, und der Transplantation. Fragwürdig erschien mir im Kapitel Gesundheit der Abschnitt Wunderwaffe Vitamin D. Wurde zuvor das Bauchfett als Potenzkiller ausgemacht, gerne auch im Zusammenspiel mit körperlicher Trägheit (hier ist die No-Sports-Fraktion angesprochen) und dem Konsum von Alkohol und Nikotin und als geschäftsschädigend (zumindest für Pornodarsteller) erkannt, so gibt es etliche nicht vollkommen unerwartete Tipps zur Ankurbelung des Testosteronspiegels. Zu Vitamin D erwähnt er eine Studie mit übergewichtigen Männern, die dauerhaft mit einem niedrig dosierten Vitamin-D-Präparat im Schnitt ihren Hormonspiegel um 25 % steigern konnten. Ein Verweis auf die Studie ist nicht vorhanden, doch er sieht es als Problem vieler Nordeuropäer, dass sie infolge zuwenig Sonnenlichts nicht ausreichend mit diesem Vitamin versorgt sind. Ich halte den momentanen Vitamin-D-Hype für eine geschickte neue Verkaufsstrategie der Pharmaindustrie. Dies unhinterfragt als Information weiterzugeben, fand ich etwas unglücklich. Viel Neues ist in diesem Kompendium rund um den Penis nicht zu entdecken, welche Namen dafür es in der Welt gibt und 100 eigene deutsche Wörter, die ihn bezeichnen, haben mich, so wie die eingekastelte „Bedienungsanleitung“, eher abgeschreckt. Die Urteile zur Beschneidung aus religiösen Gründen finde ich fragwürdig, da es sich um einen irreversiblen Eingriff an Säuglingen und Kindern handelt, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. Der Aufbau dieses Sachbuches ist gut, stilistisch und inhaltlich sprach es mich nicht an. Ein Schmankerl gab es aber noch: Den Nonsens-Aufsatz, den ein Team aus Forschern in „Cogent Social Sciences“ veröffentlicht hat, betitelt mit „Der konzeptuelle Penis als soziales Konstrukt“, in welchem der Penis als maßgeblicher Treiber für den Klimawandel ausgemacht wird. Da grinst die Feministin, denn angesichts der global herrschenden Machthaber liest sich das gar nicht so abwegig. Ein link war leider nicht zu finden.

Geschlechtsgenossinnen möchte ich Das große Penis-Buch (es hat nur durchschnittliche Taschenbuchgröße und Dicke) nicht empfehlen. Für Penisträger, und solche die es werden wollen, könnte es vielleicht interessanter sein.

Guten Morgen, Latte! von Jesko Wilke ist im August 2018 bei Goldmann erschienen. Weitere Informationen durch Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

 

 

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2 Gedanken zu “Guten Morgen, Latte – ein Buch über den Penis

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