It’s the end of the world – and I like it

OrthsZurzeit bin ich ein Lesemuffel. Die Sonne und Hitze brennen mir den letzten klaren Gedanken aus dem Hirn und in vielen Gesichtern spiegelt sich mein eigener Kampf gegen die Sonne und das derzeit herrschende Klima in Deutschland wieder. Klar, wir Deutschen jammern meist über unseren derzeitigen Zustand und im Winter werden wir über den Winter jammern. Ja klar, nicht alle. Aber diese extreme und lange Hitze – nervt mich! Und das Lesen und Konzentrieren strengt an. Umso schöner ist es, ein Buch in der Hand zu haben, das einem so wirkliche Freude bereitet. Das mich den Sommer vergessen lässt und das mich so einfach und sprachgewaltig in Atem hält.

Schon unsere Buchstoff-Mitstreiterin Thursdaynext, die das gepflegte Wort und die chaotischen Wendungen so liebt, hatte vor drei Jahren dieses Buch in alle Himmel gelobt (hier) und jetzt kam ich endlich dazu, ihrem Lob Folge zu leisten. Ich muss euch sagen, liebe Freunde, habt anfangs Geduld. Auch ich habe viele Science-Fiction-Bücher gelesen, doch so eines noch nicht! Zu Beginn war ich hoffnungslos verloren, in der für mich komplett wirren Geschichte. Nein, es wird nicht besser, aber ich hatte mich nach dem Epilog, den ihr unbedingt überstehen müsst, nicht nur daran gewöhnt, ich begann es zu genießen.

Um was geht es?

Das Ende der Welt steht bevor (mal wieder) und die Vernichtung droht diesmal durch einen Kometen. Elias, mit einem Quadrupelhirn ausgestattet, liest sich in einer umfassenden Bibliothek durch die Biografie von Omega, die schon einmal die Welt vor knapp 500 Jahren gerettet hat. Der Bibliothekar, eine KI, bietet ihm an bis zu Omegas Geburt in der Zeit zurückzureisen und die Gründe für die damalige Rettung der Welt zu ergründen. Haken bei der Sache ist: Diese Art der Zeitreise hat noch nie ein Mensch mit gesundem Verstand überlebt. Elias müsste 30 Jahre als Geist ohne Handlungsmöglichkeit in der Vergangenheit verbringen.

Voilà. Wir haben einen Erzähler, der uns die Geschichte Omegas nahe bringen kann. Und ich sage euch, liebe Freunde, jetzt kommen die irrwitzigsten, ausschweifendsten, wahnsinnigsten, kalauerndsten, sprachgewaltigsten 500 Seiten Science Fiction, die ich je gelesen habe! Eine Achterbahnfahrt durch unsere Kultur, Musik, Literatur und Sex! Ja, die Episode als Bitch mit ihrem Mann auf einer einsamen Insel landet, sind die witzigsten, direktesten Beschreibungen unserer Pornokultur, die mir einfallen.  Was es alles so gibt… Aber auch mit kulturellen Verweisen geizt Markus Orths nicht:

„‚Geh noch nicht!‘, flehte Gusto sie an.’Bleib!‘

‚Nein‘, sagte Sabrina. ‚Ich muss los. Es ist spät. Das heißt ist früh geworden. Hörst du das nicht?‘

‚Was denn?‘ fragte Gusto.

‚Draußen. Die Müllabfuhr!‘

‚Es war der Nachtbus und nicht die Müllabfuhr.‘

Sabrina musste lachen. Schlagfertig war er schon, der Gusto. Damit verschwand sie. Also noch nicht endgültig. Das sollte erst später stattfinden. Zunächst verschwand sie ganz gewöhnlich.“

 

Und das alles spielt in Freiburg im Breisgau. Sage noch mal einer von dort kommt nur der Fahrstuhlverein SC Freiburg her. Auch der spielt eine Rolle, da Kolja, der Ehemann von Bitch, ein glühender Verehrer dieses Vereines ist und Bitch zwar keinen Fußball mag, aber die Energie, wenn Kolja über eben diesen spricht. Wie Kolja in den Esoterikladen, in dem Bitch arbeitet, hereinkommt und ihr seine Liebe gesteht, ist in einem Satz auf einer Seite erzählt. Am besten die Seite atemlos jemanden vorlesen, er wird euch das Buch aus der Hand reißen (Vorsicht festhalten!) Die Absurdität, mit der Markus Orth über unser modernes Leben schreibt, findet auch seinen Anklang in diesem Buch. Die schrägen Hauptfiguren, die die Geschichte bevölkern, sind ein herrlicher Gegensatz zur ach so elenden Normalität unseres Lebens.

„Innozenz lehnte sich zurück. Er spürte die göttliche Ruhe in sich, die anderen spürten sie auch. ‚, sagte Innozenz, ‚Die Dinge kommen und gehen. Die Kirche bleibt. Wir haben schon viele Probleme und Zweifel erfolgreich mit Nichtstun bekämpft. Die Kirche wird das machen, was sie am besten kann: die Sache aussitzen. Wir treffen uns in zwei Tagen wieder. Mit Gottes Hilfe hat sich die Sache dann bereits erledigt.'“

Nebenbei gibt es auch noch ein paar Seiten Quantenphysik, irrwitzige Wendungen und jede Seite birgt eine Überraschung. Solche Bücher gibt es leider viel zu selten, deswegen greift euch dieses Panoptikum der Apokalypse. Wie schon Thursdaynext schrieb: Ein ‚must have für jeden Fan des literarischen Endlosschwafelsatzes‘, aber auch des Buches, das wirklich alles beinhaltet. Und, liebe Freunde des guten Geschmackes, ich übertreibe nicht! Holt es euch! Mag der Sommer auch noch so lang sein!

Alpha & Omega von Markus Orths ist 2014 im Schoeffling + Co. als gebundene Ausgabe erschienen. Nähere Infos zum Buch über einen Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

 

 

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3 Gedanken zu “It’s the end of the world – and I like it

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  3. Cool, dass du A&O genauso schätzt liebster Lesekumpel 🙂 deine Lobhudelei hab ich sehr genossen. Leider sind solche Bücher extrem rar, wie du ja auch schreibst, aber man erinnert sich an den Spaß noch lange. Thumbs up 😉

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