Berliner Stadtblatt Nr.14

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@JohnQube auf pixabay

Fast mittendrin

Joachim Claasen überprüfte nochmals die Zahlen. Doch kam er abermals zum selben Ergebnis, was ihm wiederum den Schweiß aus den Poren trieb.

Das durfte einfach nicht sein. Und doch schien es so. Zahlen und ihre unumstößliche Unbestechlichkeit! Zum Guten wie zum Schlechten.

Er mußte Bernd anrufen.

Vielleicht fiel dem ja noch ein Ausweg ein. Eine Möglichkeit, das Drohende doch noch abzuwenden.

Also griff er zum Hörer, während er aufstand, um bei seinem Kaffeevollautomaten per Knopfdruck einen weiteren Kaffee Cream zu ordern.

Er wurde gerade verbunden.

Doch anstatt Bernd ertönte eine Computermitteilung seines Telefonanbieters, wonach sich der gewünschte Gesprächspartner außerhalb des vereinbarten Tarifradius‘ befand und eine Verbindung dorthin beachtliche Zusatzkosten mit sich brachte.

„Na, das ist ja nen Ding!“, stellte Joachim wutschnaubend fest, während er die Verbindung kappte.

„Der hat sich einfach abgesetzt, dieser Mistkerl. Wehe, wenn die Konten abgeräumt sind!“

Sogleich setzte er sich wieder vor seinen schicken Laptop, gab etwas ein, klickte ein paar mal, tippte wieder etwas ein und klickte erneut, nur um wie vom Kaktus gestochen wieder aufzuspringen.

„Dieses verdammte Mistschwein! – Den zeig ich an! Ich sag gegen ihn aus und dann wird er per internationalem Haftbefehl gesucht werden. Und wenn das nicht reicht, dann werde ich Jemanden wie Sherlock Holmes engagieren. Oder die Hells Angels, wenn er nicht zusagt. – Oder nein! Viel besser: Russische Geldeintreiber! Oh ja! Die werden ihm das Fürchten lehren!“, Joachim Claasen besaß nichts mehr von seiner distinguierten Zurückhaltung. Dem kühlen Kalkulator, dem Gefühle nichts anzuhaben schienen. Stattdessen schwoll seine Halsader bis über alle Maße an, während er rotgesichtig dem Bildschirm drohte.

So war er in seinem Leben noch nicht abserviert worden. Niemand hatte ihn bis dahin dermaßen im Regen stehen lassen.

Höchstens seine verhassten Mitschüler auf der Sophie – Scholl.

Zitternd vor Wut wählte er die Notrufnummer.

Die Ordnungshüter werden ihn dann sicher zu sich auf die Wache einbestellt haben, so daß er wohl seinen Porsche genommen haben wird, solange der noch seiner ist.

Er wird angesichts des Vorgefallenen wahrscheinlich ein wenig ungehalten gefahren sein, als er so von Westen über die Tauenziehstraße hereinkam.

 

Mehr weiß ich allerdings auch nicht.

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