Templergeheimnisse

Zu Beginn des zehnten Falles, den Stadtpolizist Bruno in St. Denis klären muss, bekommt er eine junge Frau zur Seite gestellt. Sie soll ihn während seiner täglichen Arbeit begleiten, seine Arbeitsweise beobachten und daraus Verbesserungen für andere Städte und Kommunen in deren Zusammenarbeit ableiten. Im Grunde geht es um eine bessere Vernetzung aller Instanzen – vor allem also Gendarmerie und Polizei – um effektiver zu arbeiten. Wer würde sich besser eignen, als Bruno, der sich durch seine verbindliche, freundliche Art ein unschätzbares (in)formelles Netzwerk aufgebaut hat, um aufzuzeigen, wie so etwas gelingen kann.

Die junge Kollegin stammt aus Guadeloupe und fällt den Bewohnern von St. Denis durch ihre bunte, elegante Erscheinung sehr schnell aber auch wohlwollend ins Auge. Nach anfänglichen Zweifeln, bezüglich der ständigen Begleitung und deren Auswirkungen auf Brunos Arbeit seinerseits, stellt sich jedoch heraus, dass die junge Kollegin durchaus über polizeilichen Spürsinn, gute Verbindungen und großartige Recherchefähigkeiten verfügt und Brunos Arbeit somit bereichert. Zusätzlich bringt sie Bruno die Segnungen und positiven Seiten moderner Technik und der Nutzung sozialer Medien nahe, was sich bei der Aufklärung eines Todesfalls mehr als nützlich erweist.

Unterhalb einer alten Templerburg, in deren Gemäuern oder eventuell noch nicht entdeckten Höhlen der legendäre Templerschatz verborgen sein soll, wird eine Tote gefunden. Merkwürdigerweise finden sich an ihren Händen Spuren von Farbe und im Laufe der Ermittlungen verdichtet sich die Annahme, dass es sich bei dem vermeintlichen Schatz um ein altes Schriftstück handeln könnte, das weitreichenden Einfluss auf eine gewisse geopolitische Lage haben könnte …

Martin Walkers nunmehr zehnter Fall für den patenten, sympathischen und Gerechtigkeit liebenden Stadtpolizisten mit erweitertem Wirkungskreis ist wieder einer der starken aus dieser Reihe. Tiefes geschichtliches Wissen, profunde Kenntnis der französischen Gegebenheiten – auch historisch  – gewürzt mit der richtigen Prise Spannung machen die die Lektüre kurzweilig und dennoch nicht oberflächlich. Das Leben in St. Denis kommt auch dieses Mal nicht zu kurz, schließlich gibt es eine Hochzeit zu feiern, aber die Lösung des Falles selbst hat deutlichen Vorrang, wenngleich die Hintergrundgeschichte ein weiteres Ausholen bedarf. Erneut hat mich Martin Walker überzeugt und die berechtigte Weiterführung seiner Reihe unterstrichen.

Bruno ist und bleibt ein Mensch mit einem excellenten Riecher für die passende Tat im richtigen Augenblick. Die eine oder andere bekannte Figur wartet mit Überraschungen der besonderen Art auf und die Geheimnisse, die gewisse Kreise um Bruno herum hüten, die Verstrickungen, in denen er sich befindet, ohne es ganz genau zu wissen, bieten Potential für weitere spannende Fälle. Wachsam bleibt er auf jeden Fall. Am Ende dieses quasi als Jubiläumsband anzusehenden Krimis kommt es einem beinahe so vor, als wäre Bruno der Dreh- und Angelpunkt eines Netzwerks, von dem er nur ahnt – wie der Fels in der Brandung steht er inmitten der um ihn herum effizient und betriebsam wirbelnden Akteure verschiedenster Couleur …

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 25. April 2018
  • Verlag: Diogenes
  • ISBN: 978-3-257-07025-5
  • Leinen, gebunden, 432 Seiten

 

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