Krasse Killer – Hap and Leonard

Alles könnte so schön sein, wäre da nicht das Leben.

„Genau dann, wenn du glaubst du hast alles im Griff und das Leben geht seinen Gang, kommt garantiert so ein verdammter Mack – Truck angerast und fährt deinen wunderbaren Arsch über den Haufen“

Jim Bob Luke  aus Krasse Killer

Damit ist alles gesagt, was die Romane um die beiden Antihelden aus dem White Trash Milieu angeht. Folgerichtig beginnt Krasse Killer mit diesem Satz:

„Wir sind wirklich nicht auf Ärger aus, Leonard und ich.“

Doch wie in den vorherigen Romanen findet der Ärger die beiden. Zwar sind Hap und Leonard in ihrem neuen Roman weitaus gesettelter als je zuvor, doch abgesehen von beginnenden Alterserscheinungen immer noch schlagkräftig.

Die Ermüdungserscheinungen beschränken sich leider nicht nur auf das Altern der Protagonisten, die Reihe lahmt ein wenig mit den krassen Killern. Angefangen beim deutschen Titel. Im Original heißt der Roman Honky Tonk Samurai und gefällt mir deutlich besser. Hier hat der sonst stilsichere Golkonda Verlag ein Ei gelegt. Joe R. Lansdale schrieb Honky Tonk Samurai weniger ideenreich und engagiert, als dessen Vorgänger. Eine Weiterentwicklung der Protagonisten findet sich kaum, außer man betrachtet die Alterszipperlein und das Bemühen, sich ihnen entgegenzustellen, als solche. Auch die Story an sich, nicht schlecht, aber doch erkennbar konstruiert, konnte mich diesmal nicht gänzlich begeistern. Denn Krassen Killern mangelt es ein wenig an Raffinesse und ihrem schwarzen Humor. Das Wiedersehen mit den zwei Hallodris tröstet darüber ein wenig hinweg und die wieder ausnehmend schön gelungene Optik des Buches tut ihr Übriges, doch der Drive ist ein bisschen raus. Früher war mehr Schmiss. Was womöglich auch an der Übersetzung liegen kann. Wilder Winter ebenfalls in der Ausgabe von Golkonda wurde von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla übersetzt, die Ausgabe von Schlechtes Chilli aus dem Dumont Verlag von Christian Jentzsch, Rote Rache von der begnadeten Heide Franck. Bei Lansdales Erzählsprache ist es ein schmaler Grat von komplett vulgär zum erzählerischen Stilmittel der Underdogsprache wie sie Hap & Leonard kultivieren. Hier stilsicher, authentisch und doch ansprechend zu übersetzen ist sicher nicht einfach. Vielleicht liegt es aber auch an der Amazon Verfilmung und Lansdale ist gezwungen, Nachschub zu liefern.

Für Freunde der Ordnung hier die chronologische Reihenfolge (alle Angaben ohne Gewähr und Gewehr)  der dt. Ausgaben von Hap & Leonard:

1. Wilder Winter; 2. Texas Blues (Neuauflage „Mucho Mojo“);

3. Mambo mit zwei Bären; 4. Schlechtes Chilli,; 5. Machos und Macheten; 6. Das Dixie Desaster 7. Rote Rache  8. Krasse Killer

Der neunte Band ist noch in Arbeit, Originaltitel: Jackrabbit Smile .

Entgehen lassen werde ich mir Jackrabbit Smile trotz aller Kritik nicht, dafür hab ich die Jungs zu sehr ins Herz geschlossen und die Reihe ist und bleibt außergewöhnlich gut. Lansdale blickt sehr schräg ins Herz des amerikanischen Südens, ein wenig erinnern Hap & Leonard an Jack Reacher, der sich ebenfalls dem Kampf für Gerechtigkeit verschrieben hat, weil er es nicht erträgt, das Böse gewinnen zu lassen. Lansdales Helden sind direkter, lebenslustiger und humorvoller. Die Mischung aus schwulem Schwarzen und philosophierendem, halbgebildeten Hetero – Weißen, beide mit dem Hang zu fragwürdiger Partnerwahl, die sich den Ressentiments und Vorurteilen ihrer Umwelt mit Genuss und Verve stellen, ist differenzierter und tiefgründiger. Immer nahe am Exitus lässt der Autor seine Helden ein Loblied auf das Leben singen. Die Abenteuer der beiden sind nichts für zarte Gemüter, aber intelligent mit viel Liebe zum Milieu und bieten Einblicke in eine Welt, die sich von der ihrer Leser stark unterscheiden dürfte. In der Jagd nach dem kleinen bisschen Glück kommen Protagonisten und Leser dann wieder zueinander.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 18. September 2017
  • Verlag: Golkonda Verlag
  • ISBN: 978-3-946503-06-4
  • Klappenbroschur, 260 Seiten
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8 Gedanken zu “Krasse Killer – Hap and Leonard

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