Ach wie schön ist … Schweden

Kaspar lebt bei seinem Opa, denn Kaspars Eltern versuchen, das Elend der Welt etwas weniger elend zu machen. Ungefähr vor 50 Jahren war das und nun, im nachhinein, erzählt uns Kaspar ein paar Geschichten, die er mit seinem Opa erlebt hat. Kaspar und sein Opa leben in Schweden. Wenn man sich die großartig und liebevoll als Hörspiele umgesetzten Geschichten genießend zu Gemüte führt, dann ist einem klar, dass sie eigentlich auch nirgends anders wohnen können. Kommen doch so viele wunderbare Erzählungen, gerade für Kinder, von dort. So auch die wunderbaren Geschichten um Kaspar und seinen Opa, die man einfach mögen muss, weil sie so schön sind.

»Kaspar, Opa und der Monsterhecht«
Das Leben bei Opa ist vielfältig. Kaspar ist ungefähr sieben Jahre alt und sein Opa kümmert sich aufrichtig um ihn. Viel Zeit verbringen die beiden zum Beispiel beim Angeln. Schwarz fischen nennt Kaspar das, weil sie die offizielle Erlaubnis von Åmahn, dem reichen Besitzer, dem sowieso schon so viel gehört, nicht haben. Doch eines Tages ist es soweit und der Motor von Opas Boot mag nicht mehr. Glücklicherweise hat aber die Zeitung einen tollen Preis ausgelobt für denjenigen, der den schwersten Hecht angelt: einen Bootsmotor. Und so beginnt das erste Abenteuer von Kaspar, Opa und dem Monsterhecht.

»Kaspar, Opa und der Schneemensch«
Auch in Schweden ist es nicht immer Sommer und so steht bald das Weihnachtsfest an. Kaspar schnitzt gemeinsam mit seinem Opa die Holzpferdchen, die Opa bei Atom-Ragnar im Laden verkauft, um dann wiederum die Lebensmittel, seinen Tabak und sein Bier dort zu kaufen und hat es dabei überaus gemütlich. Dass bei einer solchen Männerwirtschaft das eine oder das andere etwas anders läuft, als wenn eine Frau im Hause das Regiment führen würde, ist absolute Nebensache. Den beiden gehts gut bis, ja bis sich Opas Schwester, Tante Karin, mitsamt Harmonium zu Besuche anmeldet …

»Kaspar, Opa und der Feuerteufel«
Mittsommer, die Zeit der nicht enden wollenden Tage ist gekommen und das Mittsommerfest steht vor der Tür. Mit den langen Tagen kommen natürlich auch die Urlauber. Ein Junge aus der Stadt – Kage – kommt Kaspar bei Lisa, der man wegen drohender wohliger Lebensgefahr nicht zu lange in die Augen schauen sollte, beinahe in die Quere. Atom-Ragnar betätigt sich als Erfinder eines neuen Superputzmittels, Atom-Putz genannt, das aber ganz andere Auswirkungen zeigt, als Sauberkeit. Und plötzlich brennt es überall – wahrscheinlich wieder die unvorsichtigen Kinder … doch Opa ist ganz klar: Kaspar ist nicht der Feuerteufel. Aber wer war es dann?

Wir haben uns regelrecht verliebt in die Atmosphäre, die Mikael Engström in seinen Kaspar und Opa Geschichten so wunderbar zaubert. Die Umsetzung als Hörspiele durch den SWR ist so charmant, dass man nicht anders kann, als nebeneinander auf dem breiten Bett im Kinderzimmer zu liegen und andächtig zu lauschen. Da wird nicht nebenher aufgeräumt oder nach speziellen Legosteinchen gesucht. Nein, die ganze Konzentration gehört diesen charmanten Erzählungen über einen Jungen, der mit seinem Opa die alltäglichsten und doch tollsten Dinge erlebt. Engström hat seine Geschichten sicherlich nicht umsonst in die Vergangenheit von vor ca. 50 Jahren platziert, aber zeitlos wie sie durch seine ruhige, liebevolle, herzerfrischend ehrliche und direkte Erzählweise sind, könnten sie auch heute noch stattfinden. Man muss nur den richtigen Opa dazu haben. Einen Opa, der ein gerüttelt Maß an Aufrichtigkeit besitzt, den Blick auf Gerechtigkeit fokussiert und sich durch nichts und niemand aus der Ruhe bringen lässt. Naja, nicht ganz. Der zwar mal flucht, das aber so aus tiefstem Herzen und nur wenn es eben wirklich nicht anders geht. Jedes Kind, das so einen Menschen an seiner Seite weiß, darf sich glücklich schätzen, weil es die tatsächlich wichtigen Dinge im Leben kennen, erkennen und schätzen lernt.

Die Figuren Engströms sind uns so sehr ans Herz gewachsen, dass wir wünschten, sie wären real. Lisa, mit ihren Augen, die Kaspar rote Backen machen, wenn er zu lange hineinsieht, Atom-Ragnar, der so heißt, weil er eben nicht an die Existenz von Atomen glaubt, der in einem Haus am See lebende und diesen malende Freund, der mit dem Bild nie fertig werden wird, weil er es immer ganz real malen möchte und natürlich Kaspar und sein Opa. Sie sind so warmherzig und menschlich gezeichnet, dass einem manchmal sogar die unsympathischen Figuren leid tun könnten, würde Opa einen nicht immer wieder daran erinnern, wie ungerecht und gemein sie sein können.

Während bei Astrid Lindgren, deren Geschichten ich liebe und verehre, die Kinder immer diejenigen sind, die die Lösung von Problemen alleine und oft für die Erwachsenen finden, stellt Mikael Engström seinem Helden einen echten Erwachsenen zur Seite, der sein inneres Kind nicht verloren hat, auch wenn er manchmal ganz schön grummelig ist. Wie wohltuend und wie ruhig erzählt das ist, muss man sich einfach selbst anhören, denn diese Geschichten erfreuen nicht nur die Herzen kleiner Entdecker*innen, sondern auch die derer, die sich noch sehr gut daran erinnern können, wie es ist, Kind zu sein. Das einzige Manko: Die Geschichten sind viel zu schnell angehört und schreien nach mehrmaliger Wiederholung.

Absolute Hörempfehlung für alle Menschen mit offenen Herzen von 8 bis … die gerne auch mal überrascht laut auflachen.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 13. Oktober.2017
  • Verlag: Der Audio Verlag
  • ISBN: 978-3-7424-0177-9
  • Audio CD, 3 CDs, Lauflänge insgesamt 2 Std. 46 Min.

 

 

 

 

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