Berliner Stadtblatt Nr.8

crowd-2865489_1920

JohnQube auf pixabay

In der Nähe der letzten besetzten Häuser

 

Winfried Beiler, darum bemüht den verteilten Hinterlassenschaften zahloser Kläffer auszuweichen, haßte Hunde.

Nicht als solche.

Sondern als Teil des Stadtlebens.

Sie hatten seiner Ansicht nach nichts in der Stadt verloren

Zu laut, zu eng, zu wenige Kackmeilen.

Es gab wohl kaum eine Gegend in Berlin, die nicht vor Hundescheiße strotzte.

In der Regel alle paar Meter.

Dazwischen Essenreste, Kotze, zerschlagene Bierflaschen, Gehwegsschäden, Blut oder ausgelaufene Farbe.

Demnach stellte es für Menschen wie Winfried Beiler, Fachbereichsleiter außer Dienst, bisweilen eine echte Herausforderung da, eine saubere Passage zu finden.

In aussichtslosen Fällen war er sogar schon auf der Straße gegangen.

Denn nur die ersten Brötchen schmeckten noch wie echt.

Alles danach taugte nurmehr zu Dekorationszwecken, war sich Beiler sicher.

Und das auch nur bei einem ganz bestimmten Bäcker.

Daher auch die Dämmerung des heraufziehenden Tages.

Deswegen die Eile.

Das Zeitungsblättchen war ja schnuppe.

Das wollte er ja nicht mit Marmelade beschmieren und essen.

Immerhin half ihm sein kleiner Muntermacher, daß das mit dem Schlucken würde besser gehen.

Er wollte schließlich nicht ewig leben.

Wozu auch?

Um seinen unfähigen Kindern weiter dabei zuzusehen, wie sie ihre Leben verpfuschten? – sicher nicht!

Da ging er doch lieber ins Kino.

Auch wenn er mit den heutigen Filmen allermeistens nichts anzufangen wußte, so gingen die in der Regel immerhin gut aus.

Zum Glück war seine Frau schon tot.

Sonst hätte die letzte Woche sie sicherlich ins Grab gebracht.

Aber das hatte sie ja schon hinter sich.

Ganz im Gegensatz zum ihm.

Dem reinsten Bollwerk an Gesundheit.

Da konnte er tun, was er wollte.

Ihn warf nichts um.

Und die sorgsam über den Tag verteilten kleinen Muntermacher schon gar nicht.

Also schritt er ordentlich aus.

Und zwar derart resolut, als wollte er dem Leben unauslöschlich vor Augen führen, daß es auf ihn noch absolut zählen konnte.

In solchen Momenten einer inwärts gekehrten Kraftressonanz achtet man allem Anschein nach nicht darauf, wohin man tritt.

Mehr weiß ich allerdings auch nicht.

 

Weitere Texte von Geruede auf dessen Blog: https://geruede.wordpress.com

Advertisements

4 Gedanken zu “Berliner Stadtblatt Nr.8

  1. Ich sehe hier auch regelmäßig Leute vors Auto laufen und wundre mich beinahe, dass nicht mehr von ihnen überfahren werden. Ich vermute, Winfried Beiler tritt in einen glitschigen Hundehaufen, schliddert in einen unmittelbar daneben befindlichen Gully, dessen Abdeckung achtlose Straßenarbeiter am Abend nicht wieder geschlossen haben, doch bevor es ihn unwiderruflich in die tiefe reißt, wird er von einem um die Ecke biegenden Nachtbus der BVG, dessen Fahrer eiligst zum Depot will, um Feierabend (Feiermorgen?) zu machen in voller Fahrt erwischt.

    Gefällt mir

  2. Ich dachte eigentlich an einen Raser oder einen BVG Bus. Es laufen hier immer wieder Leute vor Autos oder werden von denen zusammengefahren. Selbst wenn sie vermeintlich alles richtig gemacht haben. Also hinsichtllich ihres Verhaltens im Verkehr. Passiert hier öfter als man annehmen würde.

    Gefällt 1 Person

  3. Und da werde ich nun allein gelassen mit der Frage: Hundehaufen oder offener Kanaldeckel. – Ich fürchte, es war ein Hundehaufen. Himmelsakra, gottverdammich, so eine verfluchte Scheiße aber auch!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.