Die üblichen Verdächtigen präsentieren ihre Highfives des Jahres 2017

Jedes Jahr wieder fragen wir uns, welche Bücher uns am meisten beeindruckt, am besten unterhalten, am längsten begleitet haben. Fünf Stück sollen es sein pro üblichem Verdächtigen – das war besonders in diesem Jahr ein schwieriges Unterfangen. Die unterschiedlichen Buchseelenschmeichler der Subgenre haben wir euch schon zum Weihnachtsfest vorgestellt. Was ihr heute hier seht, ist die Crème de la Crème unserer Belletristik Favoriten. Vielleicht entdeckt ihr etwas, was auch euch fasziniert hat, vielleicht hattet ihr ganz andere HIGH-FIVES – wie es auch sei, wir freuen uns, wenn ihr uns davon berichtet und wünschen euch allen einen super Start in ein auf allen Ebenen glückliches Jahr 2018!

Awogfli

Eine allgmeine Theorie des Vergessens José Eduardo Agualusa
Mein absoluter Favorit im Jahr 2017. Eine wundervolles ironisches Märchen im Stile des lateinamerikanischen magischen Realismus über den Bürgerkrieg in Angola, Schuld und Sühne, Überlebenskampf, Revolution und Einsamkeit, das mich regelrecht vom Hocker gerissen hat.

28 Tage lang David Saffier
Meine positive Buchüberraschung in diesem Jahr. Nie hätte ich David Saffier eine derartig leise, wundervolle Geschichte über junge Leute im Warschauer Ghetto zugetraut. Großartig!

Die VegetarierinHan Kang (eine weitere Besprechung auf Feiner Buchstoff 2016 von Rallus)
Durch meine A-Z Autorinnenchallenge lese ich vermehrt Bücher von Schriftstellerinnen. Dieses Werk über Unterdrückung und Selbstbestimmung einer Frau im asiatischen Kulturraum hat mich restlos begeistert.

Der Report der Magd Margaret Atwood
Mein Lieblingsklassiker 2017. Da heuer die Fernsehserie rauskam, hatte ich nun endlich die Möglichkeit, auf dieses grandiose Werk aufmerksam zu werden, das ich bei seinem Erscheinen 1985 offensichtlich überhaupt nicht bemerkt habe. Eine furchtbare, brilliante feministische Dystopie.

Damals in NagasakiKazuo Ishiguro
Anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises habe ich ein paar Ishiguros gelesen, und dieser Roman muss unbedingt auch auf die Liste der High-Fives. Eine asiatische mysteriöse Geschichte, die fast ein bisschen an Murakami erinnert, mit einem sehr intelligenten Twist zum Ende, der reichlich Interpretationsspielraum für den Leser offen lässt.

Bri

Glow Ned Beauman
Ein Buch wie ein Trip unter Anleitung von Douglas Adams. Nicht fragen, was soll das, einsteigen, mitfahren, genießen. Es hat alles seinen Sinn, holistische Denke eben. Sprachlich ein Schätzchen, dabei noch intelligent aufgebaut und spannend. Ein wahrer Pageturner, wenn man sich darauf einlassen kann.

Johnny Ruin Dan Dalton
Im Herbst 2017 auf Deutsch erschienen, bevor es in der Muttersprache des Autors gedruckt vorliegen wird. Bücher haben es manchmal schwer. Dieses soll es bitte leichter haben. Denn es ist anders, überraschend und verdammt gut übersetzt. Konventionell ist es nicht, wer also die Herausforderung liebt, der möge sich in die neuronalen Strukturen des Protagonisten begeben und sich durch die verschiedensten Bereiche der Emotionen und Erinnerungen führen lassen.. Vertraut mir einfach und geht mit!  Wenn es nicht gefallen hat, gebt mir ruhig die Schuld – denn Leben ist Konsequenz.

Was man vor hier aus sehen kann Mariana Leky
Zauberhaft, umwerfend, ehrlich, magisch, wunderbar. Ich könnte noch länger so weiter machen, aber wahrscheinlich haben die meisten unter euch dieses großartige Buch, meine Überraschung des Jahres, sicher schon gelesen oder gehört. Solch sprachliche Anmut, gepaart mit Herzenswärme und Klarsicht, scheinbar mit leichter Hand hingeworfen gibt es selten im deutschsprachigen Raum. So ist das mit solchen Büchern, die so ganz sind, dass man nicht viel über sie sagen oder schreiben kann. Sie brennen ihre Nachbilder in unsere Herzen und wärmen diese für lange Zeit. Vielleicht sogar für tausend Jahre zur See, tausend Jahre in den Bergen. Danke.

Geister Nathan Hill
Zunächst war es die Sprache, die Entwicklung der Geschichte, dann deren Auflösung, die zuletzt vielleicht ein wenig hastig geschieht. Manche Leerstelle bleibt und das ist gut so, viele werden gefüllt, das erwarten wir Menschen. Dennoch ist es ein Buch, wie ich es liebe. Es handelt von den wichtigen Dingen im Leben eines Menschen. Dingen, die egal, wo eine Katastrophe passiert oder ein Attentat verübt wird, uns ausmachen: Freundschaft, Liebe, Vertrauen – aber auch von Verrat, der überwunden wird, von Verletzung, die Heilung erfahren muss, um ein gutes Leben führen zu können. Ein rundum gelungenes Debüt.

Der gefährlichste Ort der Welt Jennifer Lee Johnson
DAS HIGHLIGHT meines Lesejahres. Stilistisch außerordentlich geschickt lässt Lindsay Lee Johnson Leerstellen in den einzelnen Geschichten zu, die jedoch später aus anderer, zusätzlicher Perspektive nicht nur gefüllt, sondern füllend erweitert werden. Alles greift ineinander, wie in einem perfekt funktionierenden Mechanismus. Und obwohl sicherlich nicht alle Protagonisten sympathische Züge tragen, so fühlt man doch mit ihnen, kann ihre Traurigkeit, Unsicherheiten und Einsamkeit, die auch in dieser perfekten Welt existent sind, nachvollziehen.

DaslesendeSatzzeichen

Die Spuren meiner MutterJodi Picould
Jodi Picoult lässt in ihrem elektrisierenden Roman „Die Spuren meiner Mutter“ mehrere Erzählstränge parallel laufen. Und die Personen, die diese unterschiedlichen Blickwinkel auf die Geschichte geben, sind psychologisch äußerst komplex und sehr vielschichtig entworfen. Und am Ende kommt die Auflösung wie ein großer Knall, denn nichts ist, wie es scheint.

Die goldene Legende Nadeem Aslam
Ineinander verschlungen sind die Geschichten und Schicksale der Protagonisten in diesem politischen Roman, der in Pakistan angesiedelt ist. Aslam beschreibt sie in blumig-schöner Sprache. Ein Genuss für jeden, der Freude am Fabulieren hat und keine Angst davor, sich desillusionieren zu lassen.

Charlotte David Foenkinos
Charlotte Salomon ist Jüdin, eine begabte junge Künstlerin, die in Berlin lebt. Sie flieht vor Hitlers Regime nach Südfrankreich und entkommt den Klauen des Bösen dennoch nicht. Ein schreckliches Schicksal, wie man es aus dem Dritten Reich kennt. Und doch ist da noch so viel mehr. Hier geht es um eine junge Frau, die abseits aller Weltpolitik auch so schon ein schweres Päckchen zu tragen hat. Großartiger Stil, packende, wahre Geschichte.

Wenn nachts der Ozean erzähltZana Fraillon
Ein gewaltiger Roman aus dem All-Age-Genre, auch wenn er offiziell dem Jugendbuch zugeordnet wurde. Der Protagonist Subhi wächst in einer Parallelwelt auf, denn er wurde in einem australischen Flüchtlingslager geboren und kennt die Welt jenseits des Zaunes nicht. Man kann sich dem Charme, den der kleine Protagonist Subhi versprüht, nicht entziehen, trotz des erschütternden Themas. Absolut umwerfend, denn die herrliche Sprache, derer Subhi sich bedient, ist so lebendig, berührend und überzeugend kindlich, dass Inhalt und Form perfekt verschmelzen.

Rallus

Das Licht der letzten Tage Emily St. John Mandel
Kein anderes Buch hat mich dermaßen verzaubert wie dieses. Eigentlich eine Dystopie, aber eine, die so viel Hoffnung und Licht verstrahlt wie kaum ein anderes Buch. Wir schaffen das, gewinnt hier eine ganz andere Kraft und Bedeutung. Ein Buch, das bei dem Gedanken daran positive Gänsehaut verursacht. Ein All-Time Favorit für die Insel.

FreiheitJonathan Franzen
Zwar etwas älter, nichtsdestotrotz immer wieder lesenswert. Freiheit bedeutet immer die Freiheit der Andersdenkenden hat Rosa Luxemburg einmal gesagt. Und hier in diesem, schon komplett zu nennenden Buch, quälen sich die Protagonisten durch ihr Leben und ihre Beziehungen, dass es fast physisch weh tut. Und das Ende ist ebenso überraschend wie anders, aber vom Verlauf her zwingend logisch.

Die amerikanische Nacht Marissa Pessl
Marissa Pessl erschafft in ihrem wunderbaren, magischen Thriller eine geheimnisvolle Welt, in die sie ihre Leser wie in einen Strudel hineinzieht. Mit der Beschreibung der Welt des (fiktiven) Stanislas Cordova baut sie eine mythische Basis auf. Manches wirkt konstruiert, aber wenn man sich darauf einlässt, erfährt man Wunderliches in diesem vollgepackten Buch.

Armageddon Rock  George R.R. Martin
Ein Alltime Klassiker von George R.R. Martin. Ein Buch, das den Woodstock Mythos entzaubert und ihm den Altamont (das Altamont Konzert galt als Ende der Hippie-Unschuld) entgegenhält. Eine Reise in die Vergangenheit eines alternden Journalisten, ein Versuch das Früher wieder zu beleben. Music to wake the dead.

Der gute Banker Paul Murray
Was haben uns die Banker nur 2008 angetan. Aber mal ehrlich, so richtig unschuldig sind wir alle dabei nicht. Die Sucht nach immer mehr hat zu diesem großen Knall geführt. Und Paul Murray treibt den Klischee-Analysten, wie wir uns ihn vorstellen, auf die Spitze. Wobei er von der Wahrheit gar nicht mal so weit entfernt ist. Ein wunderschönes skurriles Buch, das auch noch so erfrischend komisch ist.

Thursdaynext

Vintage Grégoire Hervier
DAS Highlight, für mich, für Blues- & Gitarrenliebhaber. Vintage ROCKT! Derart gebannt, hingerissen und fasziniert hat mich dieser genial konstruierte Genremix aus Mystery, Bluesgeschichte, Thriller. Sensationell gut geschriebener, komplett vereinahmender Roadtrip back to the roots.(PS. Auch für Bri ein Highlight – und der am meisten gelesene Post dieses Jahres)

Unter LeutenJuli Zeh
Beziehungsmikrokosmos am A… der Welt. Feinstes /(Schriftstellerinnen) Handwerk, hoch spannende Charakter- und Gesellschaftsstudie. Stilistisch und sprachlich ein Genuß und brandaktuell. Trotz des Umfangs ratzfatz weggeschmökert.

KraftJonas Lüscher
Ein ausgemachter Arschloch – Protagonist und seine kleine Welt. Herrlich böses Amüsement wechselt sich mit Mitleid ab. Dieser Professor Kraft ist eine tragikomische Figur, und der Autor ein wunderbarer Satiriker, der das Spiel mit der Sprache bis ins letzte ausreizt. GREAT!

Sommer ohne Männer Siri Hustvedt
Eine Frau wird von ihrem Mann verlassen, welch banale Geschichte, doch Siri Hustvedt erzählt mit Wucht, leisem grandiosen Humor und unnachahmlichem Charme von ihrem Elend und ihrem Glanz. Stilistisch erhebend und inhaltlich tief berührend. Unbedingt goutieren!

2017 Olga Slawnikowa
Ein fiktives, dystopisches, magisches Russland, ein Mann trifft eine Frau, Natur, Edelsteinschleifer, russische Haute Volée , das leben gewöhnlicher Menschen ………diese mit derart wortgewaltiger ausschmückender Kraft fesselnde Satire ist Glanzstück und Beglückung für Liebhaber des magischen Realismus in der Tradition eines Dostojewski.

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