Jetzt erst Recht – 2

cat-351926_1920Während nun also sowohl differenzierendes Denken als auch der respektvolle Diskurs zugunsten einer wirren Vermischung von Empirie, emotionaler Verlorenheit im weiten Meer der Ahnunglosigkeit und plakativ greller Stigmatisierung weicht, verkehrt sich Althergebrachtes rigoros ins Gegenteil, während Nichtigkeiten auf den Bildschirmen der Welt gefeiert werden.

So. Und was sollen wir jetzt schreiben?

Denn das Grundeinkommen ist finanzierbar! Doch das sagt man uns nicht. Stattdessen lügt man uns frech ins Gesicht. Hält uns für faul und unmündig; und unwürdig für ein Leben in Würde.

So. Und was sollen wir jetzt schreiben?

Sollen wir uns als Literaten nicht diesen Widersprüchen und Beleidigungen widmen? Oder doch lieber nur Schönes schreiben? Erhabenes verfassen, während wir im Elfenbeinturm dem nächsten Huldiger harren? Für Ablenkung sorgen. Den netten Nervenkitzel für die allabendliche Heimfahrt ausformulieren?

Oder darf es doch etwas Hintergründigeres sein? Vielleicht sogar mit Tiefgang? Ein Hauch von Häßlichkeit! Zerrissenheit! In jedem Fall ein überforderter Grundtenor. Etwas womit sich der Leser in seinem Mitrennleben identifizieren kann.

„Traurig‘ Leben ohne Hund.“ „Ein Fuß hoch und dann weiter.“

Oder doch nur: „Drei Kugeln für einen gewissen Charly.“ ?

Nein! – Ich hab’s! Viel besser:

Konstruktive Katzenvideo – Besprechungen und zwar auf extraordinärem Niveau. Mein eigener Katzenvideo – Besprechungsvideoblog. So erreicht man nämlich heute die Menschen. Schmeichelt sich ein, macht sich beliebt und bekannt. Und dann mit einem Schlag der schreckliche Enthüllungsroman, der die ganze Tragweite meines illegalen Katzenbabyhandelsrings und die zugunsten des Katzenvideobesprechungsvideobloggers manipulierten langweilligen Allerweltsvideos auffliegen lassen wird.

Der entrüstete Aufschrei der Weltöffentlichkeit wird mich auf die Titelseiten verschiedener auflagestarker Illustrierter und anderer Schmierblätter bringen.

Talkshowmaster werden der Sache auf den Grund gehen wollen. Ich werde Morddrohungen erhalten und von der Polizei eine Schutzidentität.

Der zweite Roman, in dem ich dann mein Tun auf das Tiefste bereuen werde, ist dann doch bloß noch eine Frage der Zeit.

Er wird aber zugleich auch ein anklagendes Werk sein, der meine eigentlichen Absichten enthüllen und den häßlichen Einkommensdruck beleuchten wird, der mich doch überhaupt erst zu solch einer scheußlichen Tat veranlasste.

Jetzt erst Recht! – Und zwar mithilfe von vorschnellen Urteilen und Sensationsgeilheit.

Denn der Weg heiligt allenorts die Mittel.

Geruede, nicht er selbst

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4 Gedanken zu “Jetzt erst Recht – 2

      • Ach was! Geduld! Die Datenaufbereitung und die Bereitstellung derselben läßt auf sich warten. Das ist aber noch lange kein Grund, so etwas Abgehobenes wie Geduld an den Tag zu legen. Immerhin beinhaltet das digitale Versprechen an die Nutzer dieser drolligen Welt Begriffe wie „Jetztzeit“, „sofort“ „verlustfrei“ und „überhaupt!“.
        Geruede, langsam bis zehn zählend

        Gefällt 1 Person

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