Druiden, Geheimbünde und das alles in Köpenick

Wer Kai Lüftners ersten Band der herrlich witzig-schrägen Reihe um die alte Adelsfamilie Finsterstein aus Köpenick gelesen oder gehört hat, ist sicher voller Neugierde darauf, wie die Geschichte wohl weitergehen mag.

Nachdem Fred und sein neuer Freund Franz die Familie Finsterstein aus ihrem 400-jährigen steinernen Schlaf geweckt hatten und mit knapper Not den offensichtlich feindlich gesonnenen Bärbachs entkommen waren, ist es nun für Fred an der Zeit, die coolste Mutter der Welt, also seine Baba, in die Geschehnisse einzuweihen. Wie immer bleibt sie unerschütterlich. Auch als es an ihrer Tür klingelt und nicht ihr neuer Verehrer Ante – seines Zeichens Förster – davor steht, sondern zunächst nur das Leistenkrokodil Peppi zu sehen ist. Fünf Tage waren vergangen, seit die Finstersteins verschwanden und nun tauchen sie bei Fred, den sie ehrfurchtsvoll ihren Erwecker nennen, wieder auf. Sie brauchen seine Hilfe. Denn Zeit und Ort sind für sie weder vertraut noch sicher.

Baba, pragmatisch und hilfsbereit wie immer, weiß natürlich auch eine Lösung: der Keller ihres Hauses auf dem Friedhof sollte doch eine geeignete Bleibe für die fünfköpfige Familie und Onkel Bende, den Druiden, darstellen. Peppi kann getrost draußen verweilen, auch wenn das Sinaista, die Jüngste der Finstersteins, nicht gerade erfreut. Allerdings ist Fred mehr als erfreut darüber, Sinaista wiederzusehen. Hat sie sich doch mit ihren unglaublich grünen Augen tief in seinen Kopf gebohrt und vielleicht auch in sein … Herz. Lange Rede kurzer Sinn, Fred, Baba und Ante kümmern sich darum, die Finstersteins zu integrieren und Franz versucht mit Hilfe von Onkel Bende, dem Druiden der Familie Finsterstein, Licht ins Dunkel zu bringen, was die Verbindung zwischen der alten Adelsfamilie und den Bärbachs angeht.

Waren mein Lütter und ich bereits vom ersten Hörbuch Die Finstersteins – Wehe wer die Toten weckt – gelesen von Autor Kai Lüftner himself – begeistert, so hat es uns mit der Fortsetzung noch mehr gepackt. Leo, weil die Geschichte exakt gruselig genug ist, um cool zu sein und Spaß zu machen, und mich, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie eine ehemals versteinerte Familie sich ins Köpenick von heute integrieren lassen sollte, ohne dass die Geschichte krampfig oder merkwürdig wirkt. Jetzt allerdings muss ich sagen, es geht und zwar verdammt gut. Dabei erscheint die Geschichte – mal abgesehen vom Versteinerungszauber – gar nicht mal so phantastisch und gleichzeitig ist sie äußerst informativ, was das Leben der Menschen vor circa vierhundert Jahren angeht.

Lüftners Figuren sind glaubwürdig und man merkt ihnen an, dass er sie mag, zumindest die sympathischen. Aber auch die unsympathischen werden nicht vernachlässigt, sondern genauso fein gezeichnet, wie Fred, Baba oder Franz und natürlich die Finstersteins, die wir hoffentlich alle bald noch ein wenig näher kennen lernen. Onkel Bende und Franz bilden ein Dreamteam, sie sind intellektuell aus demselben Holz geschnitzt und so zeigt Lüftner, dass zwar die Lebensumstände vor einigen hundert Jahren andere gewesen sein mögen, doch die Individualitäten einzelner Personen nicht von Zeit oder Raum abhängig sind – vielleicht würde man das als der Zielgruppe angehöriger Lesender so nicht ausdrücken, aber gespürt hat das auch schon mein Lütter.

Da hat der Kreativtäter Lüftner mal wieder ein echtes Sahneschnittchen rausgehauen: einen absolut gelungenen Genremix mit wunderbarem Lokalkolorit, authentischen historischen Informationen, Gruseleffekt, sprachlichem Witz und vor allem echter Sprache. Gleichzeitig wird wunderbar auf die aktuelle Lebensrealität der Zielgruppe eingegangen. Gelesen wie immer kongenial. Einziges Manko bei den Hörbüchern: es fehlen die wunderbaren Illustrationen der Printausgaben. Abhilfe schafft da wohl nur eines, beide Ausgaben kaufen.

„Mama, jetzt brauchen wir – und das ganz ganz dringend – Teil 3.“ – Tja was soll ich sagen, Recht hat er, der Lütte, und glücklicherweise ist Kai Lüftner sehr produktiv … im Oktober erscheint er, der dritte Teil der Abenteuer um Fred und seine neuen Freunde. Bis dahin müssen wir uns wohl noch das ein oder andere Mal Teil 2 zu Gemüte führen.

Mit herzlichem Dank an den Verlag für die CD und Kai Lüftner für seine scheinbar unendliche Kreativität – möge sie noch lange anhalten! Und ach ja, mein Sohn lässt auch grüßen, hat er doch jetzt seinen ultimativen Wunschberuf entdeckt: Druide will er werden. Tipps, wo er einen geeigneten Ausbilder findet, nimmt er gerne entgegen!

Und wer sich über den ersten Band noch informieren möchte, kann das sehr gerne hier tun.

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe : 10. März 2017
  • Verlag : Der Audio Verlag
  • ISBN: 978-3-7424-0051-2
  • Audio CD, ungekürzte Lesung, 4 h 06 min. 3 CDs
  • Ab 8 Jahren

 

 

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