Falke – Biographie eines Räubers

Während Helen Mcdonald an ihrer Doktorarbeit über die Geschichte der Naturgeschichte und des Verhältnisses der Menschen  zur Natur schrieb, faszinierte sie „die Idee, Fakten und Anekdoten und Bilder auf eine Weise zu verweben, dass sich durch die Brille unserer Beziehung zu den Falken betrachtet, auch unsere Stellung in der Welt ein Stück weit erschließt.“

Ihr Bedauern darüber, dass viele der fantastischen und inspirierenden Konzepte, denen sie in der akademischen Welt begegnete, und die ihr zu verstehen halfen, weshalb wir die Natur so sehen, wie wir sie sehen, nicht weiter verbreitet und allen daran Interessierten zugänglich sind. Sie empfand das als Ungerechtigkeit.

Falke entsprang also unter anderem einer ausufernden Doktorarbeit, dem glücklichen Zufall in der Uni Teestube einen Verleger ihrer Idee zu finden und zielt letztendlich auf die eine entscheidende Frage, wie wir unsere Welt noch retten können.

Wie auch bei H – Wie Habicht ist eine gewisse Affinität zu Raubvögeln Voraussetzung, um Falke goutieren zu können. Interesse an Kunst, Kultur und Geschichte und unterhaltsamen anekdotischen Schlenkern vergrößert ebenfalls unbedingt das Lesevergnügen. Dabei ist Falke wohl durchdacht in sechs Kapiteln  rund um:

Naturgeschichte, Mythische; Abgerichtete; Bedrohte; Militärische und Urbane Falken aufgebaut. Dazu wunderbar vielfältig bebildert und bereichernd geschrieben. Ein Universalvergnügen (mit oben erwähnter Einschränkung).

So bewegt sich die Welt aus Sicht eines Falken zehnmal schneller als unsere gewohnte. Kann unser Gehirn maximal zwanzig Ereignisse pro Sekunde verarbeiten sind es beim Falken siebzig bis achtzig. Zu unseren 70 000 Zapfen im lichtempfindlichsten Teil der Netzhaut weisen Greifvögel cirka 1000000 Zapfen auf. Vermutlich können sie polarisiertes Licht sehen (Vorteil bei bewölktem Himmel) und sie sehen ultraviolett, besitzen im Vergleich zu uns einen Farbrezeptor mehr als wir mit unseren dreien für Rot, Grün und Blau. Ich könnte schwärmerisch fortfahren über ihr Skelett und andere Bauteile zu berichten, die Autorin vermag das aber erheblich spannender und versierter. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Ärgerlich ist nur, dass ich ein Ausleihexemplar der Stadtbibliothek las und es wieder zurückgeben muss. Falke ist ein Buch, das man haben muss ebenso wie H wie Habicht.

Bereits die Cover dieser beiden be-, und verzaubernden Kunstwerke sind wunderbar. The Guardian schreibt:

Dieses wundervolle Buch zeigt, wie die schnellsten Tiere der Welt auf ihren Flügeln die Träume der Menschheit getragen haben.

Treffender oder schöner kann man es nicht ausdrücken.

Von früher Vorzeit bis heute, die Faszination Falke funktioniert noch immer.

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : März 2017
  • Verlag : Beck, C H
  • ISBN: 978-3-406-70574-8
  • Fester Einband 256 Seiten
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5 Gedanken zu “Falke – Biographie eines Räubers

    • Ich bin so ein Semi-Orni, will sagen, ich war Vogelzivi und hab‘ später immer mal wieder Beringungen und ähnliches gemacht. Dabei fiel mir auf, dass Ornis schon sehr durchgeknallt sind 🙂 Jahrelang wollte ich dann einen Orni-Krimi machen – mit (mehr oder weniger) Ornis als Protagonisten, mit meinem Anekdotenschatz und tatsächlich auch mit einem Vogel-Thema. Mit meinem Bruder habe ich das dann tatsächlich gemacht: https://einbuchwiekingsturm.wordpress.com/2016/08/13/die-traenen-der-voegel/
      Und mittlerweile sitzen wir am zweiten Band 🙂
      Liebe Grüße!

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      • Cool, hab schon geguckt. Federpfeil klingt sehr nach Falke Ich liebe diesen (leicht kitschigen, sehr amerikanischen) herrlich witzigen Film „Ein Jahr vogelfrei“ der von diesen Birdwatchern die an einem Wettbewerb teilnehmen wer die meisten Vogelarten photographiert kriegt. Ich bin fasziniert von Raub-, und besonders Rabenvögeln. Sozialverhalten und Intelligenz überzeugen Beide Bücher von Helen Macdonald haben mich total gepackt. Kann sie wirklich wärmstens empfehlen.

        Gefällt 2 Personen

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