Wider dem Krieg

Während Hinz und Kunz noch immer damit zögern, sich einen Reim auf all die Säbelrasselei zu machen und stattdessen lieber fortfahren der Angebotsvielfalt zu frönen, sitzt der gute, alte Ehrlich Frieden bereits sicher verwahrt auf seinem durchgesessenen Sofa im Keller gesellschaftlicher Konfliktlösung und mischt gelassen einen Satz abgegriffener Spielkarten.

Ein neuer, altbekannter Gast, fett, breit, prollig und mit einem Mal wieder salonfähig gibt nun oben den Ton an; bestimmt den gesellschaftlichen Diskurs. Schwingt Reden; weiß Bescheid. Die Welt sei eine andere als Ehrlich meint und man müsse der Bedrohung nun endlich ins fiese Aug‘ schauen. Dazu bereit sein, Äußerstes zu wagen.

Ehrlich Frieden wartet derweil und mischt seine Karten. Kann den Anderen und dessen Poltern zwar hören, doch kennt er das alles schon. Ist immerhin nicht das erste Mal, daß er hier unten aufwachte. Mir nichts dir nichts über Nacht ausgelagert und fortgesperrt. Zur eigenen Sicherheit, wie man so hört.

Immerhin ist er nicht allein. Prima Wahrheit ist mit ihm hier unten. Weigert sich aber hartnäckig nur abzuwarten und mit ihm Karten zu spielen; hängt lieber an den Gittern des verrammelten Kellerfensters und schreit nach Leibeskräften. Wie jedesmal.

Nein, sie hat keine Schmerzen. Sie will nur unbedingt der Wahrheit ans Licht verhelfen. Also ihr selbst. Zumindest Teilen davon. Es liegt quasi in ihrer Natur. Ehrlich Frieden, weit davon entfernt, ihr daraus einen Strick zu drehen, wartet geduldig ab; mischt seelenruhig seine Karten.

Spätestens am Abend, wenn alle nach Hause und vor ihre Bildschirmwände gegangen sein werden, wird sie ein Einsehen haben, oder aber heiser sein.

Dann endlich wird Ehrlich Frieden Karten spielen können. Denn was soll er auch anderes tun? – sich selbst zu befreien liegt nicht in seiner Natur. Das müssen schon diejenigen tun, die wissen, was sie an ihm haben. Und je mehr es sind und je lauter ihre Herzen und Münder nach ihm rufen, desto mehr wird der gute, alte Ehrlich Frieden anschwellen, über sich hinauswachsen und schließlich seinem engen Gefängnis entwachsen, um endlich wieder bei uns zu sein.

Laßt uns gleich beginnen, um uns im Anschluß an all das Gelärme wieder in Stille zu kleiden. Auf daß wir Ehrlich Friedens Flüstern dann nicht mehr überhören.

Geruede, leidenschaftlicher Megaphone – Sammler

Advertisements

2 Gedanken zu “Wider dem Krieg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s