Max Leif’s Life live

Ex – Musikproduzent Max Leif, hinreißender Hypochonder aus „Die 7 Tode des Max Leif“, der mir einst pures ungetrübtes Lesevergügen verschaffte, ist wieder da. Und Co – schwanger.

Erinnerte mich der Vorgängerroman stark an Nick Hornby, so schimmert hier Ähnlichkeit mit Graeme Simsions charmantem Rosie Projekt durch. Beide leben vom Hauptdarsteller und erinnern an die Leichtigkeit früherer Screwball Komödien, die sich durch ausgelassene, doch intelligente Albernheit und perfektes Timing auszeichneten.

Die Entwicklung, dass in der Schwangerschaft – die heutzutage viel zu oft eher als Krankheit, denn als normaler Vorgang betrachtet wird – die werdenden Väter sich mit ihrer Partnerin verändern entfacht erneut Max unglückseligen Hang zu Internetrecherche. Seine vor zwei Jahren durch eine Fast – Toderfahrung und den tatsächlichen Tod seines besten Freundes Paul ausgelöste, mittlerweile schlummernde Hypochondrie erhält neuen Schwung, wobei Max sie nun projeziert. Auf seine schwangere Maja. Deren rational humorvoller Pragmatismus, durch die Schwangerschaftshormone geputscht, mit erheblichen Schwankungen bezüglich Gefühlswelt und Ratio, also  im bekannten Schwangerenmodus, geistig leicht eingeschränkt daherkommt.

Das Thema Humor in der Literatur ist ein weites Feld und die Geschmäcker sind hier sehr unterschiedlich. Ein unterhaltsamer, witziger Roman über das Thema Elternwerdung hat dabei einige Hürden zu umschiffen. Gerade wenn der Hauptprotagonist und werdende Vater ein derart auffälliges Exemplar eines Mannes ist. Ich mag guten Slapstick, wobei der Freude daran dienlich ist, wenn diese sich, wie hier, aus echten Problemen speist und auch die Kehrseite, das Ernsthafte, das dahinter stehen sollte, aufweist. Autorin Juliane Käppler ist dies bereits zum zweiten Mal gelungen. Leichte doch nie seichte Unterhaltung mit Hintergrund und Niveau zu erschaffen. Nicht zuletzt liegt das an den zwar leicht überspitzten, doch nie ins Vollklischee abdriftenden herrlichen Nebenfiguren, die das Leben des Protagonisten bevölkern und bereichern.

Sie schafft es, das Klischee so zu skizzieren, dass es ein Eigenleben entwickelt ohne flach daherzukommen. Sei es die russische Putzfrau Jekatarina, die aus New Orleans stammende kreolische Köchin der Kita Kling Klang , Max neuer Berufung und Wirkungsstätte, die übrigens ein Traum einer Kita ist, schaut man sich Personalausstattung und Konzeption an. Bis hin zu Freunden, Bekannten und Haustieren die das Heim des nicht mehr ganz jungen Paares mit Abwechslung erfreuen, sind alle Nebenfiguren grandios besetzt. Auch wird bei aller Rasanz und Action rund um diese spezielle Schwangerschaft und das Schwangersein allgemein, hier nichts ins Lächerliche gezogen. Die Themen Liebe, Kommunikation, Verantwortung, Ängste, Gefühle und Gedanken werdender Eltern werden ernstgenommen, wenn auch teils satirisch aufbereitet. Die Dialoge sind witzig, stimmig, authentisch und dank der beteiligten Figuren und ihrer Eigenheiten, die durchaus auch in freier Wildbahn des realen Lebens zu finden sind, umwerfend komisch.

Ich mag skurrile Romancharaktere und die liebevoll amüsierte Sichtweise auf sie, die Vielfalt und das pralle Leben und hoffe daher, dass Autorin Juliane Käppler bereits mit dem Leifschen Nachfolgeroman schwanger geht. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist das Cover: Angefangen bei der Hintergrundfarbgebung und der schwangeren männlichen Gestalt im Anzug mit fernbeglastem Blick auf einen Storch! Im Gegensatz zum Cover des ersten Romans um Max Leif hätte dieses Cover mich rein optisch total abgeschreckt. Erfreulicherweise ist der Inhalt nicht so chicklit hirnabschaltend, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Fazit:

Ein Buch für Liebhaber des Max Leif – man kann es zwar  gut lesen ohne den Vorgänger zu kennen, verpasst aber die Hälfte des Spaßes – für Fans gut gemachten Slapsticks, für Eltern mit Kindern egal welchen Alters, für brainchiller, die das Denken ungern ganz abschalten, aber gerne befreit auflachen. Als Schwangerschaftsratgeber angelehnt an Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein gut geeignet.

 

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : März 2017
  • Verlag : Knaur Taschenbuch
  • ISBN: 9783426519745
  • Flexibler Einband 352 Seiten
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