Lesefutter für trübe Tage

meine_seele_wei___von_dir_cover_final_300Ein echter Schmöker.  An zwei leseintensiven Abenden musste er fertig gelesen werden.
Das Thema – Frau hat Unfall (oder?), verliert dabei die Erinnerung an ihr komplettes bisheriges Leben und muss sich nun in einem ihr völlig fremd wirkenden Umfeld zurechtfinden – ist nicht ganz neu. Auch Jodi Picoult hat es schon bedient. Doch das tut Sabine Ludwigs Werk keinen Abbruch. Im Gegenteil. Sie kann problemlos neben der wortgewandten Amerikanerin bestehen.

Sina-Mareen erwacht im Krankenhaus und hat keine Ahnung, wie sie dorthin kam, warum sie da ist und vor allem: wer sie selbst ist. Die Diagnose lautet Retrograde Amnesie und sie erfährt, dass sie offensichtlich beinahe ertrunken wäre.
Vor lauter Verwirrung folgt sie ihrem einzig klaren Instinkt, der ihr befiehlt, sich im Kleiderschrank zu verstecken. Dort macht sie es sich weitgehend gemütlich, die Enge gibt ihr Geborgenheit, nur hier kann sie etwas zur Ruhe kommen.
Ein Mann kommt täglich zu Besuch. Ihr Mann. Laut Krankenschwestern extrem gutaussehend. Doch das ist Sina-Mareen egal, sie macht die Tür des Schrankes nicht auf. Sie unterhält sich aus ihrem sicheren Versteck heraus mit dem Fremden. Denn nichts anderes ist er für sie. Sympathisch findet sie ihn, aber auch distanziert.
Doch dann kommt der Tag, an dem Sina-Mareen ihr Krankenzimmer und den Schrank verlassen muss, um mit dem Fremden in ihr gemeinsames Zuhause zurückzukehren. Sie hat fürchterliche Angst.
Die Erinnerung lässt auf sich warten. Auch zu Hause. Peu à peu lernt die Frau ohne Gedächtnis die Charaktereigenschaften von Sina-Mareen kennen und ist, gelinde gesagt, entsetzt. Das, was sie von dieser Person erfährt, findet sie ausgesprochen grässlich. Sie lässt sich von ihrem Umfeld fortan nur noch Sina nennen, weil sie merkt, dass ihr heutiges Ich nicht mehr viel mit dieser Frau von vor dem Unfall zu tun hat.
Sie entdeckt, dass ihr Ehemann fast nicht mehr ihr Ehemann ist – geschockt stellt sie fest, dass sie die Scheidung eingereicht hatte. Etwas, was sie überhaupt nicht nachvollziehen kann, hat sie sich doch fast augenblicklich, als sie im Krankenhaus aus dem Schrank stieg, in Leander Hohwacht verliebt! Warum also ist die Ehe nur noch ein Scherbenhaufen? Und war ihr Unfall tatsächlich einer, oder wollte man sie loswerden?

Bekannte Orte und Menschen tun ihr Übriges dazu, dass es irgendwann zur lang ersehnten Erinnerungsexplosion bei Sina kommt. Doch die bringt nicht, wie erhofft, die Klärung aller Probleme. Im Gegenteil, alles scheint immer komplizierter und finsterer zu werden, bis sie irgendwann den Glauben an eine hoffnungsfrohe Wendung in ihrem Leben fast aufgibt …

Ein überaus spannendes Buch, das einen vom ersten Augenblick an fesselt. Glaubt man eben noch, alles zu durchblicken und alle Antworten auf bestehende Fragen zu haben, stellt man kurz darauf fest, dass doch alles anders ist.

Wer atemloses Lesevergnügen sucht, abschalten will vom Alltag und sich so richtig fallen lassen möchte in einen gelungen Plot, der sollte zu diesem Buch greifen.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 2012
  • Verlag: hansanord
  • ISBN: 978-3-940873-43-9
  • Gebunden: 288 Seiten

 

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3 Gedanken zu “Lesefutter für trübe Tage

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