Buchstäblich: Der Boss

978_3_99100_183_6[1]Derzeit ist er auf Welttournee mit seiner E-Street-Band, in Deutschland gab es zwei Konzerte, jeweils eines in Berlin und München. Bevor es zurück geht in die USA, das Land in dem er geboren wurde, stehen noch Konzerte in Gøteborg und Zürich an. Das angesetzte Konzert in North Carolina hatte er wegen eines allgemein als diskriminierend geltenden Gesetzentwurfes abgesagt und dafür nur Sympathien eingeheimst. So etwas kann sich nur einer leisten: Bruce Springsteen, auch bekannt als der Der Boss.

Der Boss war er nicht immer – in den Jahren von 1975 bis 1978 musste er sich diesen Titel hart erkämpfen. Wie es dazu kam, erzählt Philipp Hacker-Walton kenntnisreich und mitreißend in seinem gerade erschienen Buch Vom Aussenseiter zum Boss. Als Bruce Springsteen sich seine Songs zurückholte. Wie viele seiner Kollegen wollte Bruce Springsteen als junger Künstler nur eines: Musik machen, live spielen, vielleicht dabei Dampf ablassen – die Konzerte zeichnen sich durch Bruce‘ Energie und Ausdauer aus. Um Rahmenbedingungen kümmern, das soll sich ein anderer. Mike Apple, sein Manager, tut alles für den Erfolg, von dem er natürlich auch profitieren möchte. Er ist derjenige, der mit einer guten Portion Chuzpe nicht nur Türen für seinen Schützling und Freund öffnet, sondern regelrecht eintritt.

Im Herbst 1975 ist es soweit: Der große Durchbruch gelingt mit dem Album Born to run, auf dem nicht nur Mike Apple als Produzent aufgeführt ist. Es ist das erste Springsteen Album, bei dem Jon Landau mit produziert, was seine Folgen haben wird. Die Verträge, die Springsteen mit Apple vor Zeiten abgeschlossen hat, sind nicht eben günstig für den Musiker und da der langjährige Manager fürchtet, durch Landau ausgebootet zu werden, kommt es wie es kommen muss: Am Ende muss ein Gericht entscheiden, wie mit diesen Verträgen umzugehen ist.

Hacker – Walton ist ein kleines Kunststück geglückt, hat er doch eine Sachlage, die zunächst einmal eher trocken und unschön daher kommt in ein informatives, flott und spannend zu lesendes Buch gepackt. Dabei bleibt er immer sachlich und verleiht dem Leser dennoch das Gefühl, ganz nah dran zu sein. Er zeigt einen jungen Mann, der zwar musikalisch triumphiert, aber trotzdem unglücklich ist, weil er sich mit Dingen beschäftigen soll, die ihm komplett einerlei sind. Die Werbeabteilung seiner Plattenfirma legt sich mächtig ins Zeug und stellt ihn schon kurz nach seinem Durchbruch als das dar, was er einmal sein wird: ein Megastar. Damit aber kommt er überhaupt nicht zurecht, obwohl er natürlich Erfolg haben möchte. Ein Zwiespalt, den sicher viele Künstler durchleben und den Hacker – Walton sehr deutlich und dabei wertfrei darzustellen vermag. Man merkt, er ist Springsteen Fan und das schon lange, hat darüber hinaus aber nicht vergessen, was es heißt, journalistisch zu arbeiten.

Und gleichzeitig wird ganz klar, was einen erfolgreichen Künstler ausmacht: Sich von der einseitigen künstlerischen Sicht lösen zu können und auch die Seite der Medaille wahrzunehmen, die der Künstler an sich nicht so gerne hat. Die Vermarktung sichert nun mal den Lebensunterhalt und damit die Rahmenbedingungen, um musikalisch weiter machen zu können. Springsteen hat das im Laufe der Jahre 1975-78 erkannt und sich somit als Mensch und als Künstler weiter entwickelt.

Ein absolutes Muss für Springsteen – Fans und solche, die es werden wollen, ein informativ und flott zu lesendes Stück Vergangenheit für Musikbegeisterte.

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe: 09. Juni 2016
  • Verlag: Braumüller
  • ISBN: 9783991001836
  • Gebunden mit Schutzumschlag: 144 Seiten

 

 

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2 Gedanken zu “Buchstäblich: Der Boss

    • Ja, im September soll die erscheinen, unter dem Titel Born to run – wie sein Album, das ihm den Durchbruch verschafft hat 😉 Mal sehen, ich bin kein sooo großer Springsteen – Fan, aber interessant wäre es wohl schon, seine Sicht zu lesen. Aber ob das so spannend ist wie Keith Richards Bio Life? 😉

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