Eine andere Perspektive

Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah HarariWoher kommen wir und wohin wollen wir?

Yuval Noah Harari hat hier ein völlig drogenfreies, bewusstseinserweiterndes Buch zur Menschheitsgeschichte dargelegt.
Fast wäre es mir aufgrund des wirklich beschämend miserablen, ja erbärmlichen Lektorats entgangen. Zeiten, Beugungen, Grammatik, Rechtschreibung hier wurde so grandios gepfuscht wie ich es bis dato wirklich noch nie! erlebt habe. Ärgerlich, wenn das Buch nicht so gut wäre sollte man Schadenersatz verlangen. Glücklicherweise überwiegt die Faszination der Sammlung, die der Autor zusammengetragen und erdacht hat, die Lektoratssünden.
Die Entwicklung des Menschen, vom Tier zum vorausplanenden, abstrakt denkenden, empathischen Wesen mit dem Willen zum Streben nach Glück und den dazugehörigen Irrungen und Wirren ist einzigartig auf unserer Welt. Diese Sinnsuche, die Geschicklichkeit mit der wir diesen Aufstieg vollbracht haben fesselnd, besonders durch die Gedankengänge die Harari aufzeigt und verfolgt. Durch sein infrage stellen archäologisch wissenschaftlicher Schlussfolgerungen und „Erkenntnisse“ verleiht er seinem Werk eine viel ernstzunehmendere Tiefe als viele  andere Bücher mit derselben Thematik die davon leben und ausgehen, bereits der Weisheit letzten Schluss wiederzukäuen.


Befreiend auch, wie Harari schildert, wozu die menschliche „Herrschaft“ über diesen Planeten geführt hat. Unter anderem zur völligen Unterdrückung der von uns genutzten tierischen Mitbewohner. Was wir mit der Massentierhaltung veranstalten ist brutal und hat mich veranlasst wieder an meinen heißgeliebten Douglas Adams zu denken, der in seinem „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ – es war wohl im Band um das „Restaurant am Ende des Universums“ die sprechende Kuh erfand, die sich selbst als Fleischlieferant anpries und ihre schmackhaften Teile werbewirksam empfahl – der damals schon viel weiter war, als wir es heute sind.
So ist „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ auch ein gefundenes Fressen – bleiben wir doch bei diesen Begriffen – für Liebhaber der Science Fiction Literatur, speziell jener, die sich mit der Darstellung anderer Existenzwahrscheinlichkeiten, Welten, Evolution und Gesellschaftssystem befasst.
Dabei geht Harari ganz klassisch vor: Er beginnt mit der „Kognitiven Revolution“, die uns befähigte in größeren Gruppen zusammenzuarbeiten und Kultur erst ermöglichte, indem sie uns befähigte Informationen und Vorstellungen miteinander zu teilen und gemeinschaftlich zu handeln. Weiter geht es mit der „Landwirtschaftlichen Revolution“. Herrlich seine These, wie wir vom Weizen ausgetrickst und manipuliert worden sind. In die „Luxusfalle“ hineingetappt aus der wir bis heute nie wieder herausgekommen sind.
„Die Währung der Evolution ist weder Hunger noch Leid, sondern DNA. So wie sich der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens in Dollar auf einem Bankkonto messen lässt, so lässt sich der evolutionäre Erfolg einer Art an der Anzahl der vorhandenen DNA Moleküle messen. …So gesehen sind tausend Exemplare besser als Hundert. So funktioniert unterm Strich auch die landwirtschaftliche Revolution.: Sie ernährte mehr Menschen, wenn auch unter schlechteren Bedingungen. Warum…? …diese Frage stellt sich so nicht, denn niemand entschied sich bewusst für dieses Tauschgeschäft. …Die Menschen liefen in eine Falle….Die Luxusfalle. ….Der Traum vom besseren Leben fesselte die Menschen ans Elend.“

Dann widmet er sich der „Vereinigung der Menschheit“ um letztendlich in Teil 4 die „Wissenschaftliche Revolution“ unter seine speziell eingefärbte Lupe zu nehmen.
Das Ganze ist nicht immer standfest, aber seine Betrachtungsweise der Staaten und Imperien, ihrer Auswirkungen immer des reflektierens wert. Besonders mochte ich, speziell als Steuerzahlerin, die These von den mafiösen Schutzgeld erpressenden Staaten, die sich von früher bis in die Neuzeit erhalten hat. Dazu noch die, endlich einmal positive Sichtweise auf unsere heutigen Systeme. Harari schreibt erfrischend und umfassend.
Fazit: Eine kurze Geschichte der Menschheit – kurz ist allerdings irreführend, weil immerhin ein fetter,  500 Seiten Wälzer – ist für geistig flexible Menschen mit Fehlertoleranz, unbedingt eine Lesereise quer durch die Zeiten, Gesellschaftssystem und Entwicklungen durchaus wert. Bestes Hirnfutter! Für sensible Leser empfehle ich das Hörbuch. 😉

Buchdetails

  • aktuelle Ausgabe:  20. Februar 2015
  • Verlag : DVA
  • ISBN: 978-3-570-55269-8
  • Klappenbroschur: 580 Seiten

 

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