Götterdämmerung und andere ärgerliche Kleinigkeiten

9783608961348[1]Wer kann schon wunderbaren, verspielten, sprechenden Hunden, die alberne, sarkastische Kommentare von sich geben widerstehen? Ich nicht.

GETRICKST hat Kevin Hearne in Band vier der Chronik des eisernen Druiden  um Oberon, den Liebhaber französischer Pudeldamen, und den jahrtausendealten Protagonisten Atticus O’Sullivan nicht. Nach dem Cliffhanger in Band drei nimmt die Geschichte sofort rasant Fahrt auf.
Nachdem Atticus seinem Vampirkumpel Leif und anderen Bekannten zu Gefallen Rache an diversen Donnergöttern genommen hat und dabei, quasi als Kollateralschaden etliche Asen vernichtete, drohen ihm – Überraschung – erneut Ungemach und schmerzhafter Tod. Zudem ist er der Auslöser für den vorzeitigen Beginn Ragnaröks. Miese Aussichten.
Um sich dem zu entziehen verbündet er sich mit der Navajo Trickster Gottheit Coyote.
Dieser wiederum kocht gerne sein eigenes Süppchen und zwingt Atticus es für ihn auszulöffeln. Ungesunde Lebensweise, die schnell zu einem gewaltsamen Tod führen könnte.

Wie Atticus sich, seine Druiden Schülerin Granuaile und seinen Irischen Wolfshund Oberon vor dieser erneuten Bedrohung rettet, lässt Hearne ihn im vorliegenden Band erzählen.

Stilistisch und sprachlich einfach, locker, flockig zu lesen, durchsetzt mit etlichen witzigen Anspielungen wie z.B. auf die Monkey – Wrench – Gang, einer Würstchen Wette der Schlagfertigkeit zwischen ihm und Oberon und dem gewohnt cool flapsigen Erzählton macht das durchaus Spaß. Highfantasy ist es nicht, Götter und Mythen hat Neil Gaiman in American Gods schon genial verwurstet, das stört aber nicht, denn der sarkastische Protagonist ist auf gefälligere Art unterhaltsam als jene aus Gaimans Roman, dem er im Nachwort des dritten Bandes „Gehämmert seine Huldigung zuteil werden lässt:

„ … dann können wir beim Anblick von Neil Gaiman in Ultrastereo abkreischen.“

Hearne hat eine launige Urban Fantasy Reihe hervorgebracht – mittlerweile ist Band acht: Staked auf englisch erschienen – die, wenn man das Cover betrachtet, eine gänzliche andere Zielgruppe anspricht als Gaiman. Die Schreiberin dieser Zeilen zählt sich zur Schnittmenge. Abgesehen vom Cover. Damit bin ich nicht glücklich. Sicherlich ist es zielgruppengerecht und von der Marktingabteilung „irgendwie“ bewusst ausgetüftelt, doch dieser breitschultrige Jungkelte mit dem kleidsamen V – Ausschnitthemd und dem lockigen Prinz Eisenherzschnitt, dessen markant männliches Gesicht unter den vollen roten Lippen ein  – für mich – völlig indiskutables blondes Ziegenbärtchen ziert *schauder*. Kitschig und schwülstig, nicht zu Klett – Cottas Anspruch passend bin ich froh, dass es fast nicht hält was es verheißt. So ist unterschwellige Erotik vorhanden, doch der Autor und Atticus halten sich beide brav zurück. Dennoch verstecke ich das Cover beim Lesen in der Öffentlichkeit schamhaft unter einem neutralem Schutzumschlag. Ein Punkt für E Reader 😉 Mit dem alten Serienauftakt Cover war ich glücklicher.  Leider ist es vergriffen und die Cover der Neuauflagen … stilles Leiden.

Das von Stefan Kaminski gesprochene Hörbuch, ebenfalls mit dem Ursprungscover, hat meine Söhne begeistert. Druidenaction straight auf die Ohren hat was und ist generationenübergreifend. Dr. Frank N. Furters Zitat (tröstet über die peinliche Cover Unbill hinweg und spätestens wenn Oberon dann unterm Restauranttisch einen auf Audrey 2 macht und den umwerfenden Song aus Little Shop of Horror Feed me säuselt, ist alles wieder gut. Ästhetik scheint verhandelbar zu sein. 😉

So ist Getrickst  eine gelungene, rasante Fortsetzung der Chronik des eisernen Druiden. Der nächste Band darf gerne bei uns daheim einziehen. Positiver Lektüre Nebeneffekt ist, dass man neugierig wird auf die Sagen-, Mythen-, und Götterwelt, die der Autor in seiner Reihe verwendet und selbst weiter recherchiert. Vielleicht wird ja der eine oder die andere den Ursprüngen der Religionen nachforschen. Dass Hearne College Lehrer ist scheint abzufärben. Stoff und Ideen werden ihm wohl  nicht so schnell ausgehen, angesichts der Götter die noch in der Warteschleife stecken, nicht zu vergessen die Hexen, Vampire und Werwölfe, die sich in Atticus Welt herumtreiben. Auf die Fortsetzung von Oberons Kuschelkissenexperiment, bei dem ich Tränen gelacht habe, bin ich jedenfalls sehr gespannt. Sein vierbeiniger Charme ist umwerfend. Für mich ist Oberon der wahre Protagonist. Die Chronik des humorvollen Hundes hätte sich aber wohl weniger gut verkauft.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : Februar 2016
  • Verlag : Klett-Cotta
  • ISBN: 978-3-608-96134-8
  • Klappenbroschur, 384 Seiten

 

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