Von Dichtern, Bestattern und jungen unentschlossenen Frauen

tod in HollywoodDer junge Dichter Dennis Barlow, in England als kommender Lyrikstar der Nachkriegszeit gehandelt, lebt mittlerweile in Los Angeles. Die Filmindustrie hatte ihn gelockt und angeworben, doch nach kurzer Zeit auch wieder entlassen. So verdient er sein Brot nun in den Ewigen Jagdgründen, einem Bestattungsinstitut für von ihren Besitzern heiß geliebte aber verstorbene Haustiere. Nebenbei bleibt er der Lyrik, die zwar seine eigentliche Leidenschaft darstellt, treu, muss aber feststellen, dass die angenehme Atmosphäre Kaliforniens seinem Schreiben nicht zuträglich ist. Hatte er doch seine hochgelobten Gedichte, die die Basis seines anfänglichen Ruhms bilden, während des Kriegs und an eher unwirtlichen Orten verfasst.

Die britische Gemeinde rund um die Filmstudios von Los Angeles ist eine eingeschworene und so lebt Barlowe auch bei einem Landsmann, Sir Francis, der wiederum seit Jahrzehnten in der Filmindustrie tätig ist. Doch eines Tages, Knall auf Fall benötigt ihn diese nicht mehr und er wird arbeitslos. Ohne Aufgabe sieht er keinen Sinn mehr in seinem Leben. Barlowe findet ihn erhängt vor. Als wichtige Bezugsperson kümmert er sich nun darum, dass Sir Francis ein angemessenes Begräbnis und eine ebensolche Ruhestätte bekommt. Natürlich nur dort, wo alle ihre letzte Ruhe finden möchten: auf dem wunderbaren Gelände der Elysischen Gefilde

Evelyn Waugh hat die skurrile Geschichte um den früher gerühmten und nun erfolglosen jungen Dichter Dennis Barlowe, der sich das Herz einer jungen Dame namens Aimèe durch Gedichte erobert, die er zwar nicht selbst verfasst, gerne aber als die seinen betrachten lässt, 1948 geschrieben. Kurz nach dem Krieg wurde er nach Los Angeles gerufen. Man wollte Wiedersehen mit Brideshead verfilmen – ein Umstand, dem er nicht eben positiv gegenüber stand. Um sich die Zeit zu vertreiben, erkundete Waugh die Gegend rund um die Filmstudios und entdeckte den wunderbar gestalteten Friedhof, dem er mit den Elysischen Gefilden ein Denkmal setzte.

Das Gelände schildert er als äußerst einladend. Für jeden Geschmack gibt es die richtige Ecke, um die ewige Ruhe zu genießen. Es gibt sogar eine Insel namens Innisfree. Um sie zu erreichen, muss man ein Ticket lösen, um ein Boot zu besteigen, dass einen vom Ufer des mit Seerosen und Wasservögeln übersäten Sees zur Insel bringt. Als Dichter könnte man dort vielleicht sogar die richtige Atmosphäre finden, um das eigene Schaffen vorantreiben zu können:

“ ‚ … ich bin nur gekommen, um ein Gedicht zu schreiben. Ist das ein guter Ort dafür?‘

‚ Weiß ich nicht, Kumpel. Ich hab noch nie ein Gedicht geschrieben. Aber sie haben es recht poetisch hergerichtet. Es ist nach einem ganz berühmten Gedicht benannt. Und es gibt sogar Bienenkörbe. Früher hatten sie auch Bienen, aber die Leute wurden immer gestochen, deshalb erledigt man das jetzt mit einer schlauen Maschine. Kein roter Po mehr und jede Menge Poesie.‘ „

Und genau dort trifft Dennis wieder auf Aimèe Thanatogenos, die Sir Francis so vortrefflich für die Beerdigungsfeierlichkeiten „verschönert“ hat. Doch nicht nur Barlowe hat sich in die bezaubernde Aimée verliebt – sondern auch Mr. Joyboy, der den Verstorbenen, die er für Aimée „vorbereitet“ stets ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Letztendlich muss Aimée sich zwischen zwei Männern entscheiden – ob sie das schafft … sollte der geneigte Leser selbst herausfinden. Witz und Überraschung sind dabei auf jeden Fall garantiert.

Gedichte sind es, mit denen Dennis Aimées Herz erobert und diese Gedichte sind im Originaltext natürlich auch englische Originale. Und das wiederum stellt eine Neuübersetzung vor eine nicht ganz einfache Aufgabe. Ein Gedicht ist eigentlich nicht übersetzbar. Ganz genau so sieht das auch die Übersetzerin und hat deshalb die Gedichte ersetzt, damit der deutsche Leser auch selbst erkennen kann, dass Dennis sich mit fremden Federn schmückt. So geht Übersetzung – meiner Meinung nach. Ein großes Lob deshalb an die Übersetzerin, die den Mut hatte nicht zu genau am Text zu bleiben und dabei ein deutsches Pendant zu erschaffen. Eine mehr als geglückte Übertragung darf man da wohl guten Gewissens behaupten.

Evelyn Waughs Bücher sind Klassiker, um die man – kann man sich mit seiner teilweise schrägen Art Humor, dem bissigen Ton und der gerechtfertigten Gesellschaftskritik anfreunden – nicht herum kommt. Obwohl seine Romane und Erzählungen in der Zeit zwischen 1928 und 1957 verfasst wurden, sind sie aktuell wie eh und je und zur Lektüre wärmstens zu empfehlen.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 23. September 2015
  • Verlag : Diogenes
  • ISBN: 978-3-257-06947-1
  • Gebunden, 160 Seiten
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2 Gedanken zu “Von Dichtern, Bestattern und jungen unentschlossenen Frauen

  1. Liebe Bri,
    das ist so ein grandios-bissiges Buch, wegen dessen man Evelyn Waugh einfach gerne lesen mag. Ich habe es, glaube ich, schon dreimal verschlungen – es ist einfach auch so eine herrliche Satire auf Hollywood und den dort grassierenden Wahnsinn.
    Schön, dass ihr es hier vorstellt. Hat Diogenes da eine Neuübersetzung unternommen oder ist es die alte?
    LG Birgit

    Gefällt 1 Person

    • Ja, es ist großartig – obwohl es so schmal ist … er war ein Meister war Bissigkeit anging. Meine erste Begegnung war Wiedersehen mit Brideshead – und das hat mich nachhaltig von ihm überzeugt, obwohl das doch nicht so bissig ist. Es ist eine Neuübersetzung …
      LG, Bri

      Gefällt mir

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