Jesus Jackson – Was glaubst du denn?

1432212655„Jesus Jackson: Spiritueller Berater
Hundertprozentige Glaubensgarantie!
Bei Anruf erhalten sie umgehend einen
UNVERBINDLICHEN KOSTENVORANSCHLAG!“

Jesus Jackson, lange strohbraune Haare, struppiger Bart, hagere Statur, klare strahlende Augen, weißer Leinenanzug, glänzende Lackschuhe und hellrosa Discohemd mit Button – Down – Kragen aus dem ein Büschel flachsblonder Brusthaare, umschmeichelt von einem fetten Goldkettchen, hervorlugt, trifft auf dem Footballfeld Jonathan Stiles, der mit seinen vierzehn Jahren bereits unglücklich und vom Leben angewidert ist und dessen bewunderter Bruder Ryan soeben das Zeitliche gesegnet hat und seinen Anfang an der ihm unsympathischen Highschool dadurch noch unschöner machte, als er es sich bis dahin bereits vorstellen konnte.

Schnoddrig, trotzig und rotzig erzählt Jon seine Geschichte. Seine Wut, seine Trauer springt einen aus dem Buch direkt an. Er hat niemanden, dem er sich anvertrauen kann. Sein einziger Vertrauter kam unter ungeklärten Umständen ums Leben und er muss feststellen, dass er ihn gar nicht so gut kannte wie er dachte. Noch dazu erdrückt ihn die Anteilnahme der anderen. Sie widert ihn an. Die Heuchelei der Erwachsenen, die gespielte Betrübnis, die verwirrten Mitschüler, die mit einem solch frühen Tod konfrontiert nicht umzugehen wissen und ihn mit unerwünschter Aufmerksamkeit überschütten, während sie Ryan zum Heiligen stilisieren. Dazu noch sein distanzierter Vater, die vom Katholizismus durchdrungene Mutter, die seit Jahren versucht, ihren Söhnen diesen Glauben aufzuzwingen und sie dadurch verlor.
Jon glaubt an nichts und genau hier tritt Jesus Jackson ins Verwirrspiel um Mord, Tod und den Glauben. Nur welcher ist der richtige? Wie kann man glauben ohne Beweise? Geht das überhaupt? Müssen alle dasselbe glauben? Bis der unangepasste Individualist Jon seinen „Glauben“ findet, etwas woran er glauben kann, besonders jetzt nachdem er diesen sinnlosen frühen zufälligen Tod seines Bruders verarbeiten muss, hat er einen schwierigen Weg vor sich.

James Ryan Daley schildert überzeugend und ergreifend, wie ein zutiefst verstörter  Jugendlicher Zugang zu seiner Trauer und wieder zurück ins Leben findet. Einfühlsam und authentisch charakterisiert er seinen Protagonisten der in wirren Ideen und Handlungen agiert, wütend um sich keilt in seiner Verzweiflung auf der Suche nach dem, was er für die Wahrheit hält.

Die Sequenzen, in denen er im Rückblick mit seinem Bruder die Religionen zerpflückt und Zwiesprache mit dem fiktiven Jesus Jackson hält, sind mit die stärksten im Roman, der die Erlebniswelt eines kritischen und enttäuschten Vierzehnjährigen packend und überzeugend widerspiegelt. Die dem Rest „magischen Denkens“ entsprungene Figur des Jesus Jackson, der sich vom spirituellen Berater zum  unsichtbaren, wenn auch nervigen, weil unkonventionellen Freund wandelt und somit die Rolle des beratenden Über – Ich in dieser dramatischen Zeit übernimmt.

„“Und was verdammt nochmal hättest du gesagt, wenn mir was passiert wäre?“ „Nun ja“, meinte Jesus, beugte sich über das Geländer und blickte mir fest in die Augen. „Dann hätte ich gesagt, dass es einen Versuch wert war. Und das es sich immer lohnt, voller Vertrauen einen großen Schritt zu wagen. Denn ob du nun auf den Füßen oder auf dem Gesicht landest, zumindest weißt du danach, was auf der anderen Seite ist. Zumindest kennst du die Wahrheit.“

Man könnte sage,n die Macht ist mit ihm, also mit Jon und sie ist zusätzlich verwirrend für ihn, bis sie zur Erleuchtung wird, denn das ist es, was ihm zuteil wird, was nebenbei, auch ein gutes Jugendbuch ausmacht. Impulse zu setzen, aber auch genug Raum zu lassen, um zum Weiterdenken anzuregen. Diese Kriterien für gute Jugendliteratur sind zu erweitern um Humor: vorhanden und Spannung: bis zu Schluss, alles dabei. Ebenfalls stark an diesem Roman ist auch – und das hat wohl viele weibliche Leserinnen enttäuscht – seine „Jungstauglichkeit“. Der männliche Protagonist, die Action und die machös coole Schnoddrigkeit, hinter der Jon all seine Verzweiflung und Verletzlichkeit zu verbergen versucht, machen Jesus Jackson zu einem amüsanten und bereichernden Leseerlebnis.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 17. Juli 2015
  • Verlag : Magellan
  • ISBN: 978-3-7348-5015-8
  • Gebunden, 304 Seiten

 

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