Zwischen den Spiegeln – verloren

Der AufbruchLange habe ich gewartet, über zwei Jahre, nun hielt ich ihn in Händen, den dritten und letzten Band, der so fulminant begonnenen und weitergeführten Mystery-Thriller Reihe um die in den Südstaaten der USA gelegene Stadt mit dem sprechenden Namen Niceville. Dass alles nicht ganz so nett dort ist, dass es unter Oberfläche mächtig brodelt hatte Carsten Stroud in den Vorgängerbänden sprachlich auf höchstem Niveau und inhaltlich trickreich klar gemacht.

Der letzte Band der Reihe, der alle Fäden aufnehmen, Andeutungen klar machen, Zwischenebenen aufdecken und zu einem krönenden Abschluß werden sollte, zeigt leider in sehr deutlicher Weise, wie sehr ein fremdsprachliches Buch auch von den Qualitäten seines Übersetzers profitieren kann oder muss. Im vorliegenden Fall ging da etwas gründlich schief. Was genau ist mir nicht klar. Aber so, wie ich versuchte, in Niceville nicht zwischen den Spiegeln verloren zu gehen, so versuche ich hier, herauszufinden, was passiert sein könnte. Denn die hohen Erwartungen, die ich mir gemacht hatte, wurden leider nicht erfüllt. Trotzdem möchte ich nicht sagen, dass Die Rückkehr mich komplett enttäuscht hat.

Aber vielleicht beginnen wir am Anfang.

Die beiden Vorgängerbände glänzten vor allem durch einen rasanten fesselnden Einstieg und zogen den Leser ohne Wenn und Aber in die Mysterien von Niceville hinein. Die Figuren waren greifbar und wurden zu treuen Begleitern. In Der Aufbruch ist von einem raschen Aufbruch zu Beginn jedenfalls nicht viel zu spüren. Die gewohnt pointierte Sprache fehlt, der Text wirkt schwerfälliger als in den Vorgängerbänden und damit bewegt sich alles in diesem Buch langsamer und zäher. Hat man sich eingelesen, entwickelt sich die Geschichte zwar und es blitzt hin und wieder etwas von der gewohnten Niceville-Atmosphäre auf, doch die bleiben die bisher so einzigartig gezeichneten Figuren blass. Sie werden nebulös, verschwinden zwischen den Spiegeln und scheinen des Treibens um sie herum müde geworden zu sein.

Der Lesefluss kommt langsam in Gang, doch ab und zu staut er sich an. Zu genaues Lesen hält ist auf. Pellegrino war doch ein Wasser oder? Wenn da eine Flasche auf dem Tisch steht, weshalb trinkt der Protagonist dann einen Pellegrino?  …

Mancher würde jetzt sicher sagen, es ist kleinlich solche Dinge anzumerken, das mag sein. Aber ich kann oder besser mag mir einfach nicht vorstellen, dass ein Autor, der zwei solch geniale Vorgängerbände vorzuweisen hat, plötzlich und unerwartet seine sprachliche Treffsicherheit verliert. Hier kommen sicherlich unterschiedliche Umstände zum Tragen und teilweise jammere ich in diesem Fall auch auf ganz hohem Niveau, denn unterhalten hat mich die Lektüre im Großen und Ganzen schon. Nur hätte ich mir eben noch mehr erwartet.

Wohin die Reise inhaltlich gehen sollte, lag für den mitdenken Leser auf der Hand: Mystisch-mythische Legenden der Ureinwohner Nicevilles und Umgebung – entstanden auch durch die besondere geologische Lage und Formung – sollen das häufige Verschwinden von Menschen klären. Die Fäden die da lang gesponnen wurden, am Ende verknüpft werden. Das werden sie zum Teil auch, aber gerade das Ende wirkt wie mit zu heißer Nadel gestickt.

So kann ich nur zu meinem tiefen Bedauern sagen: Ich hätte gerne noch länger auf den Abschluss gewartet, wenn dadurch ein stimmigerer und den beiden ersten Bänden ebenbürtiger dritter Band gefolgt wäre.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 16. November 2015
  • Verlag : DuMont Buchverlag
  • ISBN: 978-3-8321-9805-3
  • Gebunden, 544 Seiten

 

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3 Gedanken zu “Zwischen den Spiegeln – verloren

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