Zeichnerhölle

katharsisKatharsis

(Läuterung der Seele als Wirkung des (antiken) Trauerspiels.)

Die Geschichte des Karikaturisten Luz, der am 7 . Januar 2015 verschlafen hat und infolgedessen zu spät zur Arbeit kam.

„Eines Tages ist mir das Zeichnen abhanden gekommen, am selben Tag wie auch eine Handvoll teurer Freunde.“

Die Bilder, die nach dem Anschlag irgendwann wieder kamen ergänzen sich mit den Wörtern in diesem Album der Trauer, Wut und Traumaverarbeitung zu Luz’ sehr persönlichem Horror. Ergreifen, packen einen und lassen den Betrachter mittrauern und wüten. Luz‘ „Kloß im Hals“ der variabel in alle möglichen Körperregionen schlüpfen und sich verstecken und festsetzen kann ist allgegenwärtig und greift über auf den Leser. Die Täter, ihre Beweggründe interessieren nicht. Zu abstrus, um sie zu beachten. Eine Manifestation aus Dummheit und Geltungssucht und mörderischer Brutalität. Die Leidtragenden, ihre Angehörigen, ihre Unterstützer, die versuchen ihnen wieder einen Weg ins Leben zu ermöglichen, diesen Kampf, den es trotz furchtbarer Verluste zu schlagen gilt. Das ist es, was Luz hier in Bilder und Worte fasst, in seiner eigenen Geschichte, wie er  aus all diesem Leid und Irrsinn heraus hin zu Liebe und Hoffnung zurückfand. Das macht die Welt nicht heil, wie auch? Aber es trägt Hoffnung in sich.

Mit Stephen Kings Zitat aus Shining, am Anfang des Buches:

„Die Welt ist grausam Danny.

Sie schert sich nicht um uns.

Sie hasst uns nicht, dich und mich,

aber sie liebt uns auch nicht.“

ist genug gesagt. Auch das Album muß nicht mehr interpretiert werden, es reicht die Bilder und Luz Erfahrungen auf sich wirken zu lassen um in etwa nachvollziehen zu können, was diese Tragödie auslöste und lebenslang immer wieder auslösen kann oder wird.

Dass sich der Ursprung von Luz’ Geschichte nun in Paris wiederholt hat, viele Angehörige die gleiche Scheiße durchmachen müssen, ist so sinnlos, brutal und dumm.

Luz hat hier seine ganz privatime Hölle und den Weg aus ihr heraus dargelegt. Seine Seele bloßgelegt, wenn man das von einem überzeugten Atheisten so sagen darf. Seine Verluste, nicht nur an geliebten und geschätzten Menschen, an Vertrauen in die Welt und das Leben werden für immer Teil seiner Biographie sein, mal mehr, mal weniger präsent. Der „Kloß“ verschwindet nicht.

Mehr gibt es zu diesem Album nicht zu sagen. Ich denke es wirkt auf jeden Leser individuell. Es ist ein persönliches Buch, in dem Luz seinen Umgang mit diesen Vorfällen darlegt und berührt doch dabei jeden Leser auf ganz persönliche Art.

Für mich war es Trauerarbeit, denn durch diese Schwachsinnstaten wurde der Welt ein klein wenig vom Geiste dessen genommen, was John Lennon in seinem Song „Imagine“ beschrieb.

Kurzfristig! Dieser Geist ist regenerativ, wenn man es zulässt.

Auch das habe ich aus Luz‘ Zeichnungen herausgelesen. Insofern trifft der Titel punktgenau und macht bei aller Trauer und Verzweiflung die Welt auch anderer Menschen ein wenig heller.

Danke dafür!

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 24. September 2015
  • Verlag : S. FISCHER
  • ISBN: 978-3-10-002498-5
  • Gebunden, 128 Seiten

 

 

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