Roter Mars

Der Mars ist, von der Sonne aus gesehen, der vierte Planet im Sonnensystem. Wegen seiner geringen Dichte ist die Schwerkraft nur etwa 35% der irdischen. Trotz der lebensfeindlichen Atmosphäre, hat der Mars viele Menschen, gerade wegen seiner roten Farbe, fasziniert. Seinen Namen erhielt er von dem römischen Kriegsgott Mars. Die Landmasse ist etwa so groß wie die der Erde, aber Anzeichen von Leben wurden nie gefunden. Durch die Bahnexzentrizität des Mars schwanken die Temperaturen zwischen -133 und +27 Grad.

„Mineralisch – nicht animalisch oder vegetabilisch oder von Viren bestimmt. Das hätte passieren können. Es geschah aber nicht. Es gab nie eine Urzeugung aus dem Schlamm oder den schwefelhaltigen heißen Quellen. Keine Spore fiel aus dem Weltraum herunter, keine Berührung eines Gottes. Was auch immer Leben hervorbringt (wir wissen nicht, was), auf dem Mars geschah es nicht. Der Mars umkreist die Sonne als ein Beweis für die Andersartigkeit der Welt, für ihre steinige Vitalität.“

Im Jahre 2026 startet ein aus ehemaligen Schiffsresten gebautes Raumschiff namens ‚Ares‘ mit 100 Auserwählten zum Mars. Diese ‚ersten Hundert‘, wie sie sich später bezeichnen, wurden in einem langen Auswahlverfahren nach wissenschaftlichen und psychologischen Aspekten ausgewählt. Viele Länder sind vertreten, wobei Amerika und Russland die meisten Abgesandten bilden. Jedes Kapitel ist aus er Sicht einer anderen Person geschildert und bildet somit reizvolle neue Eindrücke in die Geschichte, zusätzlich werden die Charaktere der Personen dadurch entscheidend vertieft.

Nachdem die ersten Siedlungen aufgebaut wurden, mit den üblichen Problemen einer lebensfeindlichen Welt, spricht sich die Erde für eine Terraformung aus, doch hier regen sich Widerstände bei den Wissenschaftlern:

„Wir alle werden das sagen. Wir alle werden losgehen und den Planeten sicher machen. Straßen, Städte. Neuer Himmel, neuer Boden. Bis das alles ein Teil von Sibirien oder den amerikanischen Nordwestterritorien ist. Der Mars wird dahin sein, und wir werden hier sein und uns wundern warum wir uns so leer fühlen. Wenn wir das Land anschauen, werden wir niemals etwas anders sehen können als unsere eigenen Gesichter.“

Die Schönheit des Mars ist einzigartig sagen sie, die Umwelt des Mars muss so erhalten bleiben wie sie ist, solange nicht bewiesen ist, dass es kein ‚Marsleben‘ gibt.

„Eine Welt, wo die Geländeformen hundertmal größer sind als ihre Entsprechungen auf der Erde und tausendmal älter; in der überall Hinweise auf den Anfang des Sonnensystems verstreut sind, ebenso wie die ganze Geschichte des Planeten, kaum verändert während der letzten Milliarden Jahren. Und ihr macht euch daran, das alles zu vernichten. Ohne euch ehrlich einzugestehen, was ihr da eigentlich tut.“

 Mit der Veränderung des Mars gehen auch wirtschaftliche Interessen daher, zumal die Ressourcen auf der Erde begrenzt sind. Die sieben wichtigsten transnationalen Konzerne haben sich zusammengeschlossen, und versuchen über die Politik den Mars an sich zu reißen. Geld ist Macht. Macht macht Politik. Politik macht Gesetze. Die als reine wissenschaftliche Expedition ausgesandten Personen müssen sich in unbequeme Rollen als Politiker bewähren, gerade John Boone und Frank Chamlers spielen dabei eine große Rolle.

„Wir betreiben nicht reine, sondern angewandte Forschung, verstehst du? Und mit der Entdeckung strategisch wichtiger Metalle ist das deutlich geworden. Jetzt kommt alles zurück, von dem wir dachten, dass wir es hinter uns gelassen hätten: Besitztitel, Preise und Löhne. Das ganze Profitsystem.“

Der Kontakt mit den Geschäftsleuten zeigt aber auch die tiefe Verachtung des Autos Kim Stanley Robinson, als Wissenschaftler, vor den Geschäftsleuten.

„Die Schwäche von Geschäftsleuten war ihr Glaube, dass mit Geld alles machbar war. Sie arbeiteten vierzehn Stunden täglich, um genug davon zu verdienen, damit sie Autos mit Lederausstattung kaufen konnten. Sie hielten Besuche in Spielcasinos für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Kurzum – Idioten.“

Die Dinge auf dem Mars eskalieren, nachdem die Zuwanderung steigt, die Probleme der Erde werden ‚miteingewandert‘ und die Geschichte wiederholt sich.

Roter Mars ist der erste Teil einer Marstrilogie, wobei jeder Roman entweder den Hugo oder den Nebula Award bekommen hat. Die Titel, Roter, grüner und blauer Mars zeigen wohin die Reise geht, nämlich die Terraforming des Mars. Die Farben rot, grün und blau sind auch die Farben der Marsflagge.

Kim Stanley Robinson ist mit dem ersten Teil der Trilogie (der schon 1992 herauskam) ein wissenschaftlich interessanter Roman gelungen, der sich intensiv mit den Problemen einer Besiedlung des Mars befasst. Dabei zeigt er auch die psychologischen Aspekte die während dieses langen Fluges zum Mars und der vorherrschenden Enge auftreten. Die Landschaftsbeschreibungen sind einzig- und fremdartig, man fühlt sich sofort direkt in die Szenerie hineinversetzt. Was Robinson nicht kann, ist Spannung in der Handlung aufzubauen, was gerade am Ende des Buches spürbar, wo die Charaktere doch etwas hölzern durch die Geschichte stolpern.

Insgesamt aber ein unverzichtbarer Roman für Science Fiction Liebhaber, mit einem realistischen Aufbau der Zukunft.

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe : 12. Oktober 2015
  • Verlag : Heyne
  • ISBN: 978-3-453-31696-6
  • Paperback: 816 Seiten
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6 Gedanken zu “Roter Mars

  1. Menno, guter Stoff mit langweiligen, hölzernen Figuren, mit den Zitaten hatte das Buch mich bereits im Sack aber zu ist er noch nicht. Was meinst du. Ist es humorfrei und dennoch zu ertragen?

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    • Es sollte Pflichtlektüre für solche Projekte sein. Kim Stanley Robinson hat die Probleme und Sorgen mit denen sich zukünftige Marsreisende herumschlagen müssen genaustens geschildert.

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