Hap and Leonard – Das Dixie – Desaster

Lansdale-Dixie_Desaster_150Mit großem Bedauern habe ich den mittlerweile vierten Band – in nichtchronologischer Reihenfolge – von Joe R. Lansdale in Texas spielender Hap & Leonard Reihe beendet. Besonders groß, weil diese herrlich schwarzhumorige Trash – Krimi Noir – Reihe jetzt warten muss bis ich wieder kostengünstig an die nächsten Teile rankomme. Bei Krimis mag ich oft nicht kaufen, da sie nicht zur Regalsollbruchlast führen sollen und der Wiederlesewert doch recht mau ist, wenn man sie einmal gelesen hat. Daher bin ich der Stadtbibliothek meines Vertrauens ausgeliefert, die zwar Leserwünsche oft prompt erfüllt, aber eben nicht sofort, wenn die akut drängende Lesegier besteht.

Mit Band 1 „Wilder Winter“ brach die Suchtoffensive aus.

Hap Collins: weiß, hetero, Studienabbrecher wegen Gefängnisaufenthalts; Leonard Pine: schwarz, schwul, Vietnamveteran, Kommunistenhasser, beide schlagen sich als Gelegenheitsarbeiter mit miesen Jobs durch, pflegen ihre harte Macho-Freundschaft und ihre versteckt sensiblen Seelen…

Sie besitzen brachiale Kodderschnauzen. Political Correctess ist nicht ihre Welt. Es gilt, um jeden Preis Coolness zu demonstrieren und allzeit dicke Eier. Dies geht stark zu Lasten der ihnen eigenen Intellektualität. Sonderlich helle sind die zwei Helden wahrlich nicht. Dafür sympathisch und schlagerprobt. Hap kann zudem noch gut mit Knarren. So gewappnet stellen sie sich allem Unbill in den Weg. Viel Unbill, grundsätzlich. In jedem ihrer Abenteuer hauen sie der Zufall und ihre innerste Wesensart derart in die Pfanne, dass geneigte Leser –  die besser auch Tarantino-Fans sein sollten – ihre wahre Freude an den actionreichen Schlachten haben, die mit allem was an Waffenarsenal gerade zur Hand ist geschlagen werden. Nebenbei philosophiert Hap immer gerne ein wenig. Möchte er doch eigentlich schlicht sein Leben an der Seite einer liebevollen Frau verbringen und sich sein kleines privates Nest schaffen.

Liest man die Eingangszitate der Bücher, so ist jedem Buch eines vorangestellt, das den Nagel, beziehungsweise den Inhalt, die Handlung auf den Kopf trifft.

Bei „Wilder Winter“ sind es zwei. Einmal Saul Bellow: „Wenn der Bedarf an Illusionen groß ist, kann eine Menge Intelligenz in Ignoranz investiert werden.“

und zum zweiten Mark Twain aus „Querkopf Wilson“:“Setze alles auf eine Karte und spiel sie im richtigen Moment.“

Grundthema aller Bände ist die Frage nach Moral in unmoralischen Zeiten und Zuständen. So auch bei „Das Dixie – Desaster“ , wobei  anstelle von Desaster auch Massaker im Titel hätte stehen können. Wenn ich es recht überlege, sollte eigentlich am Ende eines jeden Hap & Leonard Romans stehen:

Mit freundlicher Genehmigung der National Rifle Association.

BESONDERS  beim „Dixie – Desaster“!

Fängt es noch südstaatlich träge an:

„Ich hatte mir schon länger keine Kugel mehr gefangen, und seit einem Monat oder zwei hatte mir niemand mehr auf den Kopf gehauen. Das war fast ein Rekord, und so langsam bekam ich das Gefühl ich wäre was Besonderes. Im ersten Stock unserer kleinen Bude, wo wir zur Miete wohnten, lagen Brett und ich gerade keuchend im Bett. Wir hatten die Ziellinie eines heißen trägen Rennens überquert, das manchmal wie ein Wettkampf wirkt, aber wenn man es richtig anstellt, fühlt sich dabei auch der als Sieger, der als Letzter eintrudelt. In diesem Augenblick war das Leben schön. Brett setzte sich auf, knuffte sich ihr Kissen im Rücken zurecht und strich sich das lange blutrote Haar aus dem Gesicht. Dann reckte sie die Brust vor, sodass ich mir wie der größte Glückspilz aller Zeiten vorkam, und sagte: „das hat so richtig Spaß gemacht – fast wie damals, als ich dem rothaarigen Liliputaner eins mit der Knarre übergebraten hab.“

so bleiben die unvermeidlichen, träge rollenden Steine nicht aus, ein kleiner „Stein“ reißt Hap aus der glückseligen Trägheit und die Lawine rollt bald darauf gewaltig an. Nach einer kleinen Freundschaftsgefälligkeit erweist sich, das Hap & Leonard sich wieder einmal mit den Falschen angelegt haben. Die hiesige Texas – Mafia fühlt sich arg auf den Schlips getreten und  fährt schwere Geschütze auf. Das FBI mischt nebenbei mit und wieder scheint es, als hätten Hap & Leonard keinerlei Überlebenschancen. Doch wenn sie etwas beherrschen, dann Überleben. Womöglich.

Sollte jetzt noch jemand Lust verspüren, diese beiden schrägen Brüdern im Geiste bei ihren blutig, brutalskurrilen mucho Macho Abenteuern Gesellschaft zu leisten – anders als bei den liebevoll beschriebenen Nebenfiguren –  welche meist ein mörderisches verfrühtes Ableben hinnehmen müssen – ist das Lesen abgesehen vom Suchtpotential ungefährlich. Viel Vergnügen dabei! Ich hatte es und freue mich schon auf die weiteren Bände die Joe R. Lansdale seinen Fans gönnt. Ihnen gilt auch die Widmung eingangs der kurzweiligen Südstaaten Krimis:

„Für alle Hap & Leonard Fans. Danke ihr Spinner!“

Herzlichen Dank zurück Mr. Lansdale. Bitte weitermachen!

Zur Info:

Mit meiner Begeisterung für diese literarische Neuentdeckung stehe ich nicht ganz alleine da. So wurde Joe R. Lansdale bereits mit dem British Fantasy Award, dem American Horror Award, dem  Edgar Allan Poe Award und nicht weniger als 7 Bram Stoker Awards ausgezeichnet. Nebenbei kassierte er noch den Herodotus Award für den besten US-historischen Erstling. Auch gilt es den Hut zu ziehen vor der Übersetzerin Heide Franck, deren Aufgabe sicherlich nicht einfach war , dafür aber bestens gelöst wurde. Im direkten Vergleich – wobei ich, da ich die englischen Originale nicht gelesen habe nicht beurteilen kann, ob der Autor sich steigerte, oder es an den Übersetzern liegt – sind die von  der von ihr übersetzten Bänden die besten der Reihe. Aus der Sprache des knallharten Underdog-Machismos den Subtext so scheinbar mühelos herauszuarbeiten und dabei noch Stil zu bewahren, ist keine geringe Kunst.

Für Freunde der Ordnung hier die chronologische Reihenfolge der dt. Ausgaben von Hap & Leonard:

1 Wilder Winter; 2 Texas Blues (Neuauflage „Mucho Mojo“);

3 Mambo mit zwei Bären; 4 Schlechtes Chilli,; 5 Machos und Macheten; 6 Das Dixie Desaster

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 10. März 2015
  • Verlag : Golkonda Verlag
  • ISBN: 978-3-944720-65-4
  • Klappenbroschur, 250 Seiten

 

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7 Gedanken zu “Hap and Leonard – Das Dixie – Desaster

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