Schwarzgelbes Leiden

Rinke_DasSpiellesen_U1.inddBorussia Dortmund ist der Verein in der Bundesliga, welcher den zweitgrößten Marktwert der Spieler besitzt (Stand heute) und auch im Ranking der Etats regelmäßig vorne liegt. Dortmund hat das größte Stadion in der Bundesliga (81.359 Zuschauer) und ist seit Jahren in der Championsleague vertreten. Demzufolge sind die Erwartungen der Fans gestiegen und seit Jürgen Klopp Trainer bei Borussia Dortmund war, ist der ‚Spaßfaktor‘ bei Spielen enorm gestiegen. Doch was ist plötzlich in der Saison 2014/15 mit dem Traditionsverein los? Gerade noch Supercupsieger gegen Bayern München, aber in dem darauffolgenden ersten Teil der neuen Spielzeit klebt das Pech an den Fußballerstiefeln.

Zufällig fiel diese Spielzeit mit einem interessanten Buchprojekt zusammen. Die Autoren der Autorennationalmannschaft (ja so etwas gibt es tatsächlich und die haben auch die Europameisterschaft gegen die Türkei gewonnen) sollen bei jedem Heimspiel der Borussen dabei sein und einen kurzen Text schreiben. Das Resultat liest sich wie ein Leidensweg, diese verrückte Saison, die ihren Tiefpunkt mit der Heimniederlage gegen Augsburg (Platz achtzehn – Letzter!) hat und mit einem doch letztendlich glücklichen Ausgang die Borussen Herzen weiterschlagen lässt.

Nicht dass jetzt jeder Autor Borussen-Fan ist, nein, die ganze Liga ist vertreten in ihren Autoren-Fußballerherzen, aber alle spüren, was diesen Verein so ausmacht:

„Und weil die [die Pfiffe] für ein paar grundsätzliche Werte stehen, die in der heutigen Fußballwelt mit ihren Beratern, Lobbyisten, globalen Konzernstrukturen, obszönen Transfersummen und zynischen Spielergehältern mindestens so viele Tritte abbekommen wie die Sterne auf Dortmunds Walk of Fame. Ich meine, und hier abschließend mal den Pathosregel auf Orkanniveau hochgezogen: Traditionsbewusstsein, Vereinsverbundenheit, Treue.“

Die gelbe Wand (wie die Kurve der Borussenfans auch genannt wird) verzeiht ihren Lieblingen vieles, kein böswilliges Zischen, Pfeifen oder andere Missfallbekundungen ertönen, als die Borussia ihren Gang in den Tabellenkeller antritt, der echte Borussenfan leidet still und geht das nächste Mal wieder ins Stadion. Borussia Dortmund ist anders:

„Die Fans standen zu ihrem Team. Das ist insofern bemerkenswert, als es in Hamburg, Schalke, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt, Köln und anderswo bei Krisen immer wieder zu Fanprotesten kommt und ein neuer Präsident Trainer, Manager, Koch, Busfahrer, Zeugwart gefordert wird. Es macht sich eine Mentalität breit, in der Fans glauben, sie hätten ein verbrieftes Recht auf Siege. Dir gefällt dein Tabellenplatz nicht? Na, dann beschwer dich!“

Auch wenn so manche kleine psychologischen Tricks sich nicht von anderen Mannschaften unterschieden:

„In der Kabine des Gegners steht dafür die Null. Kein Fön.“

Die glorreiche Vergangenheit wird natürlich auch gewürdigt. Ein Museum gibt es auch!

„Das Borusseum ist ein solch ‚berührender‘ Ort, an dem man stundenlang Vitrinen streicheln könnte. In Dortmund lebt die ganze Stadt den Fußball – hier schlägt das Herz der Menschen scharzgelb. Logisch, dass es für die Geschichte des BVB ein eigenes Museum geben muss!“

Und der Borussenfan kann sich an viele bewegende Momente erinnern, wie z.B. 1966 der Gewinn des Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Liverpool durch ein kurioses Bogenlampen-Abprall-Tor von Stan Libuda. Dabei hatte die Gründung des Vereins 1909 der Kirche nicht gefallen:

„Am 19. Dezember 1909 treffen sich mehr als 40 Mitglieder einer katholischen Jugendgruppe in der Kneipe ‚Zum Wildschütz‘. Von der Kirche wurde ihnen das Fußballspielen untersagt, so dass sie zur offiziellen Ausübung ihrer Leidenschaft einen Verein gründen wollen. Bis zuletzt versucht ein katholischer Kaplan dies zu verhinden – aber will ihm in ‚tumultartiger Szene‘ der Zutritt zur Versammlung verwehrt werden kann, gelingt die Vereinsgründung. Was für eine Geburt.“

Die Autoren der Texte hatten Einblick in viele internas des Vereins und haben dies dem Leser nähergebracht. Der schwarzgelbe Verein, der eine schwere Saison hinter sich gebracht und einen strahlenden Helden verloren hat. Der Abschied von ‚Kloppo‘ war dann eine der berührendsten Momente dieses Jahres.

Ein auch optisch gelungenes Fußballbuch mit vielen Zeichnungen und unterschiedlichen Texten, die alle aber das große Herz dieses Fußballvereines würdigen. Nicht nur für Fans!

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe : 21. August 2015
  • Verlag : Blumenbar
  • ISBN: 978-3-351-05025-2
  • Gebunden: 240 Seiten
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3 Gedanken zu “Schwarzgelbes Leiden

  1. Fußball…*stöhn* …in den Nachrichten, im Radio, in der Presse und jetzt auch noch aufm Blog. Mich nervts. Ich fordere, dass wenigstens die Vereine den verdammten Polizeischutz und Aufwand aus eigener Tasche zahlen. Sorry, das musste grad ungefiltert so raus, nachdem am heiligen Samstag auch noch Fußballzeugs zu lesen war…nichts gegen dich und nix für ungut aber Fußball nervt mich fast genauso wie die vermehrt auftretenden christlichen Verbalblähungen im Radio …und ja, danke jetzt gehts wieder besse😎

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