Ethik ist wichtiger als Religion

der-appell-des-dalai-lama-buch-coverDer Appell des Dalai Lama an die Welt – Ethik ist die neue Religion

Eine mitreißende und ergreifende Rede, des achtzigjährigen Friedensnobelpreisträgers, des Dalai Lama, der als Wiedergeburt Tensinresis, des „Buddha des Erbarmens“ gilt.

Sie beinhaltet nicht weniger als die Möglichkeit des weiteren Überlebens des Homo Sapiens auf dieser Erde. Auf fünfeinhalb Seiten zeigt er auf, wie die Probleme dieser Welt zu lösen wären, ausgehend vom Willen unserer Rasse nach Veränder- und besonders Besserung.

Hagen Rether, von mir hochgeschätzter Kabarettist – und ich vermute auch Atheist –  bezeichnete das geistige Oberhaupt der Tibeter gerne  – einst in seinem Programm Liebe 4 – als „Knutschkugel“. Das sei ihm verziehen. Zieht er doch in eben diesem Programm Rückschlüsse darauf, welche Physiognomie 80 Jahre Menschenliebe dem Ratzigerpapst beschert haben …

Apropos Papst. Mit Franziskus, dem neuen Papst macht sich noch ein Oberhaupt einer großen Religionsgemeinschaft ebenfalls sehr öffentlichkeitswirksam Sorgen um den Zustand der Welt. Allerdings längst nicht so nachhaltig, konsequent, wie der Dalai Lama, dessen Satz

„Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten. Alle Religionen und alle Heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotential in sich. Deshalb brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen.“

als direkte Reaktion auf den Anschlag gegen Charlie Hebdo erfolgte.

Das kurze Interview mit Dr. Franz Alt und dem Dalai Lama … sollten sich kritisch denkendere Menschen ersparen.

Es ist … Pippi Langstrumpfmäßiges … infantil, optimistisches „ich mach mir die Welt – widewidewiesiemirgefällt“Gelaber, in völliger Verkennung der Faktenlage und ließ mich vermuten, dass das Alter nun doch auch seine grausamen Klauen ins Hirn des alten Mannes geschlagen hat. Beispiel: auf S. 18 beschreibt er Franz Alt seine Sicht auf die indische Gesellschaft: „Die indische Gesellschaft ist insgesamt friedlich und harmonisch.“ Wie bitte?! Eine Gesellschaft die ein Kastensystem pflegt, Frauen eklatant benachteiligt und niedriger stellt als Männer und in erschreckendem Maße Armut produziert ist friedlich und harmonisch? Was ist das für ein Weltbild? Allzuoft sind die Wünsche des D.L. im Interview die Väter seiner Gedanken. Leider hilft es aber nicht sich die Welt nur schön zu denken. Es lebt sich sicher besser, tatsächlich Verbesserungen aufgrund einer solchen Denke halte ich aber für irrelevant. Nicht stattfindend. Nichts gegen Schönheit. Es gibt sie auf unserer Erde, und sicher ist es richtig sich daran aufzurichten. Doch Verdrängung löst nicht die akuten und aktuellen Probleme dieser Welt und ihrer Gesellschaften. Womöglich sind etliche irdische Schwierigkeiten außerhalb der Sichtweite des D.L. Frauenunterdrückung wie sie weltweit praktiziert wird – mal lästig, wie bei uns im Westen, mal daseinsbedrohend wie in etlichen Entwicklungsländern – aufgrund von überholten patriarchalischen Denkweisen, findet im Bewusstsein des D.L. nicht statt? Vieles in diesem Interview spricht dafür.

Jedes Lachen seiner „Heiligkeit“ ?! wird vom Interviewer in Klammern dazugefügt. Und es wird wie gewohnt viel gekichert. Fast könnte man meinen, beim Dalai Lama beginnende Senilität auszumachen. So antwortet er auf die Frage, ob der nächste D.L. eine Frau sein könnte:

Warum nicht, aber sie sollte attraktiv sein„, und er sieht einen deutlichen weltweiten Trend hin zu Freiheit und Demokratie. Ich scheine in einer anderen Welt zu leben, ich sehe mehr den Trend zu Unterdrückung und Terror, die Umverteilung sämtlicher Ressourcen von Arm nach noch viel reicher, die fast unmerkbare Rücknahme der Emanzipation der Frauen auf diesem Planeten. (Ja Mädels, ihr macht da freudig mit. Immer schön attraktiv bleiben, brav Haushalt Kids und Job managen, super sexy bis ins hohe Alter und immer die Fassaden – welcher Art auch immer – verschönern. Dann kann frau auch die nächste Dalai Lami werden. Inhalte sind hier nebensächlich. Es kommt nur auf die Oberfläche an.

Das sympathisch kindliche Lama-Lachen entspringt wohl eher der beginnenden Rückkehr in die Kindheit zur Abwehr der greisen Verzweiflung über die Taten der Menschen auf der Welt…

Mich nervt es mittlerweile. Der Grundaussage der Rede stimme ich allerdings mit Einschränkung (nicht nur an „manchen Tagen“, sondern immer) völlig zu.

Nur scheint dies wohl nicht in der menschlichen Natur zu liegen. Hier irrt der Lama nicht. Menschen brauchen Spiritualität im weitesten Sinne. Schade, dass sie sie benutzen wie sie es derzeit tun.

Mögen sie sie privat, für sich  zu nutzen und gebrauchen lernen ohne anderen Menschen dadurch Schaden zuzufügen, weil sie sie missionieren, auf sie herabsehen, sich selbst erhöhen, oder irgendeiner „höheren Macht“ gefallen wollen, oder gar ihren angenommenen „Willen“ erfüllen.

In diesem Sinne:

Wenn Bäume im Wald, sich gegenseitig so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Sind das dann Kant – Hölzer?

Viel Spaß, beim Spiegelbestseller.

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe : 1. Juni 2015
  • Verlag : Benevento
  • ISBN:  978-3-7109-0000-6
  • Hardcover : 56 Seiten
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