Stapel ungelesener Bücher

9783462044294_10SUB – Stapel ungelesener Bücher, das kennen wir alle. Wir kaufen Bücher, holen sie uns aus der Bibliothek und stapeln sie erst einmal, weil wir ja eigentlich noch genug Lesestoff zu liegen haben, ohne gleich, sofort für Nachschub sorgen zu müssen. Aber so, wie manche Menschen – und ich möchte betonen, dass das nicht nur auf Frauen zutrifft – mehrere volle Schuhschränke zuhause stehen haben und dennoch nicht an diesem einen wunderbaren Paar vorbeikommen, so stapeln wir Bibliomanen unsere freien Flächen nicht nur in den Regalen mit unseren Schätzen zu. Eine monatliche Liste zu führen über die hinzugekommenen Bücher und die Gegenüberstellung der gelesenen Exemplare – seien sie nun neu oder schon länger in einem der älteren SUBs vergraben gewesen – kenne ich von keinem/r meiner LesefreundInnen.

Nick Hornby allerdings führt solch eine Liste sogar öffentlich. Seit mehreren Jahren macht er sein Leben als Leser publik, indem er monatlich in einer Kolumne preisgibt, welche Bücher er gekauft und welche er gelesen hat. Man beachte, diese beiden Mengen müssen nicht unbedingt eine Schnittmenge bilden … woher kenne ich das nur?

Hornby lässt den Leser in seiner leicht nonchalanten und humorvollen Art teilhaben an den Freuden und Leiden eines leidenschaftlichen Lesers. Da kann es auch mal vorkommen, dass er das für mich bisher beste Buch eines meiner Lieblingsautoren beiseite legt, weil dieser Autor (angeblich) einen Fehler gemacht hat: Er hat – und Nick Hornby kennt sich nicht nur in Sachen Lektüre, sondern auch in Sachen Musik gnadenlos gut aus, man denke nur an seinen Roman High Fidelity – dem schottischen Musiker Donovan angeblich zu Beginn des Romans eine andere Nationalität zugeschrieben. Da es sich bei Colum McCanns Die große Welt um einen meiner absoluten Lieblingsromane handelt, griff ich schnell ins Regal, um den zugegebenermaßen ärgerlichen Fehler zu suchen. Allein ich fand beim Überfliegen der Seiten die Stelle nicht, die Hornby so ärgerte. Auch nach mehrmaligem Überfliegen. Sollte ich den Roman noch einmal „richtig“ lesen oder eher im Original? Bisher bin ich in diesem Fall noch zu keinem Schluss gekommen, außer, dass ich wohl eher weitergelesen hätte, als dieser Unachtsamkeit zu gewähren, mich um ein großartiges Leseerlebnis zu bringen.

Doch halt – beinflusst hat mich Hornbys Verhalten ebenfalls in der Lektüre von Weniger reden und öfter mal in die Badewanne schon. Meine Erwartungshaltung ihm gegenüber als Autor stieg. Hier allerdings handelt es sich um in regelmäßigen Abständen erscheinende Kolumnen, in denen er frei von der Leber weg über sein Leben als Leser erzählt. Natürlich strukturiert und doch gedanklich mäandernd, was die Lektüre sehr kurzweilig macht. Insofern mag die „Bewertung“ dieser Texte gegenüber seinen Romanen anders ausfallen, legt er hier doch seine ganz eigene Meinung dar.

Und dazu gehört auch die Tatsache, dass er nicht verstehen kann, wenn ein Leser an ein Buch nicht rankam, weil ihn die Figuren nicht berührten. Ein Buch muss nicht schlecht sein, weil ich ich die Figuren unsympathisch finde oder sie mich nicht berühren können, da gehe ich mit Hornby völlig d’accord. Ich persönlich kann aber auch verstehen, dass man einem Buch nicht viel abgewinnen kann, das einen nicht berührt.

Weniger reden und öfter mal in die Badewanne ist kein Buch, das man in einem Rutsch durchlesen muss. Vielmehr kann man es immer mal wieder in die Hand nehmen, auch mit in die Badewanne, um sich über die von Hornby als gelesene Bücher gelisteten Titel und seine Meinung dazu zu informieren oder um sich Anregungen für den weiteren Ausbau der eigenen Stapel ungelesener Bücher zu holen. Interessant ist es allemal, auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist.

buchdetails

    • Aktuelle Ausgabe : 11. Juni 2015
    • Verlag : Kiepenheuer & Witsch
    • ISBN: 978-3-462-04429-4
    • Taschenbuch, 176 Seiten

 

 

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