Das Verschwinden des Homo Sapiens – genetische Veranlagung – versus Intelligenz

duve_warum_die_sache_schiefgeht_klein_1Karen Duve sollte den Preis für die farbenfroheste Schwarzmalerin in der Kategorie Sachbuch erhalten. Den Darwin Award der Pessimisten.

Mut machen, Hoffnung schüren und Optimismus verbreiten ist ihre Sache nicht. Leider, denn man merkt ihrem Buch an wie sehr ihr diese Haltung zuwider ist. Wie verzweifelt an den Menschen, an einigen von ihnen zumindest, sie ist.

Bleibt sie doch, wenn auch bewusst streitbar provokant, doch stets auf dem Boden der Realität, respektive des wissenschaftlichen Standes. Sie schreibt, leicht verständlich, deutlich, ist dabei stilistisch sehr angenehm zu lesen, konträr zum Inhaltlichen. Die gedruckte Entsprechung zu Randy Newmans Musik und Textinhalten.

Dabei sind ihre Themen sind durchaus lesens-, und unbedingt erwähnenswert. Allen bekannt, die ihr Gehirn gerne auch mal zum Denken und nicht nur zu flacher Unterhaltung und Ablenkung von den realen Fakten nutzen.

Besonders beeindruckend fand ich den Vergleich der in einem Persönlichkeitstest ermittelten psychopathischen Merkmale von englischen Führungskräften und den Insassen des britischen Broadmoor Hospitals, in welchem einige der gefährlichsten Kriminellen Grossbritanniens untergebracht sind. Die Chefs lagen vorne.

Auch an der Universität St. Gallen wurde zu dieser Thematik geforscht. Profi-Börsen-Trader versus Psychopathen:

„Das Ergebnis übertraf die üblen Erwartungen. Die Annahme war, dass Profi – Trader sich ähnlich rücksichtslos verhalten würden, dabei aber bessere Erfolge erzielten. Die Trader benahmen sich noch asozialer, egoistischer und risikobereiter als die Kontrollgruppe aus der geschlossenen Anstalt, aber sie erzielten wider Erwarten dabei sogar weniger Gewinn. Wer also glaubt, an der Börse gehe es einigermaßen rational zu irrt womöglich. Statt sachlich und egoistisch auf den größten Gewinn hinzuarbeiten < ging es den Händlern vor allem darum, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler. Und sie brachten mehr Energie auf und diesen zu schädigen.

Soll man sich diesen gnadenlosen Essay wirklich antun? Irgendwie wissen ja schon alle die einigermaßen informiert sind, oder zumindest eine erhebliche Menge an Menschen Bescheid über den Zustand unserer Welt und wohin sie steuert. Es gibt Gegenbewegungen, doch sie sind zu schwach. Jene die informiert und betroffen sind, werden Mühe haben diesen klaren Worten zu folgen und ihr Leben danach wieder frohgemut fortzuführen. Rechtfertigt das völlige Ignoranz und das achtlose Herbeiführen des zu erwartenden Szenarios? Ich denke, nein. Man muss es versuchen, das Gros der Menschheit die Zugang haben und Muße sich solche Gedanken zu machen und, sei es auch nur in winzigen Schritten Veränderung herbeizuführen, sollte die Gelegenheit  ergreifen sich zu erinnern worum es geht und in welch infamer Schizophrenie wir gezwungen sind zu leben. Das Kunststück diesen Spagat zwischen Wissen und Handlungsohnmacht, was die großen, notwendigen Veränderungen zu meistern, seine Kinder aufzuziehen und weder völlig zynisch noch hoffnungslos zu werden bleibt jedem selbst überlassen. Verständnis für jene, welche lieber den Kopf in den Sand stecken habe ich keines. Karen Duve auch nicht. offenbart ihr Essay doch klar und überdeutlich wie sehr sie die Geduld mit dem Homo Sapiens bereits verloren hat.

Jene, die die Geschicke der Menschheit lenken werden wohl, wie immer, nicht erreicht werden, es scheint ihnen, auch zufolge der Autorin, sowieso egal zu sein. Was zählt ist die kurzfristige Bereicherung im Hier und Jetzt.

Nach ihnen die Sintflut. So wird es wohl kommen. Duve belegt es weniger schwarzmalerisch, als mahnend eindrücklich.

Dies ist ein dringliches Plädoyer dafür  „Warum die Sache schiefgeht – Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen.  Und warum wir es ihnen erlauben.“

diesen aufrührerischen Aufschrei zu lesen. Selbst- und umzudenken, den Kopf aus dem Sand zu ziehen und zu handeln. Akut Depressive sollten aber von der Lektüre absehen.

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 10. September 2014
  • Verlag: Galiani Berlin
  • ISBN: 978-3-86971-100-3
  • Gebunden: 192 Seiten

 

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