Die Stimme des Proletariats

Haus aus Erde„Das Leben ist ganz schön hart…

Man hat Glück, wenn man’s überlebt.“

Woody Guthrie

Johnny Depp hat viele Rollen. Eine meiner liebsten ist die als Captain Jack Sparrow. Oder seine zahlreichen Rollen in Tim Burton Filmen.

Als Herausgeber und ausführlichem Vor- oder besser Erläuterungs- und Begleitwortschreiber des wiederentdeckten Woody Guthrie Romans „Haus aus Erde“ hat er für mich eine neue Lieblingsrolle.

Es ist ein langes Vorwort. In Co – Produktion mit dem Historiker Douglas Brinkley entstanden, verdeutlicht es die Zeit, in der Guthrie seinen Roman schrieb. Lässt sie auferstehen vor dem geistigen Auge, erläutert Zusammenhänge, die politische Situation und das harte Leben dieses umherziehenden Folksängers, der Teil des amerikanischen Mythos ist und so viele Menschen inspirierte und ermutigte.

„Er hatte einen untrüglichen Blick für soziale Gerechtigkeit, und er war eine wahre Schreib- Maschine. Während seiner fünfundfünzig Lebensjahre verfasste er Hunderte von Artikeln, Tagebüchern und Briefen. Oft illustrierte er sie mit gutmütigen Cartoons, Aquarellen und lustigen Stickern.“

„Haus aus Erde“ erzählt davon, wie die einfachen Leute nach Liebe und Sinn in einer korrupten Welt suchen, einer Welt in der die Reichen ihren moralischen Kompass verloren haben.

Als Captain Jack Sparrow hat Johnny Depp ebenfalls einen Kompass, mit sehr eigener Moral, aktuell im realen Leben die durch die Presse geisternde Story über seine nach Australien eingeschmuggelten Yorkshire Terrier. Wird da nicht auch ein Reicher durch seinen kaputten moralischen Kompass fehlgeleitet? Mal ehrlich! Yorkshire Terrier??? Wadenbeißerköter im Ratten- und Handtaschenformat?

Was ist nur aus guten ehrlichen Hunden geworden?

Egal und eine Sache des persönlichen Geschmacks, sowie der australischen Regierung …

Depps Riecher für herausragende Lektüre immerhin funktioniert.

„Haus aus Erde“ ist eine kraftvolle, poetische Streitschrift die machtvoll daherkommt. Ein Schlachtruf des Mannes, der auf seiner Gitarre den Slogan „This Machine Kills Fascists“ stehen hatte. Ein berührendes Zwei-Personen-Drama über Liebe, Elend, Sexualität, Humor und Lebenslust. Man schmeckt den Staub, spürt den beißenden, schneidenden Wind, riecht den Schweiß, die Verzweiflung und versteht die Hoffnung, die Ella May und Tike ihren immerwährenden Kampf nie aufgeben lässt.

Es sind keine Landmenschen wie in Grant Woods 1930 entstandenem schauderhaft puritanischen und doch so eindrücklichen Gemälde der American Gothic.

http://xroads.virginia.edu/~MA98/haven/wood/gothic.html

Sie sind sinnenfroh verspielt und offen für den Genuss sei es verbal oder erotisch. Daher stammt ihre Kraft. Mitreißend und kämpferisch präsentiert Guthrie seine Protagonisten. Mitreißend interessant und schillernd ist auch sein Leben, das im Vorwort, der Diskographie und der Zeittafel leider nur begrenzt skizziert wird.

1988 wird er posthum in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 2012 gibt die New York Times Book Review den Fund des vollständigen Manuskripts von „Haus aus Erde“  bekannt.

Haus aus Erde“  ist auch heute noch aktuell. Eine erdverbundene Anstiftung zur Liebe und zum Aufruhr für alle die sie hören können und möchten.

Für mich ein Highlight, jeweils einen dankbaren Dodo für Depp, Brinkley und besonders Woody Guthrie.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 20. September 2013
  • Verlag : Eichborn
  • ISBN: 978-3-8479-0539-4
  • Gebunden: 302 Seiten

 

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