Ein Sommer mit fünfzehn

Sommernovelle1989. Deutschland ist noch geteilt, die Katastrophe von Tschernobyl ist noch nicht allzu lange her und Lotte und Panda, gerade mal 15, wollen erwachsener sein, als sie sind. Die Welt verändern und sich von den Eltern, den Erwachsenen, die sich in ihren Leben eingerichtet haben, die Missstände einfach so hinnehmen, abgrenzen. Überraschend bekommen sie doch noch die Zusage, Freiwilligenarbeit auf der Vogelstation auf einer Nordseeinsel leisten zu dürfen – zunächst war ihnen aufgrund ihres jungen Alters abgesagt worden.

Es ist eine ungleiche Gruppe, die sich dort – wo, wird nicht gesagt – gefunden hat. Der leitende Professor glänzt zunächst durch Abwesenheit, zwei Pensionäre, ruhige, ältere Männer, nehmen sich der Mädchen an, der junge Julian macht auf Lotte Eindruck, aber es gibt auch noch Melanie, die sich gut mit Julian versteht, beide sind ein paar Jahre älter als die Mädchen. Wie gut sie sich verstehen? Lotte weiß es nicht. Panda lernt derweil, den Himmel zu „lesen“, die Vogelschwärme zu deuten und erfährt mehr über sich selbst und denkt über ihre Liebe zur Literatur nach. Es dauert nicht lange, bis den Mädchen klar wird, dass die Erwachsenen der Gruppe nicht mit dem Idealismus bei der Sache sind, den Lotte und Panda es vermutet hatten.

Christiane Neudeckers „Sommernovelle“ entführt gekonnt in die Zeit Ende der 80er Jahre. Panda erzählt die Geschichte dieses kurzen Sommers aus heutiger Perspektive mit der Distanz der Erwachsenen, wodurch das Buch nur gewinnt. Und sie schafft dabei eine Atmosphäre, schon sehr passend durch das Buchcover veranschaulicht, die sich in der Geschichte fortsetzt. Auf der einen Seite widmet sich Neudecker bzw. ihre junge Erzählerin der Natur und schafft für sie sehr stimmungsvolle Bilder. Sie versetzt den Leser so direkt auf diese Insel, auf der die Zeit etwas langsamer zu vergehen scheint. Andererseits trifft die Autorin gut das Lebensgefühl der beiden Jugendlichen. Den Wunsch, sich von den Erwachsenen abzugrenzen, die Kompromisslosigkeit im Handeln und vor allem in Denken, den Idealismus, wenn es um die hehren Ziele geht, ja, manchmal auch die Arroganz. Gleichzeitig die Unsicherheit, die in der Jugend vorherrscht. Diese Schilderungen sind sehr authentisch.

Insgesamt ist Neudeckers „Sommernovelle“ eine oft leichte, atmosphärische Geschichte um Jugend und Erwachsenwerden, um Idealismus und erste Liebe in einer stimmungsvollen Umgebung.

Buchdetails

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