Einstein hatte Unrecht

ribor„Alle Gesetze der alten Physik basieren auf der Vertauschung von Ursache und Wirkung, auf der Nichtbeachtung des Unterschiedes zwischen subjektiv Wahrgenommenen und tatsächlich Vorhandenem, sowie unter der falschen Hypothese, dass die Dinge an sich existieren sowie möglicherweise unveränderlich und überall gleich seien.“

Und somit hatte Einstein wirklich Unrecht. Von wegen, Licht bewegt sich durch das Weltall. Licht ist. Licht steht. Das Einzige was sich bewegt ist die Zeit und die ist für jeden subjektiv. Und somit haben wir das bunteste und veränderlichste Universum das man sich wünschen kann. Und für jeden anders. Das Universum….. Ist das überhaupt da? Wenn keiner hinschaut ist es doch gar nicht existent.

Solche und noch viel mehr Fragen stellt sich Ribor Raskovnik, ein Genprodukt eines Industriekonzernes, gerade. Gerade heißt, auf dem Sitz eines bajuwarischen Plumpsklos, mit heruntergelassenen Hosen, mitten im All.

Wie es dazu kam erzählt er uns dann auch gleich und dann wird das Universum vor dem geistigen Auge wirklich sehr bunt und vital. Die unglaublichsten Geschöpfe tummeln sich in Levi Krongolds SF Persiflage. Dabei hebt er natürlich auch die satirischen Schätze der Vergangenheit aus und bedient sich schamlos daraus.

„Kaum hatte er die Zahnpastatube zerkaut und die Tubenreste ausgespuckt, da begann er sich zu winden und zu krümmen. Schaum blubberte ihm aus dem Mund und den Ohröffnungen, ja der Leib quoll, ballonförmig auf, wurde dicker und dicker, bis der Bubone wie ein riesiger Ballon mit Arm- und Beinstummeln sowie einer Kopfbeule aussah und er zerplatzte zu allem Überfluss mit einem unangenehmen Geräusch und ergoss seinen nach Pfefferminz riechenden schaumartigen Inhalt über den Boden.“

Welcher Film ist hier wohl gemeint? Ribors Reise durch das Weltall ist auch eine literarische und filmische Reise durch die Geschichte der Komik und Satire. Konzerne haben die Macht übernommen und stellen die politische Elite (manch einer wird sagen, Moment, das ist doch heute auch schon so!) Steuern sind so hoch, dass jeder froh ist, nichts mitbringen zu müssen. Ribor ist in den Konzernbottichen gezüchtet, auf Gehorsam getrimmt und etwas einfach gestrickt, wobei dies den gezüchteten Genen zugute zu halten ist. Er verliebt sich während der Arbeit bei einer technischen Panne, in den linken kleinen Finger einer Arbeiterin eines anderen Bereiches. Dies reicht, sein einfaches Herz zu entflammen. Doch ach, die Liebe ist ein komisch Ding und das Universum groß und langweilig (Jedenfalls beim Reisen durch selbiges). Die darin lebenden Wesen allerdings nicht und so reiht Krongold ein fremdes Geschöpf an das andere und verwickelt sich dann doch so manches Mal in seine überbordernde Phantasie. Dabei ist der Roman am Besten wenn er in die Weiten der Philosophie und Theologie wandert.

„Insofern sei das Universum lediglich eine Reflektion auf einem noch unfassbarem Zustand, nämlich dem eines sich selbst spiegelnden kosmischen Geistes. Darauf meinte Lutzi lakonisch, dieser Geist könne nicht ganz bei Trost sein, wenn er so einen Schwachsinn widerspiegele.“

Die Kausalität bekommt dabei auch ihr Fett weg.

„Er rief und fuchtelte dabei wild mit den Armen, dass jeder Depp wisse, dass es schon aus theologischen Überlegungen heraus mindestens immer ZWEI Gründe für jedweder Erscheinung im Universum geben müss: einen Guten und einen Schlechten.“

Insgesamt steckt in jedem Ding doch das Profane, das Einfache was man nur erkennen muss und schöne Worte und komplexe Gedanken mit vielen Kommata helfen hier nicht weiter.

„Wer erwartet, dass etwas geschieht, was nur geschehen kann weil es erwartet wird, wird wahrscheinlich sehr erwartungsvoll das Erwartete geschehen lassen auch wenn es für sich genommen sehr unwahrscheinlich ist —- oder so.“

Wer Douglas Adams, Monty Python, Terry Pratchett und den ganzen anderen albernen Quatsch mag, soll hier beherzt zugreifen. Die Anderen sollen Nietzsche lesen – oder so.

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe : 06. November 2014
  • Verlag : epubli
  • ISBN: 978-3-737-51608-2
  • Taschenbuch: 432 Seiten
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2 Gedanken zu “Einstein hatte Unrecht

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