Fear and Loathing in … Florenz?

9783442747436_Cover[1]Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten wird im Klappentext mit dem Satz „Koks und Spitzenhäubchen“ beworben und wer greift da nicht gleich wie ich – in Erinnerung dieser wunderbar schrägen Schwarz-Weiß-Komödie mit dem großartigen Cary Grant – zu? Titel und Cover – beides ebenso verlockend, wie die filmische Assoziation – taten ihr Übriges und schwupp hatte ich mich in die Welt der beiden älteren Damen aus der florentinischen gehobenen Schicht begeben.

Erwartet hatte ich wohl zwei Damen, die sich wie die beiden Tanten in Arsen und Spitzenhäubchen eher etwas naiv und weltfremd aber gerade deshalb als liebenswürdig entpuppen würden. Doch weit gefehlt.

Giulia und Camilla, zwei ältere echte Damen der florentinischen Gesellschaft, verlassen ihren etwas heruntergekommenen und auch ein wenig zugestellten Palazzo nur einmal die Woche, um einen kulturellen Pflichttermin wahrzunehmen. Die Dinge des Alltags und ihren heißgeliebten Zaubertrank, den sie jeden Nachmittag pünktlich zu sich nehmen, um in den Erinnerungen an ihre Liebsten und die damit verbundenen besseren Zeiten zu schwelgen, bekommen sie geliefert. Blöd nur, dass der Zaubertrank-Lieferant plötzlich und unerwartet verstirbt und der Lebensmittelllieferant nach und nach schlechtere Qualität zu immer höheren Preisen bietet.

Was die Lebensmittel angeht, nun gut, das wäre irgendwie auszuhalten. Aber der Zaubertrank geht langsam aber sicher aus, und das ist die wahre Katastrophe. Es bleibt den beiden Prinzessinnen nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Suche nach Nachschub zu begeben. Nicht einfach für zwei ältere Damen, die sich plötzlich gezwungen sehen, ihr Koks selbst zu besorgen …

Die Grundidee des Romans ist durchaus ansprechend, die beiden schrulligen Damen, denen man ihre „hochwohlgeborene“ Herkunft anmerkt, nicht gänzlich unsympathisch und auf keinen Fall dumm, eher skrupellos – aber das mag am konsumierten Zaubertrank liegen, der ja im Rufe steht, Skrupelllosigkeit und Egozentrik bis hin zur Hybris zu fördern. Etwas nervig allerdings ist die Gewohnheit der einen der beiden Freundinnen, ständig florentische – im Notfall auch nicht-florentinische – Sprichwörter zu zitieren, die noch dazu nicht immer zur Situation passen.

Es hätte Einiges werden können aus dem Plot, vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, das vermag ich nicht zu beurteilen. Im Deutschen jedenfalls wirkt der Roman wegen seiner Wiederholungen und teilweise abgehackt-zusammenhanglosen Erzählweise nicht ganz ausgereift. Skurrile, schräge Charaktere sind eben nicht alleine ein Garant für gute, spannungsgeladene Unterhaltung. Wobei der Witz bei den alten Damen schon ab und an aufblitzt, aber eben nur ab und an.

Der Spannungsbogen flacht gerade in der Mitte des Krimis doch gewaltig ab und dennoch habe ich zumindest ein leises Bedauern verspürt, als ich mich von Giulia und Camilla verabschiedete. Manchmal ist eben weniger mehr und aus vielen Ideen können auch mehrere Bücher entstehen, aber das war offensichtlich nicht der Wunsch des Autors, der nicht mit Querverweisen auf die unterschiedlichsten Bereiche geizt.

Vielleicht ist es auch die italienische Lesart des Buches, die mir fehlte, oder ich hatte meine Erwartungen zu hoch gesteckt und das Buch musste hinter diesen zurückbleiben. Wer mag, sollte sich auf jeden Fall ein eigenes Urteil bilden.

Buchdetails

  •  Aktuelle Ausgabe : 12. Mai 2014
  • Verlag : btb
  • ISBN: 978-3-442-74743-6
  • Taschenbuch: 224 Seiten

 

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