Druidisch durchsetzte High FunTasy, die sich aller verfügbarer Mythologien bedient

gehämmertHobbit Presse, der bevorzugte Verlag für Liebhaber anspruchsvoller Fantasy, hat mit der Chronik des eisernen Druiden wieder Beglückungslektüre auf den heiß umkämpften Fantasy Markt geschmissen, der leider von oft erbärmlich schlechten Veröffentlichungen ohne Anspruch und Hintersinn dominiert wird. Nicht so bei Kevin Hearnes letztem auf Erden weilenden Druiden, Atticus O’Sullivan. Über 2000 Jahre alt, dank seiner herausragenden Fertigkeiten in Teezubereitung optisch wie knackige 21 wirkend, ist die Hauptfigur dieser netten Fantasy Trash Serie. Sein bester Kumpel ist Oberon, ein hinreißender Irish Wolfhound mit klaren Vorstellungen von Glückseligkeit; Genießen und französischen Pudeldamen. Die Dialoge der beiden lassen geneigten Lesern keine Chance, diese Serie links liegen zu lassen.

Bei Kampfszenen neigt Atticus dazu, philosophische Betrachtungen aufzustellen.

„Monty Python wirkt wie eine euphorisierende Droge auf Nerds. Bringt man sie dazu, die britischen Komiker zu zitieren sind sie konstitutionell unfähig sich deprimiert zu fühlen.“

Die rotzig fluffige Ich – Erzähler Perspektive, die man mögen sollte – ich bin nicht unbedingt ein Freund derselben – aber Hearne trifft den Ton sehr gut, zeichnet diesen im ersten Band „Gehetzt“ von irischen Göttern, Keltenmytologie und sonstigen mystischen Wesen wimmelnden Serienauftakt aus. Es ist Trash. Richtig guter Trash mit Hintergrund und Wissen um Mythologie. Es schadet nicht, sich hier ein wenig auszukennen. Man erhöht damit den Lesegenuss, es ist aber nicht zwingend erforderlich. Die Geschichte funktioniert auch ohne Erfahrung, vielleicht lockt sie auch den einen oder anderen, sein Wissen etwas zu vertiefen.

In Band 2, Verhext“, der sich für mich ein wenig ungefälliger las als der Serienauftakt, stilistisch unrunder, dafür mit witzig aufgelockerter permanenter Action fast ohne Verschnaufpause, ist Druide Atticus alias Siodhachan í Suileabháin, stark gefordert.  Neue Nebenfiguren werden eingeführt und die Geschichte vertieft sich, entwickelt sich weiter. In Band 3, „Gehämmert“ outet sich Autor Kevin Hearne als unbedingter Neil Gaiman Fan. Absolut verständlich für die Rezensentin, der es ebenso geht. Stilistisch legt er einen Ticken zu. Spätestens wenn er die Mitprotagonisten in Atticus’ Kampf gegen den Donnergott Thor („Halt dich fern von dem blitzeschleudernden Irren“) – hier kein derartiger Sympathieträger wie in den begeisternden Marvel Verfilmungen der letzten Jahre sondern ein schlecht gelaunter unfreundlicher Lebensvernichter und Zerstörer mit dem Lebensmotto „Kill & destroy“- ihre eigenen, teils fast schon lyrisch angehauchten Geschichten die sie mit Thor erleben mussten erzählen lässt, blitzt der von ihm verehrte Gaiman durch.

Atticus hat noch ungelöste Probleme aus den vorherigen Bänden, muss ein Versprechen einlösen, mit welchem er die Asen gegen sich aufbringen wird und die „Hämmer Gottes“, skinheadähnliche, christlich geprägte Antidämonen-und Hexengegner sind ihm auf den Fersen. Nebenbei trifft er Jesus,

„Komm zu JESUS“, sagte der Mann, lächelte strahlend und breitete einladend die Arme aus. Er trug ein dunkel gebatiktes T-Shirt in Rot, Gelb und Grün. Auf der Vorderseite war ein Peace Zeichen gedruckt.“  

und geht mit ihm einen trinken:

„Gab es da noch jemand anderen mit dem du Bier getrunken hast?“ „ Bertrand Russell.“ „Oh. Der Kleingläubige.“

Sie unterhalten sich über Gitarrenriffs und Robert Johnson:

„Echt?? Der Christengott hörte auf zu tanzen und sah mich an. „Der der in Crossroads seine Seele an den Teufel verkauft?“ „Genau der.“ Er lachte und marschierte kopfschüttelnd weiter nach Norden. „Mein Erzfeind hat mir wiedermal eine Nase gedreht, glaube ich.“

und Jesus outet sich als Anhänger der Monty Pythons. Tatsächlich ist Autor Kevin Hearne nicht nur von gutem Blues und den Pythons, sondern im Speziellen von Neil Gaimans Gesamtwerk stark beeindruckt, wie er im Nachwort gesteht und sicherlich hat ihn Gaimans grandioses Werk „American Gods“ inspiriert. Doch er plagiiert nicht, entwickelt kreativ weiter und erreicht stilistisch mit den Geschichten von Atticus‘ Helfern im Kampf gegen Thor und die Asen fast schon die High Fantasy Kategorie. So lässt er, um den benötigten Teamgeist zu entwickeln, Werwolf Gunnar, Vampir Anwalt Leif, den Tao Weisen Zhang Guo Lao, den finnischstämmigen Schamanen Väinänöinen mit seiner zauberischen Kantele und den fast völlig in Vergessenheit geratenen russischen Donnergott Perun ihre Geschichten erzählen. Jene Geschichten, die diese vielfältige kleine Interessengemeinschaft erst zusammenbrachte. Angetrieben vom unbedingten Willen zur Rache an Thor, die womöglich in einer verfrühten Götterdämmerung enden könnte oder sogar, wie von Jesus und der Morrigan prophezeit, mit frühem Tod und Weltenende …

„Gehämmert“ ist allerdings erst der dritte von sechs in den USA bereits erschienen Bänden der Chronik des eisernen Druiden. Der Cliffhanger schmerzlich und Atticus‘ Aufgabe die Neudruidin Granuaile auszubilden, verspricht weiteres Lesevergnügen dieser Funtasy Reihe, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Sollte sich der Leser in die USA begeben zwecks Besuch einer SciFI/Fantasy oder Comic Convention, lädt der Autor im Nachwort großzügig dazu ein:

„dann können wir beim Anblick von Neil Gaiman in Ultrastereo abkreischen“

Obwohl keine Abkreischerin, auch nicht in den pubertätsbedingt dafür prädestinierten Jahren meiner dahingegangenen Jugend, würde ich mich hier wohl anschließen und wenn Hearne noch einen solch großartigen, spaßigen Band seiner Reihe abliefert (möglichst schnell bitte, liebe Hobbit Presse!) dann kreische ich auch bei seinem Anblick. Einen Dodo hat er sich für seine bisher dreibändig auf deutsch erschienene Chronik auf jeden Fall verdient. Von Trash kann nach diesem dritten Band keine Rede mehr sein. Humor und Ironie sind nicht zu verachten.

Buchdetails:

 

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