Zwischen den Ländern und Kulturen

U1_978-3-498-03931-8.inddDie Brüder Subhash und Udayan wachsen in einem Vorort Kalkuttas auf. Sie sind einander tief verbunden und die besten Freunde, als Jugendliche aber entwickeln sie sich in verschiedene Richtungen. Während Subhash es als Chance betrachtet, zum Studium in die USA zu gehen, schließt Udayan sich einer verbotenen kommunistischen Bewegung an, die, um ihre Ziele eines besseren Bengalen zu verwirklichen, auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Subhash erfährt fern der Heimat, dass Udayan getötet wurde und fährt nach Indien, um einer brüderlichen Pflicht, wie er es empfindet, nachzukommen. Udayan hatte in seiner Abwesenheit die junge Philosophiestudentin Gauri geheiratet, eine Liebeshochzeit, auch vor den traditionsbewussten Eltern zunächst verheimlicht, die diese dann aber hinnahmen. Subhash will sich nun um Gauri kümmern.

Jhumpa Lahiris Roman „Das Tiefland“ erzählt von den Brüdern und von den Folgen dessen, was Udayan in jungen Jahren passiert ist. Subhash geht mit Gauri in die USA und nimmt ihre und Udayans Tochter Bela als sein eigenes Kind an. Seine Motive sind gut und edel, aber kann das funktionieren? Lange hofft Subhash, dass alles gut werden möge, aber Gauri findet sich in ihrer neuen Rolle nie zurecht. Und Bela bleibt ihr fremd.

Jhumpa Lahiri erzählt in einer sehr klaren, direkten Sprache von ihren Protagonisten, ihren Ängsten und Nöten, den Versuchen, alles richtig zu machen und vom Streben, das Glück zu finden. Subhash und Gauri leben zwischen zwei Kulturen: Die, aus der sie gekommen sind, versuchen sie, einerseits abzuschütteln, andererseits war sie prägend und bleibt ein Teil von ihnen. Amerika bietet neue Perspektiven, die ungewohnte Freiheit ist verlockend, irgendwo aber auch beängstigend. Wer die Wahl hat, läuft immer auch Gefahr, sich falsch zu entscheiden.

Über viele Jahre hinweg begleitet der Leser die Menschen in diesem Roman, die so authentisch geschildert werden, als wären sie wirklich. Der häufige Perspektivwechsel verdeutlicht immer wieder die Beweggründe ihres Tuns, wo man von außen schnell ein Urteil gefällt hat. So entspinnt sich über gute 500 Seiten und viele Jahre hinweg die Geschichte einer Familie zwischen den Kulturen, in der keiner nur gut oder schlecht ist. Eine Geschichte über Verantwortung, Schuld und Vergebung. Und wenn wir am Ende in gewisser Weise wieder am Anfang ankommen, so schließt sich ein Kreis und lässt den Leser ein wenig besser verstehen.

Khaled Hosseini spricht von einer alles durchdringenden, tiefen Menschlichkeit, die Lahiris Roman auszeichne. In ihr findet der Leser sich wieder. „Das Tiefland“ schenkt wunderbare Lesestunden, mal melancholisch, mal voller Hoffnung ist diese Geschichte. Ein wunderbarer Roman.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 29. August 2014
  • Verlag : Rowohlt Verlag
  • ISBN: 978-3-498-03931-8
  • Flexibler Einband: 528 Seiten
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