Der Traum geht weiter

FIRST-SPACEHOTEL-CoverSchon immer träumte die Menschheit von den Sternen und fremden Planeten, Besuch von Außerirdischen, die Welt außerhalb der Erde ist unendlich und geheimnisvoll. Doch der Weltraum hat seine Tücken, zuerst gilt es, eine lebensfeindliche Umgebung zu überwinden. Die anfängliche Euphorie nach der Mondlandung ist durch die vielen Unfälle mit Todesfolgen gebremst worden und die großen Raumfahrernationen haben andere Probleme als den Weltraum zu erobern, wie sieht es aber mit einer kommerziellen Vermarktung aus? Die Raumfahrt sollte für die meisten Menschen bezahlbar sein, zumindestens für die besser begüterten, denn es gibt immer mehr Menschen die mehr im Jahr verdienen als mancher Staat. Der Gründer des Spacehotels, der Milliardär  Rayman Bradley, bringt es auf den Punkt:

„Henry Ford hat einmal gesagt: Ich möchte ein Auto für die ganze Gesellschaft bauen. Dieser Mann hat meine uneingeschränkte Hochachtung verdient! Und jetzt sage ich ihnen, was ich möchte. Jeder Mensch soll einmal im Weltraum Urlaub machen können.“

So ist die Ausgangslage in Anja Heiltlingers Debütroman: First Spacehotel. Jetzt 2023, ist das Hotel gebaut, die ersten ausgewählten Gäste treffen ein, auch Henrik Bachmann, der Sohn eines sehr großen Werbekonzerns und seine Freundin Cecylia, eine berühmte Autorin, die den Flug dank eines Vorschusses ihres Verlages bezahlen konnte. Christopher hat den Auftrag bekommen eine schlagkräftige Werbekampagne aufzubauen, da die Auftragslage der Hoteltickets rückläufig ist. Er bekommt einen Schreck als er seine alte Liebe Cecylia wiedersieht, auch der Sohn seines Auftraggebers irritiert ihn, hat er nicht den Auftrag für den Werbeauftritt des Spacehotels? Doch bevor es in den Weltraum geht, sind noch einige Hürden zu überwinden, denn der Mensch ist nicht für den Weltraum geschaffen und die medizinischen Werte müssen stimmen. Auch sind zuvor einige Tests und Übungen zu absolvieren, denn die Belastung beim Start und Landung verlangen dem menschlichen Körpern einiges ab. Auf dem Hotel angekommen, verwickelt sich Cecylia in eine erneute Liebesgeschichte mit Christopher. Henrik will sich das nicht gefallen lassen und startet seinerseits eine Gegenoffensive. Die anderen Touristen sind auch nicht einfach zu handhaben und so entstehen diverse Verwicklungen 400 Km über der Erde.

Anja Heitlinger hat ein sehr frisches und überaus informatives Buch über den Besuch eines fiktiven Weltraumhotels geschaffen. Selten habe ich eine solch detaillierte und sehr fundierte Beschreibung der Vorbereitungen für einen Start in den Weltraum gesehen, ausser vielleicht in einem Sachbuch. Nicht nur das, auch die Lebensbedingungen und das alltägliche Leben in der Schwerelosigkeit sind sehr plastisch beschrieben. Duschen erscheint fast unmöglich, da das Wasser keine Schwerkraft zum abfliessen hat, die Idee des Schwimmbades würde ich mir patentieren lassen. Witzig benennt sie viele Begriffe im täglichen Leben einfach um, man geht nicht weg, man schwebt davon. Die Autorin verbindet dies alles geschickt mit einer lebendigen Geschichte und wählt auch die dazu passenden Personen aus, die das Unternehmen, Urlaub im All, fast ’sprengen‘. So die ältere dicke Dame, die ihr Ticket in einer Lotterie gewann und partout ihren Hund mitnehmen muss. Diese dann auftretenden Komplikationen, mag sich jeder selber vorstellen. Auch ein Saboteur darf natürlich nicht fehlen und sorgt für helle Aufregung. Das einzige was mir persönlich nicht gefiel war die Liebesgeschichte. Diese hat nicht meinen Geschmack getroffen und war mir zu vorhersehbar und kitschig. Manchesmal waren die Reaktionen von Cecylia so naiv wie die einer 14jährigen und zu oft wurde im Schmalztopf gerührt. Gegen Ende kam doch nochmal eine gesellschaftskritische Note hinein, die das Buch vor dem Rosamunde Pilcher Niveau rettete (Nichts gegen Rosamunde Pilcher – für mich nur ein Synonym für besonders kitschig geratene Liebesgeschichten mit entsprechendem Ende)

„Warum war die Welt nur so versessen auf diese suborbitalen Flüge, fragte er sich. Zugegeben bei interkontinentalen Flügen war damit eine enorme Zeitersparnis zu erreichen, dafür waren aber auch die psychischen und physischen Belastungen wesentlich größer. Immerhin mussten die Flugzeuge eine Höhe von 100 Kilometern erreichen, damit man die Erdrotation ausnutzen konnte. Aber ob sich die Menschen dann auch mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen würden….?“

Explizit wird auch auf das Problem des Weltraumreisen hingewiesen, gerade der Weltraumschrott ist der gefährlichste Gegner eines Gegenstandes in der Erdumlaufbahn. (auch zu sehen in dem Film Gravity) Die Umweltzerstörung und die Folgen des Aufenthaltes des Menschen auf der Erde, sind gerade aus der Sicht von 400 Kilometern sehr genau zu sehen. Großstädte erscheinen nur noch als grauer, dunstiger Punkt. Auf den Punkt bringt es Christopher, der erkennt, was die Menschen eigentlich bewegt ein Ticket zu kaufen. Und zwar die Identifikation mit den Dingen zu Hause, nur eben ausgeführt im Weltraum. So gerät eine Modenschau erst zu einer großen organisatorischen Aufgabe, wie verhindere ich dass die Models nicht vom Laufsteg schweben, dann zu einer grandiosen Show, indem man die Mittel der Schwerelosigkeit ausnutzt. Das wollen die Massen sehen, der Weltraum lässt sich bezwingen und ist nach dem Wilden Westen der nächste Ort um Unbekanntes zu Bekanntem umzuwandeln. Ein kleiner ironischer Seitenhieb auf unsere Konsumgesellschaft.

Insgesamt ein sehr informatives Buch über die Gefahren und Probleme des Weltraumes, etwas zu zuckrig verklebt mit einer überflüssigen Liebesgeschichte. Auf jeden Fall aber für Jugendliche geeignet!

Buchdetails:

  • Aktuelle Ausgabe :  15. Augusti 2013
  • Verlag : Goldhouse
  • ISBN: 978-3-9816096-0-8
  • Gebundener Einband : 456 Seiten
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