Die Literarische Gesellschaft Hasenhausen…

Laura… ist eine Gemeinschaft, deren Vorsitzende Laura Hermelin nach neuen Mitgliedern mit außergewöhnlichem schriftstellerischem Talent sucht. Seit vielen Jahren schon hat Hermelin, selbst eine sehr bekannte Autorin, niemanden mehr in die Gesellschaft berufen. Aber nun ist es so weit: Die junge Aushilfslehrerin Ella Milana soll das zehnte Mitglied werden. Bei der Aufnahmezeremonie für Ella aber verschwindet Laura Hermelin plötzlich. Ella kann so weder in die schriftstellerische Lehre bei ihr gehen, wie eigentlich vorgesehen, noch wird sie gründlich in die Gemeinschaft und deren Regeln eingeführt. Sie eignet sie sich selbst an und macht bald Bekanntschaft mit Dem Spiel, zu dem sich die Mitglieder der Gesellschaft gegenseitig herausfordern. Mit ihm ist es möglich, dem anderen absolute und umfassende Wahrheiten zu entlocken.

Ella findet heraus, dass in der stadteigenen Bibliothek, in der Ingrid Katz, ebenfalls Mitglied der Gesellschaft, arbeitet, immer wieder Bücher von einer seltsamen „Seuche“ befallen werden: Plötzlich ändern sich die Geschichten in den Büchern von allein – und sie stecken andere Bücher damit an. Außerdem erfährt Ella, dass es schon einmal ein zehntes Mitglied in der Gesellschaft gab, das die anderen am liebsten vergessen würden und dessen Existenz sie offenbar verdrängen. Sie will unbedingt herausfinden, was es mit diesen Geheimnissen auf sich hat und versucht mit Hilfe Des Spiels, den anderen die Wahrheit zu entlocken.

Pasi Ilmari Jääskeläinens Roman „Lauras Verschwinden im Schnee“ erzählt von Ella, ihrem eher unspektakulären Leben als Aushilfslehrerin, ihrer Liebe zu Büchern und davon, wie die Literarische Gesellschaft Hasenhausen ihr Leben durcheinander wirbelt. Ella spielt Das Spiel mit den verschiedenen Mitgliedern der Gesellschaft und muss immer auch von sich selbst etwas offenbaren. Dabei wird deutlich, dass es nicht gut ist, zu viel über den anderen zu wissen. Die übrigen Mitglieder der Gesellschaft haben sich denn auch längst voneinander entfernt, womöglich haben sie einfach zu viel von sich preisgegeben und möchten nicht daran erinnert werden.

In die Tiefe geht der Autor in der Charakterisierung seiner Figuren nicht, der Fokus liegt wohl eher auf dem Lauf der Geschichte und dem Rätsel um das frühere zehnte Mitglied. Obwohl die Mitglieder der Gesellschaft im Spiel viel von sich erzählen, hat man als Leser trotzdem das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt. Einige Zusammenhänge wirken etwas abwegig und die Handlung an einigen Stellen zuweilen konfus. Die Sprache des Autors ist dabei direkt und schnörkellos, manchmal fast flapsig. Nicht alle Handlungsstränge werden befriedigend zusammengeführt. Die Geschichte aber hat Tempo und liest sich schnell.

Als Buch über Bücher bzw. über einen Bund von Schriftstellern funktioniert die Geschichte durchaus. Unwahrscheinliche Dinge passieren außerdem, und das zu lösende Rätsel hält die Spannung aufrecht. Der Ort namens „Hasenhausen“, in dem der Roman spielt, scheint der Wirklichkeit entrückt.

„Lauras Verschwinden im Schnee“ ist ein Roman für Bücherliebhaber um Bücherliebhaber, um Offenheit und Verschwiegenheit, vor allem um die Aufklärung eines Rätsels. Dabei ist es sicher Geschmacksache, ob man die manchmal etwas abstruse Geschichte gerade wegen dieser Verrücktheit schätzt und sich unterhalten fühlt, oder ob einem das alles doch zu viel ist.

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 12. September 2014
  • Verlag : Aufbau Verlag
  • ISBN: 978-3-351-03411-5
  • Gebunden: 379 Seiten
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5 Gedanken zu “Die Literarische Gesellschaft Hasenhausen…

  1. Pasi Ilmari Jääskeläinen gehört mit, wie z.B. auch Johanna Sinisalo oder Hannu Rajaniemi, zu den Vertretern der Finnish Weird.

    Finnish Weird ist eine Literaturform, bei der Surrealismus, Phantastik, magischer Realismus, aber auch Horror oder SF mit dem Realismus verwobenen wird.

    Ein gutes Beispiel dafür ist der Roman „Troll“ von Johanna Sinisalo, in dem die mythische Figur des Trolls in den harten Realismus der Gegenwart gesetzt wird. Ein Angestellter einer Werbeagentur rettet einen jungen Troll vor Schlägern, nimmt ihn mit nach Hause, googelt nach Nahrungsmitteln und nach und nach entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden und dann gibt es da noch die gekaufte asiatischen Braut in einem Wohnsilo, sowie die Machtkämpfen und Intrigen in der Arbeitswelt.

    Jääskeläinen wurde in Finnland mit seinen Science Fiction-Erzählungen bekannt, „Lauras verschwinden im Schnee“ war sein erster Roman und er hält sich noch mit den phantastischen Überspitzungen einigermaßen zurück.

    Realistisch muss man sagen, dass der Roman wohl nicht ins Deutsche übersetzt worden wäre, wäre Finnland nicht letztes Jahr das Gastland bei der Frankfurter Buchmesse gewesen.

    Ich hatte mir mehr von dem Buch erwartet.

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    • Ja, das habe ich auch gelesen. Und genau dieser Surrealismus bzw. die Phantastik haben mich angesprochen und dazu bewogen, das Buch zu lesen. Ich fand es aber leider nicht überzeugend umgesetzt. Das lag aber auch eher nicht an der phantastischen Überspitzung, denn die fand ich auch nicht so ausgeprägt, das heißt, es war mir nicht zu phantastisch, ich fand es in Teilen einfach zu konfus und zu wenig schlüssig. Dass es ohne die Buchmesse nicht übersetzt worden wäre, kann ich mir auch gut vorstellen.

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      • Was mich an dem Buch wirklich gestört hat ist die Übersetzung, die dem Buch nicht hilft, das beginnt schon mit der Verdeutschung des Ortsnamen. Das Buch spielt in Finnland, da erwarte ich einen finnischen Ortsnamen und nicht Hasenhausen. Aber auch später wird es nicht besser mit der Übersetzung, dieses konfuse Gefühl ist dadurch ein bisschen verschuldet.

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      • Ab und zu habe ich auch überlegt, ob die Übersetzung damit zu tun haben könnte… Wäre schade, wenn es so wäre.

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      • Es hat mit der Übersetzung zu tun, ich kenne das Original. Trotzdem würde ich dir eher ‚Finnisches Feuer‘ von Johanna Sinisalo empfehlen, ebenfalls im letzten Herbst erschienen. Spielt in der Nahen Zukunft, es gibt keine Handys mehr und der heißeste Stoff hinter dem alle Junkies her sind ist Chilli. Ich verspreche einen Roman beginn, den man nicht so leicht vergisst. Ich verdränge ihn bis heute aktiv und vergeblich.

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