Weite, Kettensägen und Lagerfeuer …

Unterm Lagerfeuer… bilden nur die Kulisse für die eigentlichen Themen von Nickolas Butlers Erzählband Unterm Lagerfeuer. Unter der Oberfläche nämlich brodelt es. Bei jedem einzelnen und zwischen den Protagonisten.

Shotgun Lovesongs, Butlers erster, großartiger Roman, ist in einer ähnlichen Kulisse angesiedelt, wie sie in Unterm Lagerfeuer errichtet wird. Der Unterschied zwischen dem Roman und den Erzählungen besteht in ihrer unerbittlichen Härte. Knüppelhart wie meterdick gefrorenes Eis, das man nur mit Kettensägen durchdringen kann, sind die Geschichten, die von Wut, Zorn, Hass, Täuschung, Rache, Angst aber auch Liebe, Glück, Zufriedenheit und damit vor allem vom Menschsein berichten. Und dennoch ziehen sie in den Bann, stimmen schlussendlich versöhnlich.

Das Personal bezieht Butler aus ländlichen Gegenden, in denen das Leben häufig schwer und einsam ist, die Menschen dementsprechend direkter, härter und in ihren Handlungen unverstellter auftreten. Das tut gut, geht aber auch manchmal an die Substanz.

Schicksalsschläge werden verarbeitet, manchmal hingenommen, weil sie sich eben nicht ändern lassen. Rache wird verübt – auf die vielfältigste Art und Weise. Mitgefühl findet seinen Platz und ermöglicht neue Chancen, bildet kleine Räume der Hoffnung und Liebe. Letztendlich geht es immer darum, zu fühlen – manchmal vielleicht zu viel, was sehr anstrengend sein kann – und damit gut umzugehen, soll heißen, nicht daran zu zerbrechen, ohne die Gefühle auszublenden. Und vor allem, den eigenen Weg zu einem irgendwie doch erfüllten Leben zu finden, das nicht unbedingt ein schillerndes sein muss.

Eines meiner absoluten Lesehighlights der letzten Jahre ist der Roman Stoner von John Williams. Die Hauptfigur des Romans strahlt einen solch unwiderstehlichen Charme aus – obwohl dieser William Stoner auf den ersten Blick ein absolut gewöhnlicher Mann ist – dass ich mich in ihn verliebt habe. Und das, was ich gerne als Stoner-Qualitäten bezeichne, besitzen einige Figuren aus Nickolas Butlers Erzählungen ganz eindeutig. Aber nicht nur die Personen sind es, die mir diesen Vergleich aufdrängen. Auch die Atmosphäre, der Schreibstil, die Konzeption, die Entwicklungen können hier durchaus mithalten. Wohlgemerkt ohne jegliche Spur der Imitation.

Obwohl es sich zumeist um Männer dreht, deren Geschichten hier erzählt werden, ist Unterm Lagerfeuer kein reines „Männerbuch“. Oder vielleicht eben deswegen? Bietet es den Bewohnerinnen der anderen Seite des Mondes doch tiefe Einsichten in diese Männerwelten, die sonst nur blitzlichtartig zu erhaschen sind – und damit eine Möglichkeit des Verständnisses und des sich auf menschlicher Ebene Näherkommens.

Ein wahrer Lesegenuss, den man nicht verpassen sollte.

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 22. November 2014
  • Verlag : Klett-Cotta Verlag
  • ISBN: 978-3-608-98015-8
  • Gebunden: 320 Seiten

 

 

 

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4 Gedanken zu “Weite, Kettensägen und Lagerfeuer …

  1. Ich weiß, die Wunschlisten wachsen … und das tut mir ja auch leid, aber dieses Buch muss unbedingt drauf 😉 Ich hoffe, Du wirst es genauso gut finden, wie ich. LG, Bri

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  2. Da waren meine Hoffnungen in das Buch wohl nicht zu hoch gesetzt. Was du hier beschreibst, klingt großartig und unglaublich aufwühlend. Meiner eigentlich auf Diät gesetzten Wunschliste tut es zwar nicht gut, aber „Unterm Lagerfeuer“ wird dennoch vorgemerkt. Vielen Dank für die wunderbare Besprechung!

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