Ein Sommer der Superlative

Sommer 1927 von Bill BrysonEs sind die Menschen, die Bill Brysons Sommer 1927 Form und Struktur geben und die vielen kleinen und großen Begebenheiten, die diese Zeit geprägt haben, miteinander verbinden.

Der Junge: Ein junger, im Privatleben eher zurückhaltender Amerikaner mit schwedischen Wurzeln, der nicht nur die erste Nonstop-Atlantiküberquerung alleine durch unglaubliche mentale Stärke erzwingt – Charles Lindbergh – wird gefeiert, wie noch nie jemand zuvor.

Das Babe: Ein meist übergewichtiger, aber hochtalentierter Baseballstar, der seinen Spitznamen seinem Aussehen, aber auch seinem Alter bei Beginn einer nie da gewesenen Karriere verdankt. Er bringt es auf unglaubliche 60 Homeruns in einer Saison – ein Rekord, der erst 34 Jahre später gebrochen werden wird. Der Name Babe Ruth ist auch noch heute einer der klangvollsten.

Der Präsident: An seinen Namen werden sich die meisten Leser wahrscheinlich nicht so sehr erinnern können. John Calvin Coolidge aber war es, der den Indianern einen Status innerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika verschafft hat.

Die beiden Anarchisten, die eine äußerst tragische Geschichte schrieben: Angeklagt, an einem Anschlag beteiligt gewesen zu sein, bei dem mehrere Polizisten ermordet wurden. Das Gerichtsverfahren, das gegen sie geführt und mit dem Todesurteil für beide abgeschlossen wurde, ist eines der unglaublichsten Vorkommnisse der amerikanischen Geschichte und Gerichtsbarkeit. Obwohl die Mehrheit der Augenzeugen die beiden Anarchisten entlastete, wurden sie verurteilt. Sacco und Vanzetti wurden erst im Jahr 1977 rehabilitiert.

Das Ende des Sommers 1927 markiert eine Strömung, die auch den glücklicherweise vom Aussterben bedrohten Ku-Klux-Klan wieder aufleben lässt: der Hass. Dieser ist so vielfältig und gegen alles gerichtet, was neuartig, unkonventionell oder andersartig erscheint. Geschürt wird er, wie so häufig, durch diffuse, nicht logisch begründbare Ängste. Der Sommer endet mit der Entwicklung einer pseudowissenschaftlichen Auslesetheorie, die ihren Höhepunkt in Nazideutschland haben wird.

Außergewöhnlich spannend erzählt Bill Bryson dem Leser von diesem Sommer, der nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt und deren weiteren Lauf verändert hat. Die Farbigkeit erhält das Bild durch die Verwebung der großen Geschichten mit vielen Nebensträngen, die weit über die Zeitspanne dieses einen Sommers hinausgehen. Kurze Biographien der strukturgebenden Personen runden das Bild ab, lassen die Ereignisse um sie nicht losgelöst von allem anderen da stehen.

Am Ende des Buches wird dieser inhaltliche Eindruck noch verstärkt durch kürzeste Kurzfassungen der einzelnen Kapitel. Ein Epilog, der das Leben der einzelnen Genannten über den Sommer 1927 hinaus schildert. Zu guter Letzt eine fundierte Liste von Literaturnachweisen/ – empfehlungen für die geneigten Leser, die sich über einzelne Themen noch genauer informieren möchten.

Sommer 1927 ist ein in seiner Informationsdichte opulent ausgeführtes Sachbuch, das man, will man die Informationen nicht einfach nur „überlesen“, immer mal wieder aus der Hand legen muss, um „es sacken zu lassen“. Brysons spannender Schreibstil allerdings macht es leicht, nach solchen Lektürepausen problemlos wieder in den Lesefluss einzutauchen. Nach dem letzten Auftauchen aber bleibt das Gefühl zurück, diesen Sommer 1927 tatsächlich miterlebt zu haben – besser geht’s nicht.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 13. Oktober 2014
  • Verlag : Goldmann
  • ISBN: 978-3-442-30123-2
  • Gebunden: 640 Seiten

 

 

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2 Gedanken zu “Ein Sommer der Superlative

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