Auf der Suche nach Altem und Neuem,…

9783423280228nach dem ganz persönlichen Weg, befinden sich sowohl Dori, als auch Inbar, zwei junge Israelis, die sich zufällig auf dem südamerikanischen Kontinent begegnen. Dori ist auf der Suche nach seinem Vater Meni, der den Tod seiner Frau, seiner erklärten großen Liebe, nicht verkraftet und sich daher auf eine Reise gemacht hat. Zunächst schickt Meni Doris Schwester noch regelmäßig E-Mails. Nachdem sie nichts mehr von ihm hört, beginnt Dori seine Suche, zusammen mit Alfredo, der sich auf das Auffinden von Verschwundenen spezialisiert hat und damit sein Geld verdient. Und der seine ganz eigenen Methoden hat, in die er sich nicht hineinreden lässt. Doris kleiner Sohn Neta und seine Frau, die er innig, aber eher unglücklich liebt, bleiben in Israel zurück.

Inbar hat einen schweren Schlag verkraften müssen, als ihr Bruder vor ein paar Jahren unter nicht ganz geklärten Umständen starb. Die Beziehung zur Mutter ist schwierig, die zur Großmutter liebevoll und eng. Die Ehe der Eltern ist nach dem Verlust des Sohnes gescheitert. Inbar lebt mit einem Mann zusammen, der offen und herzlich mit ihr umgeht, ihr vertraut – aber sie ist nicht glücklich.

Wie Dori und Alfredo nach Doris Vater suchen, wie sie auf Inbar treffen, davon – und von noch viel mehr – erzählt Eshkol Nevos Roman „Neuland“ in packender Weise. Schon nach den ersten Seiten fällt auf, dass es Nevos große Stärke ist, in kürzester Zeit und mit wenigen Worten komplexe Charaktere zu schaffen, denen man sich als Leser schnell verbunden fühlt. Nevo beschränkt sich auf ein eher kleines Figurenpersonal – neben Dori, Inbar, Doris Vater Meni und Alfredo kommt noch Inbars Großmutter eine größere Rolle im Roman zu, ferner Inbars Mutter Hanna und Doris Schwester. So konzentriert sich „Neuland“ stark auf das Innenleben vor allem von Dori und Inbar. Dabei geht es um die Beziehungen innerhalb der Familien und zu den jeweiligen Partnern. Und um das „neue Land“, das Menis Ausweg aus seinem Schmerz sein soll.

Die Existenz eines „Neulands“ aber ist auch eine Art Utopie, eine Wunschvorstellung, denn allen Protagonisten ist es gemeinsam, Nachkommen der Schoah zu sein, sie sind „verwundet“, wie es da immer wieder heißt. Möglicherweise sind dies die Passagen, die am schwersten zugänglich sind für nicht-israelische Leser, andererseits geben sie interessante Einblicke in das Empfinden eines Volkes. Eines, das in gewisser Weise einen Kontrast bildet zu dem deutschen Schuldempfinden, Nachkommen der „anderen Seite“ zu sein.

„Neuland“ ist eine tiefsinnige, packende Geschichte um Menschen, die die Heimat verlassen, um aus der Ferne und aus einem anderen Blickwinkel auf ihr Land und ihr Leben zu schauen. An der ein oder anderen Stelle vielleicht ein wenig zu ausführlich, manchmal bedrückend, aber auch hoffnungsvoll, ist Nevo dennoch ein kraftvoller Roman gelungen, den man kaum aus der Hand legen kann.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: Oktober 2013
  • Verlag: DTV
  • ISBN: 978-3-423-28022-8
  • Gebunden: 640 Seiten
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  1. Pingback: Mikwenbau – Eshkol Nevo: Die einsamen Liebenden | letteratura

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