Vodoo in New Orleans

DieStadtderToten„Es gibt zwei Arten von Detektiven. Die einen haben irgendwann beschlossen, als Detektiv zu arbeiten. Die anderen haben keine Wahl.“

Und diese Wahl hatte auch Claire deWitt nicht, als sie zusammen mit ihren Freundinnen ein kleines Buch fand, oder das Buch sie fand, welches ihr Leben veränderte. Ein Buch von Jacques Silette geschrieben, einem Detektiv, der etwas anders ermittelt, der Raum verlangt, wo es drängt, der nach Fragen sucht, wo andere Antworten finden wollen. Und die Wahrheit? Die Wahrheit ist etwas, das viele gar nicht wissen wollen, gar nicht vertragen. Die Wahrheit ist eine Sucht, nach der die besten Detektive suchen und dafür gehasst werden.

„Denn die Wahrheit liegt, ob es uns gefällt oder nicht, genau dort, wo sich das Verdrängen und das Vernachlässigte begegnen, in Nachbarschaft zu all dem, was wir vergessen machen wollten.“

Claire deWitt wird nach New Orleans geschickt, ein New Orleans nach dem Sturm Katrina, nach dem Bruch der Dämme und dem Aussetzen der Zivilisation, Chaos und Anarchie sind ausgebrochen, noch mehr als es sowieso unter normalen Zuständen ist. Claire soll einen Mann suchen, einen weißen Staatsanwalt. Vic Willing, der nach dem Sturm verschwand, anscheinend ertrunken.

„Offenbar waren manche Menschen auf der Stelle ertrunken. Andere ertranken in Zeitlupe, Stück für Stück, was Jahre dauern konnte. Und wieder andere ertranken seit sie denken konnten.“

Für Claire deWitt ist dies auch eine Reise in die Vergangenheit. New Orleans, wo sie bei der Exfreundin von Silette gelernt hat, Constanze. Die Vergangenheit, die Bekanntschaft mit dem Buch ‚Detéction‘, der Tod von Constanze, das Verschwinden ihrer Freundin, von der ihr nur ein Tattoo geblieben ist, stellt eine harte Probe für Claire dar. Sie hat andere Methoden zu recherchieren, lässt sich Träume erklären, wirft Qigong-Münzen oder I Ging, folgt den Ratschlägen ihres Meisters Silette:

„Es gibt keine Zufälle. Nur uneingelöste Rätsel, unerkannte Hinweise. Die meisten Menschen sind taub für den Gesang des Vogels, blind für das Blatt auf dem Weg. Sie denken sich nichts dabei, wenn die Nadel an immer derselben Stelle der Schallplatte springt oder ein Fremder am Telefon ist. Sie übersehen die Omen. Sie wissen die Zeichen nicht zu deuten. Für sie stellt sich das Leben als Buch mit lauter weißen Seiten dar. In den Augen des Detektivs hingegen ist es gefüllt mit einer leuchtenden, geheimnisvollen Schrift.“

Dabei scheut sie vor politischen Unkorrektheiten, Drogenkonsum oder Alkohol nicht zurück – ein Interview:

„Was bedeutet es für sie, nach Silette zu ermitteln. Es bedeutet dass ich blind war. Heute kann ich sehen. Und der Alkohol? Tja. Manche Menschen sehen durch Glas besser. „

Nicht nur die Methoden von Claire sind ungewöhnlich, das Buch taumelt mitunter wie seine Hauptheldin am Abgrund. Die Szenerie in New Orleans ist gespenstisch und hat eine Authenzität, die selbst Bilder nicht besser vermitteln können. Manche Kapitel sind wirr, wie das Buch Detéction, welches niemand verstehen kann, auch die Heldin irrt mit ihren unkonventionellen Methoden in ihrem inneren und äußeren Kosmos gegen Wände.

Doch trotz, oder gerade deswegen übt das Buch einen geheimnisvollen Sog aus, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ein mythischer und andersartiger Krimi, zurecht 2013 mit dem deutschen Krimipreis für den Besten internationalen Krimi ausgezeichnet.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 01.10.2013
  • Verlag : Droemer Knaur
  • ISBN: 9783426510162
  • Flexibler Einband: 368 Seiten
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