Die Melancholie der Botschaftergattin

Moster_Botschafter_Cover.inddOdas Leben scheint ohne Freude: Sie ist die Frau des Botschafters in Helsinki, ihre Hauptaufgabe ist es, ihren Mann bei öffentlichen Auftritten zu begleiten und Deutschland zu repräsentieren. Ihre Tage sind leer. Sie sehnt sich nach ihrem Sohn Felix, der aufgrund von Komplikationen während der Geburt behindert ist und in einem Heim in Deutschland lebt, wo er rund um die Uhr betreut wird. Besserung wird es für Felix nicht geben. Oda fühlt sich an Felix’ Schicksal schuldig. Da sie und ihr Mann Robert keinen Weg gefunden haben, gemeinsam mit ihrem Schicksal fertig zu werden, leidet die Beziehung. Sie scheinen den Zugang zueinander verloren zu haben.

Oda lernt Klaus kennen und freundet sich mit ihm an, Klaus, der sich selbst genügt, der nicht viel hat, aber auch nicht viel braucht, dessen eigene Biographie eine Leerstelle aufweist: Den deutschen Vater hat er nie kennengelernt. Zusammen beschließen sie, Felix für ein Wochenende nach Helsinki zu holen. Da dies für Felix sehr gefährlich sein kann, soll niemand sonst von ihrem Plan wissen.

Stefan Mosters Roman „Die Frau des Botschafters“ erzählt die Geschichte einer Frau, die ein Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen hat, die sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat, die als Diplomatenfrau gelernt hat, wie man freundlich-distanziert durchs Leben kommt, ohne zu viel von sich preiszugeben. Oda ist einsam, und langsam sucht sie einen Weg aus dieser Einsamkeit heraus. Moster beschreibt Odas Leben behutsam, er beobachtet seine Protagonistin, ohne zu werten, aber nicht ohne Emotion. Er ist genau in seinen Beschreibungen, lyrisch und manchmal altmodisch seine Sprache, er hat es nicht eilig: Der Übergang vom Herbst in einen langen, dunklen und kalten Winter braucht seine Zeit, als Leser geht man den Erzählrhythmus bedächtig mit. Sämtliche Figuren in Mosters Roman sind lebensnah, und vieles wird zwischen den Zeilen vermittelt: Da wird einiges deutlich durch das, was nicht gesagt wird.

So fiebert man mit Oda mit, leidet mit ihr und wünscht sich, sie möge einen Weg aus ihrer Melancholie finden, und auch zurück zu ihrem Mann, der mit der schweren Situation auf seine Weise zurechtzukommen versucht. Am Ende lässt man die Protagonisten des Romans nur widerwillig zurück, hätte sie gerne noch länger begleitet, noch mehr über sie erfahren. „Die Frau des Botschafters“ ist ein stiller Roman, der sich zu lesen lohnt.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 20. August 2013
  • Verlag : mare Verlag
  • ISBN: 978-3-86648-170-1
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

 

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Ein Gedanke zu “Die Melancholie der Botschaftergattin

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