Darfs was von der Longlist sein ? Ein wenig Hachiertes ?

5606-fian-polykrates„Mir grauet vor der Götter Neide;
Des Lebens ungemischte Freude
Ward keinem Irdischen zu Theil.“
F. Schiller

Artur liebt Rita. Artur ist glücklich in seinem bequemen und einfach eingerichteten Mikrokosmos in Wien. Jede Veränderung grauet ihm. Sind die Götter deswegen neidisch? Schicken Sie ihm deswegen Alice? Alice, die einen Zettel ‚zufällig‘ im Fotokopierer liegen lässt; einem Fotokopierer der in einem Copyshop steht, in dem Artur halbtags arbeitet? Aber nur damit er einen Job mit Krankenversicherung hat. Was steht so wichtiges auf diesem Zettel? Und wer ist Polykrates, der grinsend in den schwierigsten Situationen auftaucht? In Schillers Gedicht ein vom Glück Gesegneter. Alles gelingt ihm dank glücklicher Fügung. Seine Freunde verlassen ihn deshalb. Sie trauen dem Frieden nicht. Heutzutage würde man Murphys Law zitieren, auf Holz klopfen, wie auch immer. Der Aberglaube ist noch immer weit verbreitet. Artur selbst huldigt und opfert ihm. Und hat das bitter nötig.

Jäh wird er aus seiner gewohnten und hochgeschätzten  Bequemlichkeit gerissen, als Alice, sirenengleich und manipulativ begabt, lockt. Und Artur ist so jemand, der sich locken läßt, nicht unwillig begibt er sich auf verbotene Wege. Seltsame Wege. Irritierende einer fehlgeleiteten Logik folgende an Hybris grenzende und diese überschreitende Wege und nach einiger Zeit auch unausweichliche Wege.

Fian lässt seinen Ich- Erzähler in inneren Dialogen und charmantem Plauderton direkt erzählen, welche Wege er geht. Legt Fährten, schürt die Erwartungshaltung des Lesers. Aus einer sich alltäglich x- fach wiederholenden Begebenheit (alternder verheirateter Mann folgt blind seiner Libido unter Ausschaltung der Ratio) macht Fian eine nichtalltägliche Geschichte, die permanent aufs Neue überrascht. Süffisant entblösst er die Seelenqualen seines Protagonisten, dessen Gedanken (und auch die Handlung) zunehmend ins Abstruse, Absonderliche driften. Arturs konsequent verquere Logik und die daraus resultierenden Taten verblüffen. Wie Polykrates Freunde möchte man mahnend aufschreien, sich abwenden doch das geht hier natürlich nicht. Straff der Spannungsbogen, wäre er eine Gitarrensaite, man müsste um ihn bangen. Dem zunehmend moralisch deformierten Hauptcharakter folgt – blutig – die Entwicklung der Geschichte.

Bald ist wieder Schiller zu zitieren:
„Hier wendet sich der Gast mit Grausen:
So kann ich hier nicht ferner hausen,…“

„Das Polykrates Syndrom“ ist ein Roman, der gänzlich ohne sympathische Protagonisten auskommt, faszinierenderweise, trotz der ziellosen aber ungewöhnlichen Handlung, dennoch ein absoluter Pageturner. Eine fesselnde, wenn auch kurze Erzählung, nicht wirklich relevant, auch wenn der Normalitätsverlust beispielhaft vonstatten geht, aber bestens unterhaltend und sprachlich weit über dem Durchschnitt.

Antonio Fian ist damit auf der Longlist zum dt. Buchpreis gelandet. Zurecht. Weitab vom Gewöhnlichen überzeugt der Plot. Uns zumindest.

Ein erfrischendes Leseerlebnis für Menschen, die einer handfesten Prise Zynismus und Humor nicht abgeneigt sind und auch bei drastischen Schilderungen des Nachts noch gut schlafen können.

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 03.02.2014
  • Verlag : Droschl
  • ISBN: 9783854209508
  • Fester Einband: 240 Seiten
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